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Inflation steigt im September auf 10,5 Prozent

Die Inflation klettert im September auf den höchsten Wert seit 70 Jahren.
Die Inflation klettert im September auf den höchsten Wert seit 70 Jahren. ©APA (Sujet)
Im September dürfte die Inflation erstmals zweistellig sein. Laut Schnelleinschätzung der Statistik Austria kletterte die Teuerung auf 10,5 Prozent.

Die Verbraucherpreise ziehen in Österreich weiter kräftig an. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria dürfte die Inflationsrate im September auf 10,5 Prozent geklettert und damit in den zweistelligen Bereich vorgedrungen sein. Eine derart hohe Verbraucherpreis-Inflation wurde zuletzt im Juli 1952 gemessen, teilten die Statistiker am Freitag in einer Aussendung mit.

Haushaltsenergie und Treibstoffe waren stärkste Preistreiber

Angeheizt wurde die Teuerung insbesondere von den hohen Preisen für Haushaltsenergie und Treibstoffe. Leichte Anstiege gab es zudem bei den Preisen für Lebensmittel und Gastronomiebesuche, die ebenso weiter die Kaufkraft der Österreicher schwinden lassen.

Gegenüber dem Vormonat steigt das Preisniveau voraussichtlich um 1,6 Prozent. Im August waren die Preise noch um 9,3 Prozent höher als vor einem Jahr gelegen.

Inflation laut Wifo-Experten nich nicht am Höhepunkt

Für den Wifo-Inflationsexperten Josef Baumgartner gaben die im September vorgenommenen Tarifanpassungen für Gas und Strom in der Osthälfte Österreichs den stärksten Impuls. "Da haben Wien Energie und die EVN die Preise auch für ihre Bestandskunden sehr deutlich nach oben angehoben", sagte der Ökonom im "Ö1"-Mittagsjournal. Im Westen habe es diese Erhöhungen bisher nur bedingt gegeben. Es sei aber davon auszugehen, dass auch dort die Preise erhöht werden - spätestens im nächsten Jahr.

Nach seiner Einschätzung ist die Inflation daher noch nicht am Höhepunkt angekommen, zumal die CO2-Bepreisung, die am morgigen Samstag in Kraft tritt, die Inflation weiter antreiben dürfte. Baumgartner: "Wenn man den Steuereffekt noch mitberücksichtigt, dann wird das den Treibstoffpreis um knapp 10 Cent erhöhen." Die für Dezember angekündigte Stromkostenbremse lasse allerdings dann einen Dämpfer erwarten.

Inflation dürfte im September die 10-Prozent-Schwelle überschreiten

Nach oben geschnellt ist auch der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), der laut vorläufiger Schätzung gegenüber dem Vorjahresmonat um 11 Prozent gestiegen sein dürfte. Im Vergleich zum Vormonat stieg das Preisniveau laut HVPI um 2,5 Prozent. Die endgültigen Zahlen werden am 19. Oktober bekannt gegeben.

Opposition kritisiert Regierung und vermisst Maßnahmen

FPÖ und NEOS reagierten mit Kritik an der Regierung. "ÖVP und Grüne fahren unsere Wirtschaft sehenden Auges und - so muss man es leider sagen - mit voller Absicht an die Wand", sagte der freiheitliche Wirtschaftssprecher Erwin Angerer, der sich auch auf die Geldpolitik der EZB und die Sanktionen gegen Russland einschoss. Für die NEOS war die Entwicklung "vorhersehbar". "Und dennoch hat es die Bundesregierung bis heute verabsäumt, endlich Maßnahmen vorzulegen, damit den Menschen in Österreich am Ende des Monats mehr Geld in der Tasche bleibt", meinte der pinke Wirtschafts- und Sozialsprecher Gerald Loacker.

Für den Handelsverband spiegelt sich in der aktuellen Situation die "dramatische Lage" der Branche. "Wenn die Politik nicht fundamental gegensteuert, droht 900 Handelsunternehmen bzw. 6.000 Geschäften bis Jahresende die Schließung", warnte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Teuerung auf höchstem Wert seit 70 Jahren

Historisch markiert der Wert von 10,5 Prozent das höchste Teuerungsniveau seit der Nachkriegszeit in Österreich, konkret dem Jahr 1952, als die Inflation im Juli bei 14,1 Prozent und auf Jahressicht bei 17 Prozent lag. Eine ähnlich hohe Verbraucherpreis-Inflation wurde danach nur in den 1970er- und 1980er-Jahren verzeichnet.

Angefacht wurde die Inflation damals durch die beiden Ölkrisen. Mitte der 1970er-Jahre ging die hohe Teuerung auf ein Embargo einiger arabischer OPEC-Staaten im Zuge des Jom-Kippur-Kriegs zurück. Die Preise für Öl explodierten und trieben die Teuerungsrate 1974 in Österreich auf einen Jahresschnitt von 9,5 Prozent. Im darauffolgenden Jahr schwächte sich die Inflation mit 8,4 Prozent nur geringfügig ab, wie aus Daten der Statistik Austria hervorgeht.

Die Teuerung blieb auch im weiteren Verlauf der 1970er-Jahre relativ hoch. Vor allem gegen Ende des Jahrzehnts aber entspannte sich die Situation, ehe es zu einem weiteren, bemerkenswerten Anstieg kam. Anfang der 1980er-Jahre führten die Iranische Revolution und der Erste Golfkrieg zu Unsicherheiten an den Ölmärkten. 1980 wurde hierzulande eine Rate von 6,4 Prozent, 1981 ein Wert von 6,8 Prozent gemessen. Mitte der 80er kehrte sich dieser Trend um. Seit 1986 lag die durchschnittliche Inflationsrate nie höher als 4,1 Prozent - was sich heuer mit großer Wahrscheinlichkeit ändern wird.

(APA/Red)

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