Jack In Love

Philip Seymour Hoffman spielt und führt Regie: Der Oscar-Gewinner gibt mit einer Theateradaption sein Debüt hinter der Kamera - Ab 27. Mai im Kino.
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Mit Philip Seymour Hoffman gehen Regisseure auf Nummer sicher, wenn eine extreme Rolle zu besetzen ist. Der 43-jährige Schauspieler verkörpert komplizierte Figuren intensiv und bis ins kleinste Detail. Herausragend war seine Darstellung von “Capote” im gleichnamigen Streifen – fand auch die Oscar-Jury. Am Freitag (27.5.) läuft nun Hoffmans erster eigener Film an, der den kitschig klingenden Hollywood-Titel “Jack in Love” trägt.

Die Hauptrolle ist wie für den Charakterdarsteller gemacht: ein ängstlicher, introvertierter Typ, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt, im Kern aber herzensgut ist. Und als Regisseur gibt Hoffman uneitel auch wenig bekannten Darstellern eine Chance. Zwar verlangt er ihnen viel ab. Aber so perfektionieren sie ihren Auftritt und arbeiten ihre Figuren heraus.

Da ist Jacks Kollege und einziger Freund Clyde (John Ortiz, “The Fast and The Furious”), der seine Ehe retten will. Seine Frau Lucy (Daphne Rubin-Vega, “Sex and the City: Der Film”) verachtet ihn und macht lieber Karriere. Lucys scheue Kollegin Connie (Amy Ryan, “Der fremde Sohn”), die von unbekannten Männern belästigt und verprügelt wird, möchte gerne devote Sexfantasien ausleben. Sie verändert Jacks Leben und erwidert als erste Frau seine Gefühle.

Hoffman, Ortiz und Rubin-Vega spielten ihre Rollen bereits auf der Theaterbühne. Das Stück “Jack Goes Boating” wurde von Autor Bob Glaudini für die Leinwand adaptiert. Allerdings ist dabei kein wirklich stimmiger Film entstanden. Die Kulisse etwa wirkt belanglos, weil sie zwischen Wohnung, Krankenhaus und Straße wechselt, so wie es gerade zu den Gesprächen passt. Die Kamera verharrt oft an einer Stelle – fast wie der Theaterzuschauer auf seinem Platz.

Regisseur Hoffman zeigt etwa Jack beim Schwimmunterricht ganz nah: Die Schwimmbrille drückt sich in das bleiche, speckige Gesicht, Jack japst nach Luft. Auch Lucy wirkt sehr eindringlich, als sie mit zittrigen Lippen ihren Ehemann anbrüllt, ein “Nichts” zu sein. Die Lebenswege der Figuren sind von Schicksalsschlägen geprägt. Die Eskalation folgt im Koks- und Haschrausch. Jack stürmt ins Badezimmer und heult: “Immer, wenn etwas schön ist, geht es kaputt.” Abrupt endet der Film: Die Zukunft von Lucy und Clyde bleibt völlig offen. Der menschenscheue Jack fährt mit der gepeinigten und neurotischen Connie auf ihren Wunsch mit einem Boot im Central Park.

Vielleicht ist das der Grund für den trügerischen Film-Titel “Jack in Love” auf dem deutschen Markt , der nicht ahnen lässt, dass es bloß ganz zum Schluss um Romantik geht. In Amerika war das Werk nach dem Theaterstück “Jack Goes Boating” benannt. (Marco Krefting/dpa-APA)

www.jack-in-love.de

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