"Ich bin eine Stehauffrau!"

HIV-positiv, Anklage, U-Haft: Nadja von den No Angels ging durch die Hölle. Aufgegeben hat sie trotzdem nie: "Ich lass mich nicht unterkriegen!" Nur eines gelang ihr nicht: "meine neunjährige Tochter zu beschützen".

Alles neu bei den No Angels: Bei der erfolgreichsten Castingband Deutschlands steht nicht mehr die lesbische Lucy oder die blonde (und neuerdings alleinerziehende) Sandy im Mittelpunkt. Stattdessen richtet sich das Scheinwerferlicht beim Comeback-Versuch mit der neuen Platte ?Welcome to the Dance? vorwiegend auf eine: Nadia Benaissa.

Die schlimmste Zeit von Nadjas Leben

Grund: Der 27-Jährigen wurde im April 2009 vorgeworfen, sie habe trotz HIV-Infektion ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Und den Mann zuvor nicht darüber informiert. Konsequenz: Sie wurde vor einer Frankfurter Diskothek von zehn Polizisten wegen gefährlicher Körperverletzung verhaftet und landete zehn Tage in Untersuchungshaft. Stand der Dinge heute: Der Haftbefehl wurde aufgehoben, die Ermittlungen laufen. Ob es zum Prozess kommen wird, ist im Augenblick noch offen. Falls Nadja schuldig gesprochen wird, das HI-Virus wissentlich übertragen zu haben, droht ihr jedenfalls eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Wir sprachen mit ihr über ihren aktuellen Gemütszustand ? und ihren persönlichen Albtraum.

Seitenblicke: Mit dem Outing Ihrer HIV-Infektion und der Verhaftung haben Sie eine extreme Zeit hinter sich. Wie geht es Ihnen heute?

Nadja Benaissa: Mein Motto ist: Nicht den Lebensmut verlieren! Und egal, wie viele Steine einem in den Weg gestellt werden ? man hat die Kraft, sie beiseitezuräumen und weiterzugehen. Ich lass mich nicht unterkriegen. Man muss den Kopf immer hochhalten ? das Leben geht ja ohnehin weiter, egal, ob nun schöne Dinge passieren oder nicht, das ist ja das Faszinierende. Und man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

Sie klingen sehr tapfer. Waren Sie von Anfang an dermaßen auf Kampf eingestellt?

Das alles war die Hölle für mich und hat mich schwer erschüttert. So etwas hinterlässt schon seine Spuren in einem. Und dieser ganze Stress, diese ganze Angst, diese Wut und all die anderen Gefühle, die gehen nicht von heute auf morgen wieder weg.

Und wie gehen Sie damit um?

Ich bin dazu imstande, Dinge zu akzeptieren, wenn sie passieren ? so ist einfach mein Charakter. Und ich mache mich damit dann auch nicht auf Ewigkeiten verrückt ? das ist mein Überlebensinstinkt. Ich möchte mir einfach auch von nichts und niemandem meine Lebensfreude nehmen lassen. Das mag vielleicht auch ein bisschen aus Trotz so sein ? aber im Endeffekt fühle ich mich doch sehr gesegnet und geliebt. Ich habe wirklich ganz tolle, wundervolle Menschen um mich herum. Und das ist auch genau das, worauf ich mich fokussiere: auf das Gute in meinem Leben. Das hilft mir zu erkennen, dass ich trotz aller Widrigkeiten und furchtbaren Geschehnisse eigentlich ein reicher Mensch bin.

Wie hat Ihre neunjährige Tochter die ganze Sache verkraftet?

Das war alles sehr bitter für sie. Meine Tochter wusste ja nichts von der Infektion, bis es in den Medien war. Dann geriet alles außer Kontrolle. Und so sehr ich auch dafür gekämpft habe, sie zu beschützen, konnte ich das am Ende ja doch nicht. Sie hat viel daran zu knabbern, so wie auch der Rest der Familie. Leila ist zwar ziemlich stark und sie kämpft sich durch. Aber natürlich: Gerade bei Kindern hinterlässt so ein Wirbel noch schlimmere Spuren als bei Erwachsenen.

Hat sich das auch auf das Zusammenleben innerhalb der Band ausgewirkt?

Ich muss sagen, wir waren Gott sei Dank schon vor diesen Vorfällen eine tolle Einheit. Es gab viele Krisen in den vergangenen neun Jahren mit No Angels, ob nun privat oder beruflich. Und selbst wenn es dazwischen mal dicke Luft gab ? wenn?s darauf ankam, waren wir immer füreinander da und haben uns gegenseitig unterstützt. Komme, was wolle … Diese Ausnahmesituation hat uns nur noch näher zusammengebracht. Warum das so war und wie Nadja und die anderen No Angels mit ihrem neuen Album wieder voll durchstarten wollen, lesen Sie im Seitenblicke Magazin Nr. 37/09!

(seitenblicke.at/Foto: AP)

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