Invasion österreichischer Autoren beim Literaturfest Brünn

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Den ganzen Juli über jeden Tag ein anderer österreichischer Autor: die heimische Literaturszene ist beim Zehn-Jahres-Jubiläum des Brünner Literaturfestivals "Monat der Autorenlesung" sehr aktiv.

Österreich ist heuer Gastland der größten tschechischen Literaturveranstaltung – und nutzt diese Ehre weidlich: Im ganzen Monat Juli wird täglich ein anderer österreichischer Autor in Brünn zu Gast sein.

Die Liste der 31 Eingeladenen ist eindrucksvoll und reicht von Michael Stavaric (1.), Andrea Grill (2.) und Peter Henisch (3.) bis Linda Stift (29.), Norbert Gstrein (30.) und Lilian Faschinger (31.). Das umfangreiche Programm, bei dem in 93 Veranstaltungen insgesamt 122 Autorinnen und Autoren lesen werden, wurde heute, Montag, in Wien vorgestellt.

2007 waren Autoren aus Weißrussland in der zweitgrößten tschechischen Stadt zu Gast, im Vorjahr sorgten 31 kanadische Literaten für das größte jemals außerhalb der Landesgrenzen gefeierte Literaturfest Kanadas. Von der heuer eingeladenen “Invasion österreichischer Autoren” erhofft sich Mentor Pavel Kohout, dass sie helfen werde, “jenen Abstand zwischen den beiden Ländern, der sich etwa durch die Debatten um die Atomfrage oder die Benesch-Dekrete in den vergangenen Jahren vergrößert hat, wieder zu verringern”.

Auch Robert Menasse (am 23.7. in Brünn) erhofft sich, dass nicht nur die wechselseitige Umwegrentabilität zwischen Dichtung und Hotellerie, sondern – nach dem Motto “Austausch statt literarischer Supermarkt!” – vor allem das Kennenlernen und der Meinungsaustausch von österreichischen und tschechischen Autoren im Mittelpunkt stehen werde.

Dazu werden wohl auch Stuttgarter Kollegen stoßen, denn neben der Österreicher-Lesereihe und einem “Best of” der tschechischen Literatur (u.a. mit Pavel Kohout, Jiri Grusa, Michal Viewegh und Ivan Klima) gibt es diesmal – aus Anlass des zwanzigjährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft – eine eigene Reihe, in der Brünner und Stuttgarter Autoren gemeinsam lesen werden.

Miguel Herz-Kestranek (liest am 6.7.) verfügt zwar über böhmische Verwandtschaft, musste aber bekennen: “Ich war noch nie in Brünn.” Die Großeltern von Robert Schindel (am 14.7. in Brünn) stammen – “wie es sich für einen echten Wiener gehört” – aus der Gegend von Brünn, weswegen er schon mehrmals dort war: “Mir kommt dort alles vertraut vor.” Er lebe zeitweise im Waldviertel unweit der böhmischen Grenze, während sich aber drüben viel getan habe, könne er sich auf österreichischer Seite manchmal nicht des Gefühls erwehren, “dass 1989 gar nicht stattgefunden hat”.

Die Lesungen der Österreicher – u.a. sind auch Peter Henisch, Franzobel, Norbert Gstrein, Sabine Gruber, Lydia Mischkulnig und Josef Winkler angekündigt – werden mit Videoprojektionen der tschechischen Übersetzungen begleitet, anschließend folgt jeweils ein von einem Dolmetscher unterstütztes Publikumsgespräch. Die Lesungen werden via Live-Stream auch im Internet (http://www.autorskecteni.cz) übertragen. Aber das sei natürlich nur ein ungenügender Ersatz für die Freuden eines tatsächlichen Brünn-Besuchs, versicherte Mojmir Jerabek, der Leiter der Abteilung für Außenbeziehungen der Stadt Brünn. Die Stadt habe jede Menge kulturelle Attraktionen. Und 2015 möchte sie Europäische Kulturhauptstadt werden.

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