Indonesien: Neuer Gouverneur gewählt

Ein ehemaliger Rebellenführer ist in der indonesischen Provinz Aceh nach inoffiziellen Ergebnissen schon im ersten Wahlgang zum neuen Gouverneur gewählt worden.

Bei den ersten direkten Wahlen seit dem historischen Friedensschluss zwischen der Zentralregierung und den Aceh-Rebellen vor 18 Monaten setzte sich Irwandi Yusuf mit 39 Prozent der Stimmen überraschend deutlich durch, wie das „Indonesian Survey“-Institut in der Provinzhauptstadt Banda Aceh mitteilte. Die Fehlerquote lag bei nur zwei Prozentpunkten. Für den Sieg nötig waren 25 Prozent der Stimmen.

Irwandi saß vor zwei Jahren als Kämpfer der Separatistenbewegung „Freies Aceh“ (GAM) im Gefängnis, als der Tsunami kam und er mit knapper Not aus dem überfluteten Gebäude fliehen konnte. Der Tierarzt, der in den USA©studiert hat, ging ins Exil und kehrte im August 2005 zurück, als die Rebellen mit der Regierung nach fast 30 Jahren Kampf mit 20©0000 Toten Frieden schlossen. Die Separatisten ließen die Forderung nach Unabhängigkeit fallen, die Zentralregierung gewährte im Gegenzug weitgehende Autonomie, Straffreiheit für die Rebellen und erlaubte ihnen die Beteiligung an den Wahlen.

Irwandi war seit Anfang der 90er Jahre im Widerstand gegen die Regierung in Jakarta aktiv und leitete die Jugendbewegung. Er war bei den Wahlen mit Rückendeckung der ehemaligen Guerillas angetreten, während die zivile Führung, die bis heute aus dem Exil in Schweden agiert, einen anderen Kandidaten unterstützte. Dieser kam nach dem vorläufigen Ergebnis mit 14 Prozent auf den zweiten Platz. Kandidaten, die der Zentralregierung nahe standen, endeten entgegen den Vorhersagen weit abgeschlagen.

„Die alte Garde ist weg vom Fenster, die frühere Befreiungsbewegung muss jetzt das Regieren lernen“, sagte Sidney Jones von der renommierten „International Crisis Group“, die in der Krisenprävention arbeitet. Sie müsse sich auf Widerstand in der Verwaltung einstellen.

Die Provinz war vom Tsunami vor knapp zwei Jahren schwer verwüstet worden. 177.000 Menschen kamen ums Leben, eine halbe Million wurde obdachlos. 70.000 leben noch in Barracken, die meisten arbeitslos.

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