Irak: US-Armee bombardiert Moschee

Die US-Armee hat am Mittwoch eine Moschee in der irakischen Stadt Falluja bombardiert und bis zu 40 Aufständische getötet. Das teilte ein US-Militärsprecher mit.

Nach schweren Gefechten in der sunnitischen Widerstandshochburg Falluja hat die US-Armee am Mittwoch eine Moschee der Stadt bombardiert und bis zu 40 dort verschanzte Aufständische getötet. Das teilte ein Armeesprecher mit. US-Marineinfanteristen gingen in der Stadt massiv gegen Aufständische vor, nachdem am Vortag im nahe gelegenen Ramadi zwölf US-Marines getötet wurden. Allein bei den Gefechten wurden in Falluja seit Dienstagabend nach Krankenhausangaben mindestens 46 Iraker getötet. Auch in anderen Städten gab es heftige Auseinandersetzungen mit vielen Toten. Die ukrainische Armee gab die Stadt Kut nach schweren Gefechten auf.

Die US-Armee ging in Falluja mit mehr als 2.000 Marines massiv gegen Aufständische vor. Gegen Mittag wurde die zuvor stundenlang umkämpfte Moschee mit 40 darin verschanzten Rebellen von einem Kampfjet bombardiert. Ein US-Armeesprecher hatte den Aufständischen vorgeworfen, Moscheen als Waffenlager und für Angriffe auf die Armee zu missbrauchen. Die Moscheen der Stadt riefen zum „Heiligen Krieg” gegen die Besatzungstruppen auf. Unter den irakischen Opfern der am Dienstagabend einsetzenden Gefechte waren nach Krankenhausangaben vor allem Frauen und Kinder.

Im Stadtzentrum von Falluja waren heftige Bombenangriffe zu hören, dicker Rauch stieg auf. Die Aufständischen verkündeten in einer Erklärung, sie hätten weiter die Kontrolle über die Stadt und hätten drei US-Hubschrauber abgeschossen. Die US-Soldaten setzten die Suche nach den Mördern von vier US-Zivilisten fort, deren Leichen in der vergangenen Woche in Falluja von einem wütenden Mob geschändet wurden. Soldaten verteilten Poster mit Fotos von sechs Verdächtigen.

Bei einer gewalttätigen Demonstration in der nordirakischen Kleinstadt Howeija sind am Mittwoch zehn Iraker und ein US-Soldat ums Leben gekommen. Das berichteten Polizisten und Krankenhausärzte in der rund 35 Kilometer südwestlich von Kirkuk gelegenen Ortschaft. Polizeioffizier Ahmed Abdullah sagte, Hunderte von Männern seien auf die Straße gegangen, um ihre Solidarität mit den Aufständischen in Falluja zu verkünden. Rund 50 der Demonstranten seien bewaffnet gewesen. Diese hätten US-Soldaten, die sich in der Region befanden, angegriffen. Die Amerikaner hätten daraufhin zurück geschossen. Unter den Toten, die nicht zu den Bewaffneten gehört hätten, sei auch ein neun Jahre alter Junge.

Bei einem US-Hubschrauberangriff auf das Schiitenviertel Sadr-City in Bagdad starben in der Nacht auf Mittwoch mindestens vier Iraker. In Kerbala wurden bei Kämpfen in der Nacht mindestens drei Mitglieder der „Armee Mehdis” des radikalen Schiiten-Führers Sadr getötet, darunter ein enger Vertrauter von Sadr. Nach Angaben der irakischen Polizei erschossen polnische Soldaten bei einem Gefecht in Kerbala den Chef von Sadrs dortigen Büro. Sadr selbst hat sich mit zahlreichen Kämpfern in der Stadt Najaf verschanzt. Er hat angekündigt, die schiitischen Rebellen würden ihren Kampf gegen die Besatzungstruppen so lange fortsetzen, bis diese das Land verlassen.

Die US-Truppen im Irak kündigten unterdessen eine Zerschlagung von Sadrs Milizen an. „Wir werden angreifen, um die Mahdi-Armee zu zerstören”, sagte US-Armeesprecher Mark Kimmitt in Bagdad. Den wegen Mordverdachts gesuchten Sadr rief er dazu auf, sich zu stellen. Obwohl die Besatzungstruppen derzeit gegen schiitische Aufständische im Süden und im Zentrum des Irak sowie gegen sunnitische Rebellen westlich der Hauptstadt kämpfen, wies Kimmitt die Einschätzung zurück, die Besatzer kämpften an zwei Fronten gleichzeitig: „Ich glaube, das ist eine falsche Darstellung”, sagte der Vize-Chef des Militäreinsatzes der Besatzungstruppen.

Die ukrainische Armee gab unterdessen die Stadt Kut rund 180 Kilometer südlich von Bagdad nach heftigen Gefechten mit Sadrs Anhängern auf. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Kiew zogen sich die Soldaten zurück, die Schiiten-Milizen hätten die Kontrolle über die Stadt erobert. Der Abzug der ukrainischen Verbände sei auf Anordnung der US-Armee erfolgt, um das Leben der Soldaten und der zivilen Mitarbeiter zu schützen, hieß es. Die Soldaten wurden am Mittwochmorgen unter dem Schutz von Kampfhubschraubern aus der Stadt in Sicherheit gebracht. Vorausgegangen waren 24 Stunden andauernde Gefechte, in deren Verlauf mehrere Dutzend Iraker sowie ein ukrainischer Soldat getötet wurden.

Der italienische Auslandsnachrichtendienst SISMI rechnet laut einem Pressebericht mit einer Reihe koordinierter Anschläge im Irak am Jahrestag des Sturzes von Saddam Hussein am Freitag. Es seien zeitgleiche Raketenangriffe sowie Anschläge mit präparierten Fahrzeugen geplant. Der Dienst rechne auch mit Geiselnahmen ausländischer Zivilisten, vor allem von Mitarbeitern regierungsunabhängiger Organisationen.

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