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Jazz Fest Wien: Randy Newman live

Randy Newman &copy APA
Randy Newman &copy APA
Randy Newman sezierte in der Staatsoper eineinhalb Stunden lang die amerikanische Psyche, als Instrument benötigte er dazu lediglich einen Flügel und etliche Songs, die er massenweise im Unterbewusstsein der Musikgeschichte versteckt hat.

Für die gekonnte Analyse gab es Applaus, der nicht enden wollte.

Randy Newman ist als Musiker gleichzeitig Zuhörer, er versteht es, sich klein zu machen und zu lauschen. Und manchmal verlangt er auch Geld für die Sitzung: „It’s Money That I Love“, hieß der Opener. Statt dickem Band-Aufputz bestreitet Newman ganz im Sinne seines „Songbook“-Albums den Abend allein am Klavier, Ballast abwerfen, lautet die Devise und siehe da: Übrig bleiben Songs, die keinen Deut weniger funktionieren. Der Komponist und Arrangeur Newman überlebt den Härtetest, dass er gewisse Tonhöhen stimmlich nicht mehr packt, streckt er selbstironisch weg.

Der Conférencier Newman erinnert ein klein wenig an Gerhard Bronner: Er sei immer wieder überrascht, dass er bereits doppelt so alt ist, wie Schubert überhaupt wurde, meinte er etwa, als ihm die ganze musikalische Last Wiens ins Bewusstsein rückte. Der Vergleich war gar nicht so schlecht gewählt, Songs wie „You’ve Got A Friend In Me“ (aus dem Trickfilm „Toy Story“) oder „I Miss You“ zählen zur großen Kunst des Liederschreibens, verschwindend kleine Formen, die musikalisch explodieren. Ebenso „Birmingham“ vom Konzeptalbum „Good Old Boys“, aus dem später noch „Marie“ und „Rednecks“ zu hören sein sollten.

Und spätestens bei „The World Isn’t Fair“ fühlte man sich auch ein klein wenig in das Universum der Monty Pythons versetzt, eine aberwitzige Erklärung der Lehre von Karl Marx. Und im nicht ganz bierernst zu nehmenden Stil ging es weiter: „I’m Dead (But I Don’t Know It)“ attestierte Newman sich selbst und gleich dem ganzen Rock-Business, wohl nicht zur Freude der Rolling Stones, die bald wieder Österreich beehren werden. Bei so viel ins Gesicht geknallter schnörkelloser Wahrheit tut ein Hit wie „You Can Leave Your Hat on“ ganz gut, auch „Short People“ war natürlich zu hören, ebenso „Guilty“. Newman ist lebendige Musikgeschichte, und trotzdem würde ihn kaum jemand auf der Straße erkennen.

Dass zu einem solchen Abend eine gehörige Portion Amerika-Kritik gehört, versteht sich von selbst: Songs wie „Political Science“ ganz zum Schluss haben den kleinen Mann in die oberste Liga der US-Songwriter katapultiert, da verwundert es nicht, dass er zu einer sarkastischen Verteidigung seiner Heimat ansetzt: „I’d like to say a few words in defence of my country“, improvisiert er, bei „The Great Nations Of Europe“ macht er sich über die amerikanische Identitätskrise lustig, um anschließend zu verkünden: „I Love L.A.“. Was nämlich bei Newman dazu kommt ist eine entwaffnende Liebe zu seiner Heimat, die sämtlichen Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt. Dementsprechend auch die letzte Zugabe: „Sail Away“ vom gleichnamigen Album. Ginge es nach dem Publikum, würde er auch heute noch spielen.

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