Italiens Ex-Königsfamilie besucht ihren Palast

Der Staatspräsident Ciampi empfing ehemalige Bewohner des heutigen Präsidentenpalastes. Währenddessen kam es in Rom zu Proteste von Monarchie-Gegnern.

Mitglieder von Italiens ehemaliger Königsfamilie sind am Freitag in Rom von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi empfangen worden. Mit dem Staatschef besuchten Prinz Vittorio Emanuele, seine Frau Marina Doria und ihr Sohn Emanuele Filiberto den Quirinalpalast. Der Quirinal ist heutiger Sitz des Präsidenten und war bis zum Ende Ende des Zweiten Weltkriegs die Residenz der italienischen Königsfamilie war. Der 65-jährige Vittorio Emanuele, Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II., hatte den Palast 1945 als Kind verlassen, um mit seiner Familie ins Exil zu gehen.

Vittorio Emanuele, der im Dezember nach 57 Jahren Exil wieder seine Heimat besuchen durfte, bekam von Ciampi eine Sammlung von Siegeln als Geschenk, die seinem Vater gehört hatten und im Quirinalpalast geblieben waren. Die ehemalige Königsfamilie traf auch Regierungschef Silvio Berlusconi. Vittorio Emanuele dankte ihm für seine Bemühungen zur Aufhebung des Verfassungsartikels, der fast sechs Jahrzehnte lang den männlichen Erben der Familie Savoyen die Heimkehr nach Italien verboten hatte.

Einige Anhänger anti-monarchistischer Bewegungen protestierten am Freitag wegen der Ehrenbezeugung, mit der die Savoyer in Rom empfangen worden seien, obwohl sie ganz normale italienische Bürger seien. Die Ex-Königsfamilie war am Donnerstag zu ihrem dritten Besuch in ihrer Heimat nach Ende des Exils im Dezember des Vorjahres eingetroffen. Es handelt sich um den ersten offiziellen Besuch in Rom.

Im Rahmen ihres fünftägigen Aufenthalts in Italien wird die in Genf lebende Ex-Königsfamilie am Samstag vor dem „Altar des Vaterlandes“ auf der zentralen Piazza Venezia einen Kranz legen. Die Savoyer wollen auch das Pantheon besuchen, wo die Könige aus ihrer Familie begraben sind. Am Sonntag werden die Savoyer an der Heiligen Messe auf dem Petersplatz anlässlich des 83. Geburtstags von Papst Johannes Paul II. teilnehmen, wo sie auch Ciampi erneut treffen werden.

Das mit der Abschaffung der Monarchie 1946 verhängte Einreiseverbot gegen die Savoyer war im Vorjahr vom italienischen Parlament aufgehoben worden. Bereits im Dezember war die Ex-Königsfamilie zu einem Blitzbesuch nach Rom gekommen, jedoch ausschließlich um den Papst zu sehen. Im März hatten sie Neapel besucht, wo sie Zielscheibe heftiger Proteste von Anti-Monarchisten waren. Sie mussten deshalb ihr Programm ändern. In den kommenden Monaten wollen sie auch andere italienische Städte besuchen. Vittorio Emanuele hat wiederholt die Absicht geäußert, sich eines Tages wieder in Italien niederzulassen.

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