"Humor im Hemd": Alf Poier als ewiggestriger Kasperl in Wien

Alf Poier ließ bei seinem neuen Bühnenprogramm viel Potential ungenützt.
Alf Poier ließ bei seinem neuen Bühnenprogramm viel Potential ungenützt. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Am Montag fand die Premiere von Alf Poiers "Humor im Hemd" im Wiener Orpheum statt. Dabei zeigt er sich als der "ewiggestrige Kasperl".

In seinem neunten Bühnenprogramm “Humor im Hemd” rechnet Alf Poier mit der politischen Korrektheit ab. Bei der Premiere am Montag im Wiener Orpheum brach der steirische Kabarettist und Liedermacher eine Lanze für den “ewiggestrigen Kasperl”, zu dem er sich im Laufe des Abends selbst machte. Das zweistündige Programm des selbsternannten Dadaisten blieb oberflächlich und verschenkte sein Potenzial.

“Humor im Hemd”: Poier will mindestens 20.000 Besucher

Poier will es wissen: Mit “Humor im Hemd” will er mindestens 20.000 Besucher anlocken, oder kein weiteres Bühnenprogramm mehr starten. Darum fand man neben den üblichen Requisiten, Bildern und Instrumenten auf der Bühne eine Anzeige mit der bisherigen Zahl der Zuschauer. Als besonderes Bühnenelement diente eine Sirene mit Rundumleuchte, die den Künstler bei Aussagen unterbrach, die nicht der politischen Korrektheit entsprachen.

Wie bei seinen Programmen typisch, trug Poier Anekdoten vor und machte Wortspiele und Witze, die zwischen Verzweiflung und herzhaftem Lachen jede Reaktion beim Publikum hervorriefen. Seine Lieder, die von atonalen dadaistischen Klanginstallationen bis zum verträumten Volkslied reichten, spielte der Comedian als Ein-Mann-Band. Das funktionierte bei unpolitischen Themen sehr gut, politische Themen wurden jedoch nur an der Oberfläche behandelt.

Poier auf der bühne: Kritik oft oberflächlich

So verteidigte Poier das traditionelle Kasperltheater als Kulturgut vor der vermeintlichen Bedrohung durch Andre Heller, bevor er den Bogen zu den Kasperln in Brüssel schlug, denn auch die EU durfte als dankbares Ziel nicht fehlen. Seine Kritik blieb dabei oberflächlich und aus dem Zusammenhang gerissen. Poiers politische Satire wirkte darum wie der hilflose Versuch eines steirischen Otto Waalkes, politisches Kabarett zu machen.

Nachdem Poier seinem Zorn über das Binnen-I Luft gemacht hatte, wartete man jedoch vergebens auf die ausgleichende Kritik an konservativer Politik. Schlussendlich konnte Poier die Sirene der politischen Korrektheit nicht mehr aushalten, wetterte gegen “Moralfaschisten und Denunzianten” in den sozialen Medien und wünschte diese zu den Sentinelesen, die im vergangenen Jahr einen Missionar auf ihrer Insel getötet hatten. Während die polemisierenden Aussagen bei Teilen des Publikums heftigen Beifall ernteten, hinterließen sie bei anderen Besuchern einen schalen Nachgeschmack. Aber Poier weiß selbst, dass er “nicht allen taugt” – spätestens seit seinen Aussagen zu Conchita Wurst kann daran kein Zweifel mehr bestehen.

Neues Bühnenprogramm: Potential nicht genützt

Poier zeigte in seinem Programm immer wieder anspruchsvolle Ansätze, die er leider nicht ausschöpfte. Stattdessen ließ er die wirklich interessanten Aspekte unausgegoren stehen und widmete sich schnell wieder trivialeren Themen. Schade eigentlich, denn dabei ging enormes Potenzial verloren: So stoppte Poier seinen Exkurs über das “existenzielle Vakuum des Westens”, der keine Ideale, sondern nur noch den Egoismus kenne, bevor er den Kern der Sache erforschte.

Auch mit der Präsentation seiner Gemälde, einem wahren Höhepunkt des Abends, zeigte Poier interessante und pointierte Gedankenspiele. Er selbst ist in seinen Werken oft als “dadaistischer Teufel” zu sehen, der beispielsweise mit seiner schwarz-weißen “Zebrasalami” gegen die EU-Agrarpolitik in Afrika auftritt, indem er ein afrikanisches Schuppentier vor dem Europaparlament füttert. Die Absurdität der Motive und die humorvollen Erläuterungen der stilistisch ansprechenden Bilder amüsierten das Publikum bestens.

Auch wenn Poier die skurrilen Auswüchse der politischen Korrektheit stellenweise treffend zur Sprache brachte, war die Kritik in “Humor im Hemd” hauptsächlich oberflächlich und populistisch. Der Abend brachte zwar leichte Unterhaltung, aber keinerlei wirkliche Erkenntnis und hinterließ außer ein paar Wortwitzen keinen bleibenden Eindruck.

(APA/Red)

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