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Israilov-Prozess: Verhandlungen über Heimkehr auf der Donauinsel

Ein halbes Jahr vor der Ermordung des tschetschenischen Dissidenten Umar Israilov am 13. Jänner 2009 hat sich auf der Wiener Donauinsel eine im Nachhinein offenbar folgenschwere Begegnung zugetragen.

Ein tschetschenischer Unterhändler war dabei auf Israilov zugekommen und hatte ihn in Berufung auf den tschetschenischen Machthaber Ramsam Kadyrow zu einer Rückkehr in sein Heimatland gedrängt. Der Disput wurde auf einem Mobiltelefon aufgezeichnet und ein Transkript dem Schwurgericht (Vorsitz Friedrich Forsthuber) vorgelesen.

 

Tonband aus dem Jahr 2008 im Fokus des Verhandlungstages

Der Bote, der sich in dem Gespräch immer wieder auf Kadyrow bezieht, den beide beim Vornamen nennen, beißt bei Israilov auf Granit. Stellenweise klingt der Dialog vom Juni 2008 wie einem durchschnittlichen Mafia-Dialog entsprungen, voller dunkler Andeutungen und Kraftausdrücke. “Scheiß auf Ramsan”, meint Israilov etwa an einer Stelle. “Ich scheiße auf seine Macht und auf sein Geld. Ich habe auch Macht und Geld gehabt.” Das sei jetzt aber vorbei. Der tschetschenische Unterhändler insistiert weiter: “Ich bin gekommen, um mit dir zu reden”, meint er etwa. In Bratislava würden fertige Dokumente für den reuigen Heimkehrer warten, verspricht er. Dieser bleibt jedoch hart, woraufhin ihn der Abgesandte mit einer nicht weiter ausgeführten Andeutung: “Wenn ich wegfahre, wer dann kommt…”, meint er etwa.

Belohnung für Heimkehr Israilovs angesetzt

Auch über eine Belohnung für eine Heimkehr von Israilov wird debattiert. So verspricht der Unterhändler einer dritten anwesenden Person 50.000 Euro, sofern der Gesuchte nach Tschetschenien zurückkomme. “Er wird sicher nach Hause kommen”, verspricht er.

Die Verhandlung soll am 30. Mai fortgesetzt werden. Ein erstinstanzliches Urteil wird für Anfang Juni erwartet. (APA/Redaktion)

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