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Irak: Zahlreiche Tote bei US-Luftangriff

Bei einem amerikanischen Luftangriff in der westirakischen Aufständischen-Hochburg Falluja sind am Montagabend mindestens elf Menschen ums Leben gekommen.

Sieben Menschen wurden verletzt, berichteten Krankenhausärzte nach dem Abschluss der Bergungsarbeiten am Dienstag. US-Soldaten erschossen an einem Kontrollpunkt in Bagdad ein Kind und verletzten ein zweites. Der britische Premierminister Tony Blair hat unterdessen erstmals eingeräumt, dass der Irak wahrscheinlich nie Massenvernichtungswaffen besaß. Dies hatten die Amerikaner im Vorjahr als Kriegsgrund für ihren Einmarsch in den Irak angegeben.

Der US-Angriff habe einem mutmaßlichen Versteck der Gruppe um den Top-Terroristen Abu Mussab el Zarqawi gegolten, erklärte Übergangsministerpräsident Iyad Allawi am späten Montagabend. Die US-Armee habe vor dem Luftangriff entsprechende Informationen der irakischen Sicherheitskräfte erhalten. Nach US-Militärangaben erschossen US-Soldaten an einem Checkpoint in Bagdad ein irakisches Kind und verletzten ein zweites. Der Vater, der das Auto lenkte, habe trotz mehrfacher Aufforderung nicht angehalten. Bei Einsätzen im Westirak wurden zwei US-Soldaten getötet, ein dritter erlage seinen Verletzungen.

Die Familie des im Irak entführten, aus dem Libanon stammenden US-Soldaten Wassif Ali Hassoun (24) hat unterdessen seine Freilassung bestätigt. „Alles, was ich sagen kann, ist, dass er frei ist und dass es ihm gut geht“, sagte sein Bruder Sami am Dienstag in Beirut. Zum Aufenthaltsort seines Bruders machte er keine Angaben. Hassoun, der als Übersetzer bei der US-Armee arbeitete, wurde seit dem 21. Juni vermisst. Arabische Fernsehsender hatten später Videobilder gezeigt, auf denen er mit verbundenen Augen zu sehen war. Die US-Armee bestätigte sein Verschwinden, nannte jedoch keine weiteren Einzelheiten.

Der arabische Nachrichtensender „Al Jazeera“ (El Dschasira) hatte am Montag eine Erklärung der mutmaßlichen Geiselnehmer erhalten. Darin hieß es, die „Nationale Islamische Widerstandsbewegung im Irak“ habe die Freilassung des US-Marineinfanteristen beschlossen, nachdem dieser versprochen habe, nicht zur US-Armee zurückzukehren. Er sei an einen „sicheren Ort in Bagdad“ gebracht worden.

Nach einem Bericht der „New York Times“ soll der US-Geheimdienst CIA Informationen über die Beendigung der irakischen Massenvernichtungsprogramme zurückgehalten haben. Die CIA habe weder US-Präsident George W. Bush noch andere Politiker informiert, schreibt das Blatt am Dienstag unter Berufung auf Regierungsbeamte. Danach soll der Geheimdienstausschuss des US-Senats aufgedeckt haben, dass CIA-Mitarbeiter seit 2000 – also lange vor Kriegsbeginn im März 2003 – Angehörige von irakischen Wissenschaftlern befragt haben. Deren Erklärungen, dass diese Programme beendet seien, seien nicht in Berichte für die Regierung aufgenommen worden. Stattdessen hätten CIA-Experten an ihrer Einschätzung festgehalten, dass der Irak unter Saddam Hussein weiter unkonventionelle Waffen herstelle.

Premier Blair hat nun erstmals zugegeben, dass er nicht mehr mit dem Fund von Massenvernichtungswaffen im Irak rechnet. Die Existenz solcher Waffen war als Kriegsgrund angegeben worden. Er müsse akzeptieren, dass die Waffen „vielleicht nie“ gefunden würden, sagte Blair am Dienstag vor britischen Abgeordneten in London. Er wisse nicht, was mit den Massenvernichtungswaffen geschehen sei. Sie könnten verlegt, versteckt oder zerstört worden sein. Bisher hatte sich Blair stets überzeugt gezeigt, dass noch derartige Waffen gefunden werden.

Blair rückte nicht von der Entscheidung ab, an der Seite der USA gegen Irak in den Krieg gezogen zu sein. Es wäre „ein Fehler“, jetzt anzunehmen, von Ex-Machthaber Saddam Hussein sei keine Gefahr ausgegangen. Die Entscheidung sei nach mehreren UN-Resolutionen gefällt worden, in denen das irakische Streben nach Massenvernichtungswaffen verurteilt worden sei. Er glaube nicht, „dass es keine Bedrohung in Bezug auf Massenvernichtungswaffen gab“.

Der irakische Ministerpräsident Iyad Allawi forderte die Regierungen der Nachbarländer Syrien und Iran auf, ihre Haltung zu revidieren und die multinationalen Truppen im Irak zu unterstützen. Bis Ende der Woche will die irakische Regierung die angekündigten Notstandsgesetze zur Verbesserung der Sicherheit im Land verkünden. Nach Angaben eines Vertreters des irakischen Innenministeriums prüften Rechtsexperten, ob die Maßnahmen die Bürgerrechte der Iraker verletzen könnten.

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