Im November war es Elsner "genug"

Nachdem Mitte November 2000 klar gewesen war, dass es mit den BAWAG-Investments wieder einen schweren Verlust geben wird, sei er am 20. November nach Wien geflogen, um sich mit Elsner darüber zu beraten, was jetzt zu tun sei.

Elsner habe entschieden, nichts mehr zu machen. „Es ist genug“, habe die Begründung von Elsner gelautet, sagte Investmentbanker Wolfgang Flöttl am Mittwoch bei seiner Einvernahme.

Elsner sei über ihn verärgert gewesen, dies zum Teil auch zurecht, da er die wirtschaftliche Entwicklung in Japan nicht richtig eingeschätzt hatte. Bei einem Treffen in London sei besprochen worden, was man jetzt tun könne. „Es war deine Investmententscheidung, du solltest die Verantwortung übernehmen“, habe Elsner gemeint. Seiner Meinung nach hätten ihm aber die Verträge diese Möglichkeit gegeben, so Flöttl.

Elsner habe gewollt, dass er ein Dokument unterzeichne, wo er seine Schuld bestätige. Elsner sei besorgt gewesen, dass der damalige Aufsichtsratspräsident Günter Weninger „ganz böse sein wird“. Dieser müsse beruhigt werden. Das Schriftstück sei aber nicht in London entstanden. Mitte Dezember habe es ein Telefonat mit Elsner gegeben. Dieser habe gewollt, dass er nach Wien komme. „Dann lege ich dir was vor, das unterschreibst du und das lege ich Weninger vor“, habe Elsner gemeint.

Am 19. Dezember 2000 sei er, Flöttl, nach Wien geflogen und habe Elsner am Abend in seiner Wohnung getroffen. Das von Elsner vorbereitete Schriftstück habe ihm aber nicht gepasst. Elsner meinte, er brauche es, um Weninger zu beruhigen, er werde es intern bei seinem Vertrauensanwalt aufbewahren. Er habe sich geweigert zu unterschreiben, da es falsch war, und sei dann weggegangen.

Am 20. Dezember in der Früh habe er dann den damaligen Generalsekretär von Elsner, Peter Nakowitz, im Cafe Segafredo am Stefansplatz getroffen. „Eigentlich wollte ich zuerst das Schwarze Kameel, aber sie wollten, dass es weiter weg von der BAWAG ist“, so Flöttl.

Er habe sich geweigert, die ursprüngliche Fassung des „Geständnisses“ zu unterschreiben, da er Angst hatte, dass es ihm später auf den Kopf fallen könnte. Deshalb habe er es handschriftlich damit ergänzt, dass es ein Audit über die Verluste vom Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen gibt, dass er das Geld nicht gestohlen habe und dass seine Handelspartner die größten Investmentbanken der Welt waren, und dass er keine Risikovorgaben verletzt habe.

In der von Richterin Claudia Bandion-Ortner verlesenen ersten Version, die mit zahlreichen Durchstreichungen versehen ist, erklärt und bestätigt Flöttl den Sachverhalt der eingetretenen Verluste des 430 Mio. Euro-Investments im Oktober durch fällige Margin-Calls, sowie weiters, dass er jetzt nahezu mittellos sei und den Verlust daher nicht selbst ausgleichen könne. Handschriftlich ergänzte Flöttl den Elsner-Entwurf auch damit, dass ein Risikolevel von 7 Prozent pro Tag mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent angestrebt worden sei.

Die zweite, um das geplante Audit von Arthur Anderson ergänzte Schriftstück, habe er dann unterschrieben, weil sonst laut Elsner eine Katastrophe drohe und es nur intern zur Beruhigung von Weninger verwendet werden sollte. Nur etwa 13 Mio. Dollar seien vom gesamten Kapital von 430 Mio. Euro noch übrig geblieben.

In einem weiteren handschriftlichen Geständnis bestätigte Flöttl die Investments seiner Firma und die hohen Verluste im November. Diese Version wollte Flöttl ursprünglich Elsner geben.

Sein Geständnis sollte vor allem der Beruhigung von Weninger dienen, mehr wisse er nicht. Elsner wollte jedenfalls mehr, als er mitgebracht hatte. Wenn er alle Verträge mit der BAWAG gebrochen hätte, hätte ihn Elsner angezeigt oder zumindest rausgehauen, so Flöttl.

Elsner-Verteidiger Wolfgang Schubert wollte von Flöttl noch wissen, inwiefern er von Elsner wirtschaftlich abhängig gewesen sei. Flöttl betonte, dass die BAWAG im Jahr 2000 sein einziger Kunde gewesen sei. Sie hätte jederzeit ihr Investment zurückziehen können. „Es war kein Spaß für mich, mit Elsner nach Bermuda zu fliegen“.

Zur Rolle von Alamouti bei den Investmententscheidungen meinte Flöttl weiter, er habe ihn – nachdem er seine Konzession im Juni 2000 erhalten habe – gefragt, wie sich nach seiner Meinung die Zinsen in Japan entwickeln werden. Der BAWAG-Vorstand war nach eigenen Angaben davon ausgegangen, dass Alamouti das gesamte Investment manage.

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