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In Wien ist kein ambulanter Alkoholentzug mehr möglich

Seit das Anton Proksch Institut keinen ambulanten Alkoholentzug mehr anbietet, gibt es in Wien nur noch stationäre Behandlungsmöglichkeiten.
Seit das Anton Proksch Institut keinen ambulanten Alkoholentzug mehr anbietet, gibt es in Wien nur noch stationäre Behandlungsmöglichkeiten. ©DPA (Symbolbild)
Das Anton Proksch Institut ist die größte Suchtklinik Europas. Allein im ambulanten Alkoholentzug gab es jährlich mehr als 10.000 Patienten. Aus finanziellen Gründen bietet das Institut diese Behandlungen jedoch bereits seit April nicht mehr an. Bei der Wiener Gebietskrankenkasse und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger wusste man davon jedoch bisher noch nichts.

Der ambulante Alkoholentzug in Wien-Wieden musste nach Angaben des Anton Proksch Instituts immer querfinanziert werden: “Wir haben den ambulanten Alkoholentzug immer querfinanziert. Das können wir jetzt nicht mehr. Wir machen die Weiterbehandlung von Patienten nach einem stationären Aufenthalt und Erstgespräche. Aber ambulanten Entzug können wir unter diesen finanziellen Bedingungen nicht mehr durchführen”, sagte Psychiater Michael Musalek, Ärztlicher Direktor des API, im Gespräch mit der APA.

Ärzte machten auf fehlenden ambulanten Entzug aufmerksam

Während man bei der Wiener Gebietskrankenkasse und dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger anscheinend noch nicht über die Streichung dieser Behandlungsmaßnahme informiert war, machte ein Arzt vor einigen Wochen erstmals auf das Problem aufmerksam. Er habe viele alkoholkranke Patienten, die einen ambulanten Enzug machen wollen, wisse aber nicht, wohin er sie jetzt schicken solle. Außer dem Anton Proksch Institut bietet keine andere Einrichtung diese Behandlung an – derzeit bleibt bei einem Alkoholentzug nur eine stationäre Aufnahme.

Bei einem ambulanten Entzug wurden die Patienten etwa drei Wochen lang intensiv betreut, wobei jeder Patient drei bis vier Termine pro Woche hatte. Von der Krankenkasse wurden hierfür 32,87 Euro im Quartal gezahlt und somit nur ein Bruchteil der Kosten abgedeckt. Bei der Krankenkasse ist man jedoch bemüht, darauf hinzuweisen, dass Kosten für zusätzliche Psychotherapiestunden übernommen werden.

Krankenkassensatz kann Kosten nicht decken

Die Verwaltungsdirektorin des Anton Proksch Instituts, Gabriele Gottwald-Nathaniel findet nur postitve Worte über die “kooperative” Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger und der Wiener Gebietskrankenkasse. Allerdings sei die Höhe der Kostensätze nicht mehr tragbar: “Ambulant beträgt die Fallpauschale eben 32,87 Euro. Wenn also ein Patient im Rahmen eines ambulanten Alkoholentzugs mehrmals ärztliche bzw. fachärztliche Leistungen in Anspruch nimmt oder psychosoziale Beratung und Betreuung sowie psychologische Betreuung, dann können diese Leistungen nicht verrechnet werden, sondern pro Quartal nur die Fallpauschale.”

Über die Beendigung des Behandlungsangebots habe man rechtzeitig informiert, heißt es. Auch, dass es keine Alternativen in Wien gibt, sei keine Neuigkeit. Und dass obwohl  geschätzte 340.000 Österreicher alkoholkrank seien. Therapien müssen früh ansetzen und da eigne sich der ambulante Entzug. Man sollte doch nicht warten, bis dann die Betroffenen in die relativ teurere stationäre Behandlung müssten, heißt es vom API.

Reaktionen auf  Streichung der Behandlungsmaßnahme

Die Streichung des ambulanten Angebots treffe “die arme Bevölkerung, die sich Medizin privat nicht zukaufen kann”, so Wiens Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. Szekeres und VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger verwiesen auf die geplante Gesundheitsreform, von der gerade eine Verbesserung der ambulanten Versorgung zu fordern sei. Rasinger dazu: “Das ist ein Spiel zu Lasten einer ganz schwer und ganz komplex erkrankten Personengruppe. Man kann Patienten nicht in Luft auslösen. (…) Wenn man etwas von der Gesundheitsreform fordern kann, dann, dass sie bei eindeutig definierten Krankheitsbildern die Versorgung sicherstellt.” (APA/ Red.)

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