Irak: Anschläge auf Sicherheitskräfte

Zwei Wochen vor den geplanten Wahlen im Irak hält die Gewalt unvermindert an. Bei einem Feuerüberfall auf einen Kontrollposten bei Bakuba wurden am Montag acht irakische Nationalgardisten getötet, einer von ihnen enthauptet.

Acht weitere Menschen fielen einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation in Beji rund 200 Kilometer weiter nördlich zum Opfer, 25 Menschen wurden verletzt. Auch die bisher als weniger unruhig geltende Region südlich der Hauptstadt wurde Schauplatz von Anschlägen. Beji und Bakuba liegen im so genannten sunnitischen Dreieck, wo Aufständische besonders aktiv sind.

Bei einem Autobombenanschlag im Süden von Bagdad kamen drei Mitarbeiter des irakischen Finanzministeriums ums Leben. Das berichtete der arabische TV-Nachrichtensender Al-Arabiya. Bei Ramadi westlich von Bagdad sprengte sich ein Selbstmordattentäter in seinem Fahrzeug in die Luft, um einen amerikanischen Militärkonvoi anzugreifen. Außer dem Attentäter gab es keine Opfer. Unweit des Anschlagsorts wurden die Leichen von einem irakischen Soldaten und drei Zivilpersonen gefunden. Aus handschriftlichen Notizen an ihren Körpern ging hervor, dass sie unter dem Vorwurf der Kollaboration mit den Besatzungstruppen umgebracht wurden.

Bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes kamen am Sonntagabend in Numania südlich von Bagdad zwei Polizisten ums Leben. In Suwaira bei Kut wurden zwei Kommunalbeamte in ihrem Fahrzeug erschossen. In der Region waren bereits am Wochenende mindestens 17 Menschen Anschlägen zum Opfer gefallen. In der nördlichen Metropole Mossul starben am Sonntag drei Aufständische, die in zwei separaten Fällen versuchten, US-Patrouillen anzugreifen. Die US-Einheiten hätten die Attacken ohne eigene Verluste zurückschlagen, berichtete das US-Militärkommando am Montag.

Die schiitische Politikerin Salama al-Khafaji sagte wegen der prekären Sicherheitslage ihre geplanten Wahlkampfauftritte in den schiitischen Gebieten südlich von Bagdad ab. Die Frau, die am Sonntag einem Attentat auf offener Straße unverletzt entgangen war, erklärte, die größte Gefahr gehe von Terroristen aus, die Polizeiuniformen trügen. Die Politikerin gehört dem Bündnis Vereinigte Irakische Allianz an, die von Großayatollah Ali al-Sistani, der höchsten geistlichen Autorität der Schiiten im Irak, unterstützt wird.

Ein Prozess gegen den inhaftierten früheren Staatschef Saddam Hussein und weitere führende Mitglieder des gestürzten Baath-Regimes könnte kurz nach der Parlamentswahl beginnen. Das erklärte Übergangs-Präsident Ghazi al-Yawar in einem vom Sender Al-Arabiya ausgestrahlten Interview in Paris. Zum möglichen Urteil wollte er sich nicht äußern. Bisher hatte es aus amerikanischen und irakischen Kreisen immer geheißen, die Vorbereitungen für den Prozess würden noch Monate dauern.

Die Niederlande werden ihre 1.350 im Irak stationierten Soldaten in wenigen Wochen abziehen. Das gab Ministerpräsident Jan Peter Balkenende am Montag in Den Haag bekannt. Der größte Teil der niederländischen Soldaten soll nach den Worten Balkenendes Mitte März abgezogen werden. Die niederländischen Truppen sind unter britischem Oberkommando in der südirakischen Provinz Al Muthanna stationiert. Den Haag hatte den Einsatz zuletzt im Juni 2004 für acht weitere Monate beschlossen. Der Premier betonte am Montag, dass es dabei bleibe; es sei kein Grund ersichtlich, warum der Einsatz verlängert werden sollte.

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