Hugo Portisch im Alter von 94 Jahren verstorben

Trauer um Journalistenlegende Hugo Portisch.
Trauer um Journalistenlegende Hugo Portisch. ©APA/HERBERT PFARRHOFER
Der Journalist Hugo Portisch ist tot. Er ist im Alter von 94 Jahren gestorben, wie der ORF am Donnerstag einen Bericht des "Kurier" bestätigte.

Vielen Österreichern galt er als der Vermittler österreichischer Zeitgeschichte schlechthin. In die Annalen der Medienpolitik hat er sich als Initiator des Rundfunk-Volksbegehrens eingetragen. Fraglos war er der bedeutendste Journalist der Zweiten Republik. Und auch in Sachen Schwammerl war er Experte: Nun verstarb Hugo Portisch im Alter von 94 Jahren.

Journalistenlegende Hugo Portisch 94-jährig gestorben

Laut seinem langjährigen Journalistenkollegen Heinz Nußbaumer ist Portisch am Donnerstagmittag in einem Krankenhaus "nach kurzer Krankheit sanft eingeschlafen". Der breiten Öffentlichkeit wurde Portisch als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Die ausladende Gestik, mit der er stets seine Analysen unterstrich, wurde zum Markenzeichen. Zwei Generationen haben von Portisch gelernt, Zeitgeschichte zu verstehen und Ereignisse rund um den Globus zu bewerten.

Unumgänglich sind in dem Zusammenhang seine Fernsehserien "Österreich II" und "Österreich I", mit denen der Journalist zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins wurde. 2013 wurde auf ORF III die Neuauflage von "Österreich II", technisch und inhaltlich aktualisiert, ausgestrahlt. Im Jahr 2005 lieferte Portisch mit der vierteiligen Reihe "Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte" ein "spätes Meisterstück öffentlich-rechtlicher TV-Kultur", so der ORF damals. Unvergessen sind auch - vor allem in den Sechziger- und Siebziger-Jahren, als Berichte aus fernen Ländern noch selten waren - seine außenpolitischen Reihen "So sah ich ...", die ihn von Afrika nach Vietnam, von London bis Peking führten.

Initiator des Rundfunk-Volksbegehrens und vielfach ausgezeichnet

Der am 19. Februar 1927 in Preßburg geborene Hugo Portisch studierte in Rekordzeit Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik. Bereits 1948 begann er als Redaktionsaspirant der "Wiener Tageszeitung", zwei Jahre später wurde er Leiter der Außenpolitik. Nach einer Zwischenstation als Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York begleitete Portisch in einem kurzen, aber historisch bedeutsamen Zeitraum Bundeskanzler Julius Raab als Pressesprecher bei Staatsbesuchen in den USA.

1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten "Kurier". Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur.

Portisch war maßgeblicher Proponent des erfolgreichen Rundfunkvolksbegehrens, das in die Rundfunkreform unter Generalintendant Gerd Bacher mündete. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF - und wurde eines der Aushängeschilder der Bacher'schen Informationsoffensive.

Für seine Arbeit wurde Portisch u.a. mit dem Karl-Renner-Preis, dem Österreichischen Staatspreis, der Goldenen Kamera und dem Fernsehpreis "Romy" ausgezeichnet. Unter seinen zahlreichen Büchern befindet sich auch durchaus unpolitisches: 1989 verfasste er zusammen mit seiner Frau Gertraude den Band "Pilzesuchen - ein Vergnügen".

"Hat Geschichtsbewusstsein einer ganzen Nation geprägt"

Seine Autobiografie "Aufregend war es immer" wurde zu seinem 90. Geburtstag ergänzt und neu aufgelegt Damals legte er auch mit "Leben mit Trump - ein Weckruf" eine damals hochaktuelle Betrachtung des Umbruchs in den USA und dessen internationale Folgen vor. 2018 wurde er zum Wiener Ehrenbürger ernannt, im Herbst 2019 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Republik. "Hugo Portisch und sein Werk sind Teil der österreichischen DNA", formulierte damals Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP), "er hat das Geschichtsbewusstsein einer ganzen Nation geprägt!"

Reaktionen aus der heimischen Politik

Viele heimische Politiker und Journalisten kondolierten Donnerstagnachmittag der Familie und den Freunden der Journalistenlegende. Der ORF trauert um einen "seiner klügsten Journalisten, Analytiker des Weltgeschehens und einen der vehementesten Proponenten für einen reformierten Rundfunk". Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sah in Portisch eine "der ganz großen Persönlichkeiten unseres Landes". Mit ihm verliere Österreich einen "Jahrhundertjournalisten". Portisch sei für Generationen der Erklärer der Nation gewesen. "Er hat nicht nur Zeitgeschichte erzählt und erklärt, Hugo Portisch selbst ist ein Teil österreichischer Zeitgeschichte", so der Bundeskanzler. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) sprach von einem traurigen Tag für Österreich. "Hugo Portisch hat die Politik Österreichs und der Welt den Menschen ins Wohnzimmer geliefert. Er hat Politik so erklärt, dass sie jeder verstanden hat", so Sobotka.

Einen der "ganz Großen", einen "herausragenden Journalisten, der uns die Welt ins Wohnzimmer gebracht hat" habe man verloren, bedauerte auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). "Ein Jahrhundert-Journalist, eine moralische Instanz, ein standhafter Humanist. Was für ein Leben hat er gelebt. Uns alle hat er bereichert. Meine Anteilnahme gilt seiner Familie und Freunden", so SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. In Gedanken bei seinen Angehörigen ist auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne): "Es ist selten, dass journalistische Beobachter den öffentlichen Diskurs so stark prägen, dass man von einem eigenen Genre, einer eigenen Kunstform sprechen kann."

Die Stadt Wien sichert dem "Journalisten-Doyen" ein Ehrengrab, wie der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung mitteilte. "Er war ein Vorbild für Generationen kritischer Journalisten. Keine und keiner erklärte so gut wie er komplizierte politische Zusammenhänge", sagte Ludwig.

Ö1 ändert in memoriam der am Donnerstagmittag verstorbenen Journalistenlegende Hugo Portisch sein Programm. Der Radiosender wiederholt am Freitag ab 16.05 Uhr die Sendung "Hugo Portisch, wie ihn kaum wer kennt", die im Februar im "Salzburger Nachtstudio" ausgestrahlt wurde. Dieses basiert auf einem bis dahin unveröffentlichten 30-stündigen Gespräch, das der Salzburger Verleger Hannes Steiner vor einigen Jahren mit Portisch geführt und aufgenommen hat.

(APA/Red)

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