Israel: Abbas ruft zum Ende der Gewalt auf

Der neue PLO-Vorsitzende Mahmud Abbas hat die Palästinenser am Dienstag zu einem Ende der Gewalt gegen Israel aufgerufen. Der PLO-Vorsitzende bezeichnete den bewaffneten Aufstand als Fehler.

In einem Interview der in London erscheinenden arabischen Zeitung „Asharq al-Awsat“ bezeichnete er den seit September 2000 andauernden bewaffneten Aufstand („zweite Intifada“) gegen die israelische Besatzung als Fehler. Abbas gilt bei der Wahl am 9. Jänner als Favorit für die Nachfolge des verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat.

Abbas hatte den bewaffneten Aufstand bereits im vorigen Jahr nach der Vorstellung der Roadmap, des internationalen Nahost-Friedensplans, öffentlich verurteilt, dafür aber bei seinen Landsleuten scharfe Kritik geerntet. In dem Interview sagte Abbas jetzt, die Palästinenser sollten sich gewaltfrei gegen die israelische Besatzung wehren. Die Anwendung von Gewalt schade nur und müsse beendet worden. Bei Anschlägen und anderen Gewalttaten militanter Palästinenser wurden seit Beginn der zweiten Intifada im Herbst 2000 hunderte Israelis und, im Gegenzug durch israelische Vergeltungsmaßnahmen ebenfalls hunderte Palästinenser getötet.

Die israelische Regierung macht die Wiederaufnahme von Friedensgesprächen von einem Ende der Gewalt abhängig. Abbas gilt als gemäßigt und hat im Rennen um die Nachfolge Arafats die Unterstützung Israels und der internationalen Staatengemeinschaft.

In seinem Bemühen um ein Ende der Gewalt erlitt Abbas angesichts einen neuen Bombenanschlags militanter Palästinenser am Sonntag jedoch einen Rückschlag. Bei dem Anschlag wurden fünf israelische Soldaten getötet. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon warf daraufhin der neuen palästinensischen Führung erstmals vor, nicht entschlossen gegen die militanten Organisationen vorzugehen.

Israelische Truppen zerstörten am Dienstagmorgen in einem Flüchtlingslager im Gazastreifen mehrere Gebäude. Nach palästinensischen Angaben rückten zehn Panzer ins Lager Khan Junis im Süden des Autonomiegebietes ein. Die Soldaten hätten den Bewohnern befohlen, ihre Häuser zu verlassen. Mindestens fünf Wohnhäuser seien niedergerissen worden. Außerdem habe es heftige Schusswechsel gegeben.

Die israelischen Streitkräfte erklärten, der Einsatz habe sich gegen die „terroristische Infrastruktur“ in dem Gebiet gerichtet. Extremisten hätten von dort aus in der vergangenen Woche insgesamt 25 Mörsergranaten und Raketen auf israelische Ziele abgefeuert.

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