"Ich hätte nichts zu befürchten gehabt"

Bei der Vorstandssitzung am 26. Oktober 1998 hat der BAWAG-Vorstand diskutiert, wie man mit dem Totalverlust der Yen-Spekulationsgeschäfte des Investors Wolfgang Flöttl umgehen sollte.

Ergebnis: Mit der einzigen Gegenstimme von Christian Büttner wurde beschlossen, die Geschäfte mit neuen Mitteln fortzuführen. Man habe auch die Möglichkeit einer Strafanzeige erwogen. Aber: „Hätten wir geklagt, hätten wir die verschiedensten Firmen klagen müssen“, so Elsner heute.

Es sei um eine schnelle Reaktion gegangen, denn „wir haben gewusst, öffnet die Börse und der Flöttl ist nicht da, gibt’s einen Riesenwirbel“. Flöttl sei damals an der Wall Street ein überaus bekannter Investor gewesen. Auch andere Anleger hätten mit Yen-Geschäften Verluste eingefahren.

Flöttl habe angeboten, sein privates Vermögen – Liegenschaften und Bilder – der Bank zu überlassen. Seine Bedingung dafür sei gewesen, „dass man ihn am Leben lässt“, so Elsner. Im Rahmen eines Gesamtpakets sei vereinbart worden, dass der Schadensfall nicht bekannt gemacht würde. „Andernfalls hätte es einen Skandal gegeben, der nicht nur den Eigentümern schadet, sondern einen ’Run’ auf die Bank auslöst“ – das heißt, Anleger hätten begonnen, massiv ihre Einlagen aus BAWAG-Filialen abzuziehen.

Die zuständigen BAWAG-Manager seien damals noch überzeugt gewesen, dass Flöttl im wesentlichen ordnungsgemäß gehandelt habe. Elsner: „Er durfte so handeln wie er gehandelt hat, allerdings hat er zu hoch geleveraged“. Diese Frage sei ein strittiger Punkt gewesen. Daher stamme sein Gefühl, Flöttl habe die Bank über den Tisch gezogen, so Elsner. Flöttl habe aber glaubhaft erklärt, dass die Situation nicht vorhersehbar gewesen sei. Die BAWAG habe Flöttl nach den Erfahrungen der Vergangenheit bewertet, „für uns war er nach wie vor ein vertrauensvoller Investor“.

Für ihn, Elsner, sei völlig klar gewesen, dass die zuständigen Stellen umfassend informiert werden müssten – der Präsident des Aufsichtsrats, der Eigentümer ÖGB und der Wirtschaftsprüfer. Das sei auch geschehen. An den genauen Zeitpunkt erinnert sich Elsner nicht, aber ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und KPMG-Prüfer Robert Reiter seien „so schnell wie möglich“ informiert worden.

Allerdings sei er, Elsner, der Meinung gewesen, nicht der gesamte BAWAG-Aufsichtsrat sollte informiert werden, „sonst wäre das am nächsten Tag in der Zeitung gestanden“. Der Aufsichtsrat habe zwar eine Kontrollaufgabe, räumt Elsner ein – aber „wir waren mit einem Aufsichtsrat konfrontiert, der dauernd Kontakt mit der Öffentlichkeit genommen hat. Das hätte die Existenz der Bank gefährdet“.

Die Bayerische Landesbank (BayernLB) – die damals 46 Prozent an der BAWAG hielt – sei überhaupt nicht informiert worden. „Die hätten sich wahrscheinlich sehr gefreut, sie haben die Mehrheit an der BAWAG angestrebt“. Das wäre durch das Einschießen von Geld möglich gewesen, da der ÖGB damals keine Mittel dafür gehabt hätte. Diese Entscheidung, die Bayern zu informieren, habe man dem ÖGB überlassen.

Jetzt sei die BayernLB „froh, dass sie nicht dabei sind“, die Bank habe sich dem Verfahren ja auch nicht angeschlossen. Es seien auch damals keine Fragen aus dem Aufsichtsrat gekommen. „Also wenn ich sehe als Aufsichtsrat, dass bei einer Firma ein Obligo in kurzer Zeit von einer viertel Million auf 50 Millionen Dollar steigt, „dann würde ich als Aufsichtsrat fragen, was ist da passiert“. Im Lauf der Zeit habe es aber keine einzige Frage vom Aufsichtsrat gegeben. „Hätte es eine Frage gegeben, hätten wir sagen müssen, was los ist“, so Elsner.

Er persönlich hätte bei einer Information der Öffentlichkeit nichts zu befürchten gehabt, betont Elsner: „Wir hatten alle Geschäfte dem Aufsichtsrat berichtet, sind für den Schaden nicht verantwortlich. Niemand hätte mir – oder meinen Vorstandskollegen – einen Vorwurf machen können. Ich war damals 43 Jahre in der Bank und 63 Jahre alt, ich hätte in Pension gehen können, mit vollen Bezügen“.

Im übrigen sei die Vorstandssitzung am 26. Oktober 1998 die einzige in seiner, Elsners, Karriere gewesen, in dem ein Vorstandsbeschluss nicht einstimmig gefallen sei. Vorstandsdirektor Christian Büttner stimmte als einziger gegen die Fortsetzung der Yen-Geschäfte durch Wolfgang Flöttl.

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