"In der Psychiatrie ist es nicht so schön..."

Seit gestern, Mittwoch, hat das Theater in der Josefstadt wieder eine dritte Spielstätte: Mit der Uraufführung "In der Psychiatrie ist es nicht so schön..." wurde die neue Probebühne über den Sträußelsälen auch als Aufführungsort eröffnet.

Stefan Geszti hat “33 Short Cuts aus dem Leben des Friedrich Zawrel” zu einem Monolog montiert, Rafael Schuchter verlieh den Erinnerungen des Überlebenden der Nazi-Kindereuthanasie, der mit seinem Kampf um Gerechtigkeit und seiner Zeugenschaft gegen den Psychiater Heinrich Gross bekannt wurde, eindrucksvoll Gestalt.

Ein Mikrofonständer auf einer aus ein paar hölzernen Podesten gebildeten Mini-Bühne, auf drei Seiten rundherum das Publikum. Der junge Rafael Schuchter betritt mit einem Aschenbecher, einem Aktenordner und einer Mineralwasserflasche bewaffnet das Podium und beginnt zu erzählen. Anfangs nicht immer sicher zwischen Dialekt und Hochsprache wechselnd, schafft er mit sparsamen Mitteln Raum für eine wahre Geschichte, die zwar u.a. aus zwei Filmen von Elisabeth Scharang (“Mein Mörder”, “Meine liebe Republik”) und der Eröffnungs-Produktion der Volkstheater-Direktion Michael Schottenbergs (“Spiegelgrund”) bekannt ist, aber immer noch erschüttert.

Zunächst unter ärmlichen Verhältnissen bei der allein erziehenden Mutter aufgewachsen, dann bei mit den Nazis sympathisierenden Pflegeeltern, wird Friedrich Zawrel als Bub schließlich zu den “schwer erziehbaren Zöglingen” auf die Baumgartner Höhe gesteckt. Dort herrscht jedoch nicht nur ein sadistisches Schreckens-Regime, sondern auch die NS-Euthanasie. “Ned deppert wer’n, weil die Nazis drah’n jeden Depperten ham'”, nimmt sich der Bub vor. 1944 gelingt ihm dank einer mitleidigen Schwester im letzten Augenblick die Flucht. In den 70er Jahren steht er unversehens seinem Peiniger von einst wieder gegenüber: Heinrich Gross hat nach dem Krieg als Gerichtspsychiater Karriere gemacht. Der Kampf um Gerechtigkeit, den Zawrel aufnimmt, wird hart, denn “seine Freunde in Partei und Justiz haben den Heinrich nicht hängen lassen”. Die Verzögerungstaktik gelingt: 2005 stirbt Gross, ohne jemals rechtskräftig verurteilt worden zu sein: “Eine österreichische Lösung.”

Große Betroffenheit und viel Applaus. Der bei der Premiere anwesende Friedrich Zawrel verzichtete auf eine Verbeugung.

Stefan Geszti: “In der Psychiatrie ist es nicht so schön… 33 Short Cuts aus dem Leben des Friedrich Zawrel”, Uraufführung.
Regie: Stefan Geszti, Mit Rafael Schuchter.
Josefstadt, Probebühne. Weitere Aufführungen: 11., 14., 16., 17.12., 20 Uhr.
Karten: 01 / 42700-300, http://www.josefstadt.org

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