Jack White live in Wien: Konzert tauchte Gasometer in Blue(s)töne

Gitarren-Künste vom Feinsten gab es bei Jack White.
Gitarren-Künste vom Feinsten gab es bei Jack White. ©EPA
Beim Konzert am Dienstag im Wiener Gasometer führte Jack White nicht nur seine Gitarren-Sammlung in aller Ausführlichkeit vor, er zersägte ganz nebenbei sein Klanguniversum. Ein Handwerker des Blues als Urgewalt.
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Wobei Soloshow nur insofern zutreffend war, als White sich derzeit auf Tour zu seinem zweiten Album “Lazaretto” befindet. Natürlich braucht der Kreativkopf dafür aber Unterstützung, die am Dienstagabend von einer an der kurzen Leine gehaltenen, fünfköpfigen Band kam.

Sein Führungsstils wurde schon durch das Bühnenbild ersichtlich: Drei großformatige Beleuchtungsquader über den Köpfen der Musiker waren nicht nur Hingucker, sondern auch als III zu lesen, Whites seit einigen Jahren geführter “royaler” Namenszusatz.

Gekonnter Stil-Mix Marke Jack White

Zumindest musikalisch kann man ihm das aber kaum absprechen: Schon der früh gespielte Titeltrack der aktuellen Platte machte deutlich, welche Sonderstellung White besitzt. Zwar wollte das Konzert nicht zur Geschichtsstunde verkommen lassen, wie er an einer Stelle mit seiner krächzigen Stimme anmerkte. Aber kaum jemand verbindet die Wurzeln von Blues, Folk und Country derart gekonnt mit modernen Zitaten. Eher zutraulich wurde das bei “Temporary Ground” oder dem großartigen “Love Interruption” unter Beweis gestellt, deutlich mehr Härte lieferte hingegen die Single “Would You Fight For My Love?”.

Besonders erbaulich gelang dabei Daru Jones’ Bearbeitung der Felle: War schon bei der minimalistischen Aufstellung der White Stripes die Kombination aus Gitarre und Schlagzeug von hypnotischer Wirkung, so steht Whites derzeitiger Rhythmusbegleiter seiner langjährigen Weggefährtin Meg White in Nichts nach. Energetisch, teils brutal hämmerte Jones die Nummern nach vorne, während Keyboarder Dean Fertita sich eher im Hintergrund hielt und Bassist Dominic Davis wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung wirkte. Deutlich präsenter auf der Bühne wie im Klangbild waren hingegen Lillie Mae Rische und Fats Kaplin an Geige, Pedal Steel Gitarre oder Theremin.

Sound-Kapriolen im Wiener Gasometer

Entsprechend aufwendig gerieten durch diese Besetzung auch die obligatorischen Nummern von Whites früherer Band: Der Stripes-Song “Dead Leaves And The Dirty Ground” fasste den Abend beinahe beispielhaft zusammen. Immer wieder türmte White Schichten auf, zerstückelte seine Ohrwurmriffs, um im nächsten Moment wieder das Tempo anzuziehen und dem lechzenden Publikum das so sehr Gewünschte zu servieren. Doch kaum wähnte man sich in Sicherheit, bog er ab, schlug Purzelbäume und machte sich seinen Spaß daraus. Was als Nächstes kommen sollte, dürften wohl nicht mal die Mitmusiker immer gewusst haben, jedenfalls pflegte White recht intensive Absprachen zwischen den Songs.

Auch dem Publikum gegenüber präsentiert sich der charismatische Sänger gesprächig, wenngleich seine teils pädagogisch anmutenden Monologe etwas merkwürdig erschienen. Aber schließlich stand genau das im Mittelpunkt: Musik, fabriziert von einer Handvoll Menschen an echten Instrumenten, wie er unterstrich. Und so wurde durch den “Hardest Button To Button” geknüppelt, Hank Williams’ “You Know That I Know” als melancholisch-schräge Verschnaufpause genutzt und natürlich der Raconteurs-Hit “Steady As She Goes” aus hunderten Kehlen geschmettert.

Dreistündiges Konzert endete mit viel Jubel

Beinahe drei Stunden gab White sein Publikum nicht frei, führte es in die Tiefen des Blues, ließ sich zu minutenlangen Instrumentalausflügen hinreißen und lag zwischendurch gar am Boden, immer noch seiner Gitarre die letzten Noten eines Solos abringenden. “Habt ihr genug, oder wollt ihr noch mehr?” Eine rein rhetorische Frage, wie sich wohl auch der Musiker selbst bewusst war.

Zum Finale bot er, wonach alle gierten, aber in einer Form, die bezeichnend war: Denn auch “Seven Nation Army”, diese wohl prägendste Rocknummer der vergangenen 15 Jahre, ist vor ihrem Schöpfer nicht sicher. Gebrochen, direkt, vor allem aber unfassbar gut – so wie der gesamte Konzertabend eigentlich.

Info: Fotos vom Konzert stehen laut Jack White auf der Website zum Gratis-Download zur Verfügung!

(APA/Red.)

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