Institut für Jugendliteratur: Sammelband über das Reisen

"In die weite Welt hinein", ein Sammlungsband, der sich mit dem Thema Reisen in der Kinder- und Jugendliteratur beschäftigt, ist erschienen.

Vor zwei Jahren fand besagtes Literatur-Treffen in Tirol statt, dieser Tage erschien als Resultat ein knapp 100seitiger Reader. Gleich vorweg: An der hohen Qualität hat sich trotz der beachtlichen Zeitdauer zwischen Symposium und Publikation nichts verändert.

Abenteuer erst nach Dienstschluss – Nils Holgerssons Reise mit Literaturnobelpreis gewürdigt
Herausgegeben vom Veranstalter, dem Institut für Jugendliteratur mit Sitz in Wien, bietet der Sammelband verschiedene Wege ins Weite der Literatur. Daniela Strigl, bekannte Literaturkritikerin und Verfasserin zweier wichtiger Biographien über Theodor Kramer und Marlen Haushofer, eröffnet die insgesamt zehn Beiträge mit ihrem nachlesenswerten Essay über das Reisen an sich, den Verlust des Abenteuers, die “verschämte Ausbruchsbereitschaft nach Dienstschluß”, wie sie aus Christoph Ransmayrs Erfolgs-Reisebericht “Die Schrecken des Eises und der Finsternis” zitiert. Mit dem Verweis auf Selma Lagerlöfs Reise- Roman “Wunderbare Reisen des Nils Holgersson”, der 1906 erschien und 1909 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, erinnert sie nachdrücklich an die immer ambivalente Grenzziehung zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur.

Literatur “rettet” Relevanz jugendlichen Aufbruchs
Auch wenn der Sammler eine Widerholung des Diktums “Lesen ist Abenteuer im Kopf” ist, in Summe gerät das Befragen, welche Bedeutung das Unterwegssein in der Kinder- und Jugendliteratur besitzt, zur geglückten Lektüre. Vor allem Franz Lettners Beitrag “Überall ist es besser wo wir nicht sind” entpuppt sich als gelungene Review auf internationale Jugend-Erzählungen, wie etwa Paulus Hochgatterers “Wildwasser”, “Kafka am Strand” von Haruki Murakami, aber auch unbekanntere Plots, wie etwa “Gegenwind” von Ed Francks. Fern von heute gern gebuchten Maturareisen mit “Komatrinken”-Versprechen am Mittelmeer erinnert Lettner an das Ursächliche jugendlichen Aufbruchs. Nicht selten spielt die Auflehnung gegen die eigene Familie die zentrale Rolle als literarisches Motiv. In “Gegenwind” unternimmt der 17jährige Lukas eine Fahrrad-Pilgertour nach Santiago de Compostela, um seiner drögen Familie zu entkommen, in “Wildwasser” sucht der pubertierende Jakob die Unfallstelle seines bei einer Kajaktour verunglückten Vater auf, in “Kafka am Strand” entwickelt sich der Aufbruch des 15jährigen Kafka zur phantastischen Reise ins eigene Ich: schön zu sehen, dass die Literatur den jugendlichen Aufbrüchen mehr Bedeutung unterschiebt, als “Wir-haben-Spaß”-SMSen oder andere eher flach zu nennende “literarische” Reflexionen aus dem Tourismusbereich.

Silke Rebus geht dem Zauber der Landkarte nach, erinnert lustvoll an Schatzkarten, Weltkarten und selbst entworfene Phantasie-Karten, während Willy Puchner, der als Fotograf mit seinen zwei Pinguinen “Joe” und “Sally” international bekannt geworden ist, im Gespräch mit Karin Haller über die Symbiose zwischen Marmelade einkochen und individuellem Reisen plaudert. Weitere Beiträge erinnern an große Reisende der Literaturgeschichte, wie etwa Odysseus, Columbus oder Robinson Crusoe, wie auch an weit herumgekommene Autoren wie Joseph Conrad und Karl May. Kurzum: Eine geglückte, intelligent geschriebene Literatur wird da am Thema Interessierten wohlfeil angeboten. Passend für den eigenen anstehenden Urlaub.

“Glück” in Kinder- und Jugendliteratur: Plätze für Tagung noch zu haben
Heuer widmet sich die 41. Tagung des Instituts für Jugendliteratur übrigens dem Thema “Glück” in der Kinder- und Jugendliteratur. (“Darf`s ein bisserl mehr sein?”, 18. bis 22. August, Schloss Puchberg bei Wels/OÖ). Plätze gibt es noch. Infos unter: www.jugendliteratur.net/glueck

Der vorgestellte Sammlungsband über Reisen in der Kinder- und Jugendliteratur ist gegen 10 Euro plus Porto für Versand beim Institut für Jugendliteratur (4., Mayerhofgasse 6, Telefon: 505 03 59, E-Mail: office@jugendliteratur.net) erhältlich.

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