Israel: Weiterer Selbstmordanschlag

Eine schwere Explosion hat die israelische Küstenstadt Netanya erschüttert. Israelische Medien berichteten, es handle sich vermutlich um ein Selbstmordattentat. Abbas gegen Terror

Beim Selbstmordanschlag eines palästinensischen Extremisten auf ein Einkaufszentrum in der israelischen Stadt Netanya sind am Montag mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. Der israelische Rundfunk meldete, bei der Explosion am Eingang der Kaufhalle seien neben dem Attentäter vier Menschen sofort getötet worden, ein Opfer sei später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Etwa 50 weitere Menschen seien verletzt worden. Außenminister Silvan Shalom sah in dem Attentat einen Beweis für den mangelnden Anti-Terror-Einsatz der palästinensischen Führung. Israel hat mit der Wiederaufnahme von „gezielten Tötungen“ palästinensischer Extremisten gedroht.

Das Attentat zeige, dass die palästinensische Führung nichts gegen Terroristen unternehme, sagte Außenminister Shalom in einer ersten Reaktion im israelischen Rundfunk. Zu der Urheberschaft bekannten sich die „Al-Aksa-Märtyrerbrigaden“ und der „Islamische Heilige Krieg“ (Jihad Islami). Die Al-Aksa-Brigaden setzen sich aus extremistischen Elementen der regierenden Fatah-Bewegung von Präsident Mahmoud Abbas zusammen. Sie bestehen aus zahlreichen kleinen „Kampfeinheiten“, was eine Kontrolle durch zentrale Führungsinstanzen unmöglich macht. Unter dem Namen Al-Aksa-Brigaden traten sie erstmals im Juni 2001 als Drahtzieher von antiisraelischen Selbstmordanschlägen in Erscheinung.

Die palästinensische Regierung verurteilte das Attentat umgehend. Chefunterhändler Saeb Erekat erklärte, dass der Anschlag den Interessen der Palästinenser schade. Damit sollten der Friedensprozess und die Wahlen im Jänner sabotiert werden. „Wir werden die Verantwortlichen für diesen Terroranschlag jagen und fassen“, hieß es in einer in Ramallah veröffentlichten schriftlichen Stellungnahme von Präsident Abbas. Netanya war schon mehrfach Ziel von Anschlägen extremistischer Palästinenser. Zuletzt hatte ein Attentäter am 26. Oktober sechs Menschen in der israelischen Küstenstadt Hadera getötet.

Nach einem erneuten Beschuss seines Gebiets mit palästinensischen „Kassam“-Raketen hat Israel mit der Wiederaufnahme der „gezielten Tötungen“ gedroht. Dieses Mittel habe sich im Kampf gegen den Terrorismus als „effizient“ erwiesen, sagte der geschäftsführende Verteidigungsminister Zeev Boim am Montag im öffentlichen Rundfunk. Solchen „Liquidierungen“ durch die israelische Armee waren auch die Hamas-Führer Scheich Ahmed Yassin und Abdelaziz Rantisi zum Opfer gefallen. Das humanitäre Völkerrecht verbietet, unbewaffnete Zivilisten militärisch gezielt anzugreifen. Eine „Hinrichtung“ ohne Gerichtsverfahren untersagt der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, den auch Israel ratifiziert hat.

Israel hatte Anfang November zwei Palästinenser in einem Flüchtlingslager des Gaza-Streifens mit Raketen getötet. Am Samstag waren mehrere Raketen aus dem Gaza-Streifen auf israelisches Territorium abgeschossen worden. Es gab keine Verletzten. Als Reaktion griff die israelische Luftwaffe am Sonntag zum ersten Mal seit fünf Wochen wieder Ziele im Gaza-Streifen an, den Israel im August geräumt hatte.

Israel kann sich nach den Worten des neuen Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Amir Peretz, „keinen einzigen Monat des internen und externen Konflikts mehr leisten“. „Israel gibt Milliarden dafür aus, ein anderes Land zu besetzen, ein paar Tausenden zu ermöglichen, ihren persönlichen Traum zu verwirklichen und deshalb Millionen von Menschen den Weg zu versperren“, kritisierte Peretz in einem Interview mit der Berliner Tageszeitung „Neues Deutschland“. „Wir leben in einem Land, das auf dem besten Weg ist, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch zu verarmen.“ (Schluss) er/mah

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