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Jazz Fest Wien

Das erlebt man selten: Tanzend, klatschend, durch das vorhergehende fabelhafte Konzert des Gotan Project enthusiasmiert, weigerte sich das Jazz Fest Wien-Publikum gestern, Sonntag, auch nach den Zugaben schlicht und einfach, die schon hell erleuchtete Staatsoper zu verlassen, und feierte stattdessen zur Musik vom Band weiter.

Und holte mit seiner Persistenz die Tango-Dekonstruierer dann doch noch für eine weitere, improvisierte Zugabe zurück. Ein rauschender Erfolg für die Electrotango-Vorreiter und das Jazz Fest Wien.

Die kühle Erotik des Tango, gepaart mit den Dub- und TripHop-Sounds des Heute, argentinische Tradition und Pariser Jetztzeit – ihr Erfolgsrezept haben Philippe Cohen Solal, Christoph H. Müller und Eduardo Makaroff seit sieben Jahren verfeinert. Die euphorisch gefeierte neue CD „Lunatico“ im Gepäck, verwandelte die Band die Staatsoper in eine Mischung aus Ballsaal, Fete blanche und Videoshow: Mit Tüchern und Leinwänden überzogen waren die Bühne, das Piano und der DJ-Pult, hinter dem die beiden DJs ihre elektronischen Klänge hervorzauberten.

Auf alle diese Flächen wurden Videos projiziert, die mit Verdopplungseffekten, ungewöhnlichen Loops und Schnitten ebenso neu interpretiert wurden wie die argentinische Tanzmusik durch die hineingemengten Elektro-Sounds. Eine Dame mit Fächer, überdimensional auf der bühnenhohen Leinwand, kühl und erotisch, Stadtansichten von Buenos Aires, das Titel gebende Rennpferd Lunatico oder schlicht Tango tanzende Paare als optische Anhaltepunkte – und dazu die hinreißende Musik, bei der sich Handgemachtes auf glücklich machende Art mit Computersounds mischt.

Streicher, Piano, Gitarre und Bandoneon auf der Bühne, Rhythmen vom DJ-Pult, und auch mal Rap von der Leinwand – das in Paris beheimatete Project lieferte eine perfekt konstruierte Show, die auch den deutschen Elektronik-Pionieren Kraftwerk gut stehen würde, falls die mal von unstillbarem Tanzfieber überkommen würden. Eines der Geheimnisse des Gotan Projects ist dabei, weder die Geschmackssicherheit noch die Melancholie, die der Tango aus seinen Einwanderer-Ursprüngen bezieht, am DJ-Pult abzugeben, und die in den Beinnerven rumorende Rhythmik in gezielter Sparsamkeit einzusetzen. So verzichtete das Publikum bei der erzwungenen Zugabe dann zuletzt freudig darauf, sich niederzusetzen, und wippende Körper und lächelnde Gesichter boten ein für Staatsopern-Verhältnisse seltenes Bild. Feierstimmung pur bei einem Konzert zum Hinhören, Hinschauen und Mitfühlen.

Die Jazz Fest Wien-Konzerte in der Staatsoper warten noch mit weiteren hochkarätigen Acts auf: Nach Sergio Mendes am heutigen Montag folgen Pianisten-Legende Herbie Hancock (Dienstag), Randy Newman (Mittwoch) und ein seltener Gast am Donnerstag: Percy Sledge („When A Man Loves A Woman“) wird als Special Guest zu den Soul Survivors stoßen, mit denen Cornell Dupree und Les McCann auf der Bühne sind. Karten sind für alle Konzerte noch erhältlich.

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