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Italien debattiert wieder über Sterbehilfe

In Italien wird erneut über Sterbehilfe bzw. Euthanasie debattiert. In der Nacht auf Dienstag ist der seit Jahren an Sklerose leidende Patient Giovanni Nuvoli gestorben.

Dieser hatte in den vergangenen Monaten einen verzweifelten Kampf um das Recht auf Sterbehilfe in Italien geführt. Beim Staatsanwalt von Sassari auf Sardinien hatte Nuvoli den Antrag auf Abschaltung der Beatmungsgeräte eingereicht, die ihn am Leben hielten. Die Staatsanwaltschaft lehnte Nuvolis Antrag ab. Der 53-Jährige starb ohne jegliche Hilfe in seiner Wohnung, teilte seine Witwe mit. „Er hat sich sterben lassen“, sagte die Frau, Maddalena Soro.

Nuvoli hatte in der Hoffnung, einen Freiwilligen zu finden, der ihn in seinem Wunsch nach Euthanasie unterstütze, an italienische Anästhesie-Ärzte appelliert. Nuvoli wurde auch vom Europaparlamentarier Marco Cappato besucht. Dieser war anwesend, als der Anästhesie-Arzt Mario Riccio im Dezember das Beatmungsgerät abgeschaltet hatte, das den an Muskeldystrophie leidenden Piergiorgio Welby am Leben hielt. Welbys Fall hatte international für Aufregung gesorgt.

Nuvoli hatte das Recht auf einen schmerzlosen Tod beansprucht, weil er kein „echtes Leben“ mehr habe. Der ans Bett gefesselte Mann, der nur noch 38 Kilos wog, konnte nur mehr über einen Sprachsynthesizer kommunizieren. „Nuvoli ist auf unmenschliche Weise gestorben, wie man es nicht einmal für ein Tier toleriert hätte“, betonte der Europaparlamentarier Cappato. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um festzustellen, ob für Nuvoli wirklich nicht Sterbehilfe geleistet wurde.

Der Fall Nuvoli hat die Debatte um Sterbehilfe in Italien neu entfacht. Mehrere Parlamentarier verlangen eine tiefgründige Debatte über das Sterberecht. Die Verfassung sieht zwar vor, dass Patienten medizinische Behandlung verweigern dürfen, zugleich sind Ärzte aber verpflichtet, deren Leben zu erhalten.

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