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Im Wiener MAK rumort es

©APA
Die Mitarbeiter des Wiener MAK kritisieren die autoritäre Führung des Museums. Auch Mobbing sei ein Thema, es herrsche ein "Klima der Verängstigung". Direktor Peter Noever weist die Vorwürfe zurück.

Mitarbeiter des Museums für angewandte Kunst (MAK) berichten von Endzeitstimmung, Mobbing und einem “Klima der Verängstigung”, der Betriebsrat liegt mit Direktor Peter Noever im Clinch, ein Arbeitsgerichts-Prozess geht in wenigen Tagen in die nächste Etappe, und der Herausgeber von Noevers gesammelten Schriften und Interviews kämpft um sein Geld.

“Bühne des MAK zu klein geworden”
“Die Bühne des MAK ist Noever längst zu klein geworden”, meint ein Museums-Mitarbeiter. Dabei scheint Noever mit 69 Jahren kämpferisch wie eh und je. “chronisch obsessiv” heißt durchaus treffend ein 2008 erschienener, 800-seitiger Noever-Schriften-Band, der auf der Cover-Rückseite angepriesen wird als “kritischer Kompass in einer Zeit um sich greifender Unverbindlichkeiten, in der man sich unbequemen – jedoch notwendigen – Fragen zu stellen haben wird”. Wie ernst es ihm damit ist, kann der Direktor in nächster Zeit wohl in eigener Sache beweisen.

Differenzen um Homepage
Alleine die von dem langjährigen MAK-Mitarbeiter Gabriel Ramin Schor vorgebrachten Vorwürfe sind massiv: Peter Noever setze Museumsmittel für Aktivitäten ein, die mehr seiner Eigen-PR als dem von ihm geleiteten Museum zugutekämen. So sei aus eigentlich für Nachwuchsförderung vorgesehenen Mitteln die Gestaltung einer eigenen Homepage des Direktors finanziert worden (http://www.peternoever.at), die erst nach mehrmaliger Thematisierung im Kuratorium überhaupt mit Hinweisen und Links auf das MAK versehen worden sei. Stimmt nicht, kontert Noever: “Weder Verlinkung noch Logo sind neu. Alle Websites sind immer ein ‘work in progress’, die laufend adaptiert werden.”

Webseite als “Vorstudie” für Forschungsplattform
Auf APA-Nachfrage gibt sich der Vorsitzende des MAK-Kuratoriums, Erste-Chef Andreas Treichl gelassen: Ein Bericht sei bereits im Jahr 2007 angefordert worden. “Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Webpage über Peter Noever ein Pilotprojekt für die Forschungsplattform ‘Spezialarchiv Designpioniere’ war und somit in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Forschungsauftrag und -tätigkeit des Museums stand”, so Treichl. Ähnlich sieht das Noever: Seine Homepage sei eine “Vorstudie” für das Projekt “Spezialarchiv Designpioniere” gewesen, die Grundlage für weitere Einreichungen gebildet und in Arbeiten über Carol Christian Poell, Helmut Lang und Gregor Eichinger gemündet habe.

“Veränstigung und Geducktheit herrschen im Haus”
Ein weiterer hausinterner Konflikt wird bereits vor Gericht ausgetragen, Disziplinarverfahren sind angedroht. Daher legen Informanten größten Wert auf Anonymität. “Es herrscht ein Klima der Verängstigung und der Geducktheit im ganzen Haus”, so ein Insider. Eine besondere Rolle dabei spielt der Betriebsrat, auf dessen Zusammensetzung anlässlich der letzten Wahl im Vorjahr Noever massiv Einfluss zu nehmen versuchte. In einem Rundschreiben an die Mitarbeiter des Hauses äußerte der Direktor die Vermutung, dem zur Wiederwahl angetretenen Betriebsrat scheine es “nicht mehr um das Wohl der Belegschaft zu gehen, sondern eher darum, das Haus zu entzweien”. Er hoffe “auf eine Personalvertretung, welche die große gesellschaftliche Aufgabe des MAK erkennt und bereit ist sie mitzutragen”. Der Versuch schlug fehl, der Betriebsrat wurde bei den Wahlen gestärkt – und die Auseinandersetzungen mit dem Direktor nahmen an Heftigkeit zu.

Schwere Vorwürfe
Noever werden patriarchalische Führung anstelle modernen Managements vorgeworfen, fehlende Personalentwicklung, undurchsichtige Finanzgebarung, mangelnde Mitarbeiterführung bis hin zum Mobbing. Cholerisch sei der Direktor immer schon gewesen, erzählen frühere Mitarbeiter. “Es gab Zeiten, da ist kaum jemand ohne Tränen aus seinem Büro gekommen. Scharen von Mitarbeiterinnen sind in Magersucht oder andere psychische Probleme getrieben worden”, erinnert sich jemand. “Wie der Betrieb auf ihn zugeschnitten ist, welche Machtfülle er in sich vereint, ohne kontrolliert zu werden, wie er mit seinen Mitarbeitern umspringt – so etwas habe ich nirgendwo sonst in der Form erlebt”, ein anderer. In diesem Klima führte ein im Vorjahr abgehaltenes Anti-Mobbing-Seminar zu weiteren Eskalationen, Vorwürfe über Verwendung von Arbeitszeit und MAK-Ressourcen für Publikationen wissenschaftlicher Mitarbeiter wurden Gegenstand von Verwarnungen. “Genau dort, wo er bei sich selbst sehr großzügig verfährt, ist er bei anderen ausgesprochen kleinlich”, heißt es.

“So gut wie keine” Personalfluktuation
Auch für Außenstehende auffällig war in den vergangenen Jahren der hohe Personalverschleiß etwa in Presse- und Marketingabteilung. Nichts Unübliches sehen Treichl und Noever darin. “Die Personalfluktuation im MAK ist äußerst gering und bewegt sich im Bereich von 0,5 Prozent”, so der Kuratoriumsvorsitzende. “Bezüglich genereller ‘schwelender Arbeitskonflikte’ oder einem angespannten Arbeitsklima ist mir nichts bekannt. Einzelfälle sind bei einem Unternehmen dieser Größenordnung unvermeidbar.” Ähnlich Noever: Es gebe “so gut wie keine” Personalfluktuation, “abgesehen von lange voraussehbaren Pensionierungen sowie dem Ausscheiden der langjährigen kaufmännischen Leiterin, die sich nach acht Jahren Tätigkeit beruflich in einem völlig anderen Bereich neu etablieren wollte”.

“König des Eigenmarketings”
Die Auf- und Umbruchsstimmung der ersten Direktionsjahre sei Machterhaltung und Ego-Trip gewichen, klagen Mitarbeiter: “Unser Direktor ist der einsame König des Eigenmarketings.” Die Vernachlässigung der Sammlungen drücke sich auch darin aus, dass die zu Beginn von Noevers Amtszeit vorgenommene künstlerische Neugestaltung der Schausammlungen längst überholt und erneuert werden müsste. “Sie sind als Kunstwerke aber sakrosankt.”

Controlling mit positiven Ergebnissen
Für Außenstehende ist es schwer zu beurteilen, wie viele der Vorwürfe aus persönlichen Konflikten mit einem Direktor herrühren, dem wohl niemand Charisma und einige Kantigkeit absprechen wird. Fundierte Erkenntnisse sollten sich aus laufendem Controlling ableiten lassen. Das Kuratorium nehme seine Aufsichtspflicht “sehr intensiv” wahr, versichert Treichl. “Das interne Controlling ist bestens strukturiert. Darauf haben wir als Kuratorium besonderen Wert gelegt. Und aus Gründen der Objektivität haben wir uns im Kuratorium für die Beauftragung externer Firmen entschieden. Die seit 2007 durchgeführten Prüfungen ergaben durchwegs positive Ergebnisse.” MAK-interne Stimmen kritisieren die Arbeitsweise der beauftragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers allerdings als eher oberflächlich.

“Sehr prononcierte Persönlichkeit”
Kuratoriumsvorsitzender Andreas Treichl, um seine zusammenfassende Sicht gebeten: “Es gibt vielfältige Meinungen sowohl zum Programm des MAK wie auch zur Person Peter Noever. Noever ist eine sehr prononcierte Persönlichkeit die dem MAK seinen Stempel aufgedrückt hat. Dass damit nicht alle glücklich sind, liegt in der Natur der Sache. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was Peter Noever sagt – das beruht wahrscheinlich aber auf Gegenseitigkeit. Aber eines ist Peter Noever mit Sicherheit: Eine Persönlichkeit, die das MAK weit über die Grenzen Europas hinaus getragen hat – eine Entwicklung, die von Seiten des Kuratoriums geschätzt und gewürdigt wird.”

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