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Initiative Mutternacht zu sexueller Bildung Jugendlicher in Wien vorgestellt

Niederschwelliger Zugang zu Verhütungsmitteln sei wichtig, um Schwangerschaften bei Teenagern zu verhindern, so Petra Bayr (SPÖ)
Niederschwelliger Zugang zu Verhütungsmitteln sei wichtig, um Schwangerschaften bei Teenagern zu verhindern, so Petra Bayr (SPÖ) ©APA/HELMUT FOHRINGER / Pixabay (Sujet)
Dass sexuelle Bildung bei Jugendlichen absolut essenziell ist, das ist der Gedanke hinter der Initiative Mutternacht, die Initiatorin Petra Bayr (SPÖ) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentierte.

Sexuelle Bildung und ein niederschwelliger Zugang zu Verhütungsmitteln ist neben Selbstbestimmung, ökonomischer Unabhängigkeit und Armutsbekämpfung der wichtigste Faktor, um die hohe Müttersterblichkeit im globalen Süden zu vermeiden. Auch Teenager-Schwangerschaften wären so zu verhindern, sagte Bayr bei der Veranstaltung in Wien.

Vermeidbare Todesfälle rund um Schwangerschaft und Geburt

Jährlich sterben rund 300.000 Frauen und Mädchen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt, das sind 850 Todesfälle jeden Tag. Fast alle von ihnen – 99 Prozent – geschehen in den Ländern des Globalen Südens, fast alle – 90 Prozent – wären durch medizinische Versorgung, Zugang zu Verhütungsmitteln und sexuelle Bildung vermeidbar.

Die Hauptursachen für frühe Schwangerschaften in Entwicklungsländern und während chronischen humanitären Krisen sieht die Geschäftsführerin von Care Österreich, Andrea Barschdorf-Hager, in der Ungleichheit der Geschlechter, in Armut und Machtmissbrauch. “Eine frühe Heirat wird gerade in Krisenregionen von den Familien oft als vermeintlich einziger Ausweg gesehen, die Tochter vor sexueller Gewalt zu schützen. Dieser Ausweg stellt sich jedoch als falsch heraus, denn jährlich sterben etwa 70.000 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren an einer Schwangerschaft oder Geburt – weltweit die häufigste Todesursache in dieser Altersgruppe.”

Initiative Mutternacht: Mädchen soll Schulbildung ermöglicht werden

Die Hilfsorganisation will Mädchen daher Schulbildung ermöglichen. Etwa in Jordanien, wo syrische Familien finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie ihre Töchter in die Schule schicken, anstatt sie zu verheiraten, berichtete Barschdorf-Hager. Qualitativ hochwertige sexuelle Bildung und ein einfacher Zugang zu Verhütungsmitteln seien essenziell. Angesetzt werden müsse nicht allein bei Frauen und Mädchen, sondern bei der ganzen Familie. Denn dass Töchter genauso viel wert sind wie Söhne, würden die Eltern vermitteln.

Große Wissenslücken hinsichtlich Sexualität und Verhütung ortete Stephan Hloch, Leiter des Projekts “First Love Mobil” der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, auch bei den Jugendlichen hierzulande. Trotz vermehrter Diskussionen über die sexualpädagogische Arbeit in Schulen werde oft übersehen, dass “sexuelle Bildung ein großer Baustein in der Prävention von ungeplanten Schwangerschaften” sei. “Es gibt Dinge, über die geredet werden muss. Doch in der Praxis ist das nicht so einfach”, meinte Hloch und sprach sich für dringende Investitionen in sexualpädagogische Programme sowie kostenfreie Verhütung aus. Nach Daten der Statistik Austria waren im Jahr 2017 1.465 Mütter in Österreich bei der Geburt ihrer Kinder zwischen 15 und 19 Jahren alt, zehn waren unter 15. Zwar wurden in Lauf der vergangenen Jahre in Österreich immer weniger Teenager Mütter, ihr Anteil sei aber trotzdem ein relativ hoher.

Drastische Folgen ungewollter Schwangerschaften

Die ökonomischen und sozialen Folgen von frühen und meist ungewollten Schwangerschaften seien auch in Österreich beträchtlich, sagte Julia Rainer, Sprecherin des Frauenkomitees der Bundesjugendvertretung. Sofern das soziale und finanzielle Netz nicht ausreichend trage, brächten sie die Mädchen und jungen Frauen in eine überfordernde Lage. Um Teenager-Schwangerschaften wirksam zu verringern, müsse der Fokus auf frühe sexuelle Bildung gelegt werden. Diese geschehe immer noch nicht auf Augenhöhe, kritisierte Rainer, doch müsste das Thema endlich aus der Tabuzone geholt werden. Leider gebe es auch international einen Backlash.

Die Mutternacht wird seit 2010 jedes Jahr im Vorfeld des Muttertages in mehreren europäischen Ländern begangen. In Österreich fordert die Initiative von der Regierung, der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte politische Priorität zuzumessen: Entwicklungspolitisch über substanzielle Dotierung von Organisationen mit Fokus auf Gesundheit und Selbstbestimmung von Frauen wie UNFPA (United Nations Population Fund) oder UN Women sowie durch altersadäquate sexuelle Bildung in Schulen, außerschulische Bildung aller Kinder und Jugendlichen in Österreich und durch Beratungsstellen für Frauen und Jugendliche. Entsprechende Forderungen wurden an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) und Justizminister Josef Moser (ÖVP) angekündigt.

Mehr zur Initiative Mutternacht lesen Sie hier.

(apa/red)

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