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Israel: Möglicherweise über 20 Tote

Beim Beschuss eines palästinensischen Demonstrationszugs im Gaza-Streifen hat Israels Armee am Mittwoch möglicherweise über 20 Menschen getötet - darunter viele Schulkinder.

Während Ärzte von zehn Toten im Flüchtlingslager Rafah sprachen, berichteten israelische Zeitungen auf ihren Internetseiten von bis zu 23 Todesopfern. Die israelische Armee erklärte, möglicherweise hätten Geschosse aus Panzern die Menge getroffen, die eigentlich als Warnschüsse zum Abdrängen der Demonstranten abgefeuert worden seien.

Die Demonstranten flohen nach dem Beschuss in Panik. Einige schleiften auf der Flucht blutüberströmte Verletzte mit sich. Die Palästinenser-Regierung verurteilte die Aktion als Kriegsverbrechen. Die USA äußerten sich angesichts der offenbar hohen Opferzahl sehr besorgt. Israel erklärte, die Truppen hätten nicht absichtlich auf die Demonstranten gefeuert. Eine Untersuchung zu dem Vorfall sei eingeleitet worden.

Der Demonstrationszug hatte sich auf das Viertel Tel Sultan in Rafah zubewegt, in dem die Armee in einem Großeinsatz nach Extremisten und Tunneln zum Schmuggel von Waffen aus dem benachbarten Ägypten sucht. Unter den 22 Toten im Flüchtlingslager Rafah seien auch Frauen und Kinder, berichtete die israelische Zeitung „Yedioth Ahronoth“ auf Ihrer Internetseite. „Mehr als 50 wurden verletzt.“ Ärzte bestätigten die Zahl von 50 Verletzten, sprachen jedoch von zehn Toten. Die Zahl könne wegen des kritischen Zustands der Schwerverletzten noch steigen, sagte der Direktor des Hospitals von Rafah, Ali Mussah.

Die Zeitung „Haaretz“ berichtete auf ihrer Webseite von 23 Leichen. „Es war fürchterlich“, berichtete ein 35-jähriger palästinensischer Augenzeuge, dem sich nach dem Angriff ein Bild des Grauens bot. „Da war einer, dem hingen die Gedärme heraus. Ein anderer war derart Blut überströmt, dass man nicht einmal mehr seine Gesichtszüge erkennen konnte“, schilderte der Mann seine Eindrücke. Nach dem Angriff strömten zahlreiche Bewohner des Palästinenser-Lagers ins Zentral-Krankenhaus von Rafah, um sich über das Schicksal von Angehörigen zu erkundigen.

Eine israelische Armeesprecherin sagte, der Vorfall in Rafah werde untersucht. Allerdings hätten die Truppen keinesfalls absichtlich auf Demonstranten gefeuert. Scott McClellan, der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, sagte, die US-Regierung habe Israel aufgefordert, die Fakten zu dem Vorfall in Rafah vorzulegen. „Wir werde das weiter sehr genau verfolgen und fordern alle Konfliktparteien auf, äußerste Zurückhaltung zu üben“, fügte McClellan hinzu.

Am Vortag hatte die Armee in Rafah 19 Palästinenser getötet. Die Großoperation der Armee in Rafah zielt offiziellen Angaben zufolge darauf ab, den Schmuggel von Waffen durch Tunnel aus dem benachbarten Ägypten zu unterbinden und die Sicherheit der israelischen Grenzpatrouillen zu erhöhen. Dazu sollten auch palästinensische Wohnhäuser direkt am Grenzstreifen zerstört werden. Dieser Plan war von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union scharf kritisiert worden.

In Rafah hatten am Mittwoch israelische Scharfschützen auf Häusern in Tel Sultan Posten bezogen, das als Hochburg palästinensischer Extremisten gilt. Nach Armeeangaben wurden mehrere Gebäude abgerissen, von denen Palästinenser auf Soldaten geschossen hätten. Ein weiteres Haus sei zerstört worden, weil eine von Extremisten vorbereitete Bombe vorzeitig explodiert sei. Auch sei das Haus des palästinensischen Attentäters zerstört worden, der am 2. Mai eine schwangere Siedlerin und deren vier Töchter getötet hatte. Die Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge, UNRWA, teilte mit, sie habe wegen der Zerstörung von Wohnhäusern durch die Armee Zelte für 1600 Menschen aufgebaut.

In Rafah hatten Soldaten Extremisten mit Lautsprechern aufgerufen, weiße Fahnen als Zeichen ihrer Aufgabe zu schwenken. Daraufhin hatten sich Augenzeugen zufolge einige Palästinenser den Truppen gestellt. Palästinensischen Augenzeugen zufolge haben die israelischen Soldaten alle Männer über 16 Jahren in Rafah aufgefordert sich in einer Schule zu versammeln. Die Armee erklärte dagegen, sie suche nach Extremisten, nicht nach allen männlichen Bewohnern des Lagers. Einige Palästinenser warfen den Soldaten vor, dabei auf Bewohner der Stadt geschossen zu haben. Nach Angaben der Armee eröffneten dagegen Extremisten von Dächern das Feuer, als sich einige Palästinenser ergeben hätten.

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