Jazz Fest Wien: Sinead O'Connor in der Staatsoper

Den folgenden Song hat Sinead O'Connor schon so oft gesungen, erzählt sie, dass es ihr immer wieder passiert, dass sie in Kichern ausbricht - "aber bitte glaubt nicht, dass ich ihn deshalb nicht ernst nehme!"

Gelacht hat sie dann doch nicht, und auch beim Publikum des Jazz Fest Wien in der Staatsoper herrschten am Donnerstagabend während O’Connors Trennungsterrorballade “Nothing Compares 2 U” ganz andere Emotionen. O’Connor spielte rund um ihren heftig beklatschten Welthit ein so sanftes wie kämpferisches Konzert.

Über einen Mangel an Schrägheit kann man sich bei der 1966 geborenen Irin eigentlich ja nicht beklagen. Papstbild-Zerreißerin und Priesterin der palmarianisch-katholischen Kirche, Roots-Reggae-Musikerin und Popstar – O’Connor hat schon vieles hinter sich, auch mehrere endgültige Rückzüge vom Musikbusiness. Doch auf der Bühne ist sie immer noch jene verschreckt-schüchterne Frau mit den großen Augen und dem pflegeleichten Sommerhaarschnitt, der man das alles eigentlich gar nicht zutrauen würde. “Ich bin auch schüchtern und stehe trotzdem hier oben”, tadelte sie das Publikum nach einer missglückten Mitsing-Aktion sanft, “deswegen mache ich die Augen zu beim Singen”.

Und wahrlich, ihre zumeist im Trio dargebotenen Songs waren an der Oberfläche oft nah am Hauch, textlich jedoch wurde viel Unrecht angeprangert. O’Connor wechselte oft die Gitarren. um dann auf jeder doch wieder nur mit dem Daumen herumzuschrammeln. Wohl nicht zuletzt einer Verkühlung war es zu verdanken, dass O’Connors Stimme um einiges rauer klang als gewöhnt. “Mein Vater ist sehr stolz, dass ich heute hier singen darf”, sagte O’Connor, bevor sie den Abschiedssong “Thank You For Hearing Me” anstimmte. Das Publikum dankte.

Zuvor bot Helen Schneider, die für die ursprünglich geplante, aber leider erkrankte Marianne Faithfull eingesprungen war, einen autobiografisch gefärbten Abend mit Abstechern zu Bob Dylan, Leonard Cohen und den Gebrüdern Grimm. Die US-Amerikanerin, die in Deutschland u.a. mit “Rock’n’Roll Gypsy” zum Rockstar wurde, hat jene Song-Klassiker dargeboten, die auch ihr 2007 erschienenes Album “Like A Woman” kennzeichneten – den Titel gebenden Bob Dylan Song ebenso wie eine hinreißende Version von “Natural Woman”, bei der sie an Carol King erinnerte.

“Simpel, das bedeutet für mich: ganz tief, ehrlich und pur und ohne jeden Schnickschnack”, hatte die so elegante wie Bühnen-erprobte Schneider, die Mitte der 1980er Jahre ihre Rock-Karriere beendete und seither mit Musical, Theater und Chanson u.a. am Broadway auf der Bühne stand, ihren derzeitigen Musikkosmos beschrieben. In der Staatsoper absolvierte sie eine nicht ganz Schnickschnack-freie, solide, nur stellenweise mitreißende Performance, bei der hin und wieder der Musical-Gestus in die Rockklassiker einbrach.

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