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Horror-Arzt Eduard L. quälte seine Kinder jahrelang - bedingte Haftstrafe

Der Arzt filmte, wie er seine Kinder zum Alkoholkonsum zwang.
Der Arzt filmte, wie er seine Kinder zum Alkoholkonsum zwang. ©Video Screenshot
Der oststeirische Arzt Eduard L. ist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht zu einer bedingten Haftstrafe von vier Monaten und einer Geldstrafe von 1.920 Euro verurteilt worden.
Skandal-Arzt aus der Steiermark

Der Mediziner soll seine vier heute erwachsenen Kinder jahrelang gequält haben. Bei einem ersten Prozess war er noch überraschend freigesprochen worden. Das Oberlandesgericht hatte den Freispruch aber aufgehoben.

Mit Selbstmord gedroht

Dem steirischen Arzt wurde vorgeworfen, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben, indem er mit Selbstmord drohte, sie verbal demütigte und ihnen verdorbenes Essen vorsetzte.

"Mein Name ist Miriam L., ich bin 24 Jahre alt und habe meine ganze Kindheit hindurch unter meinem Vater gelitten, der mir ab dem 12. Lebensjahr ohne entsprechende Indikation schwere Beruhigungsmedikamente verabreichte. Mit 18 Jahren gab er mir hochdosiertes Morphium, so wurde ich abhängig. Er spritzte meiner Schwester Benzodiazepine und Morphium und brachte sie in schwere Abhängigkeit. Ihren kalten Entzug ließ er unbehandelt."

So beschreibt Miriam L. in einem Offenen Brief an die Medien ihr jahrelanges Martyrium durch ihren Vater, der auch ihre Geschwister misshandelte und quälte.

Dr. L. rammte sich selbst Schraubenzieher in den Bauch

"Als ich ein Teenager war, rammte er sich einen Schraubenzieher in den Bauch und zwang mich, diesen herauszuziehen", schreibt Miriam in ihrem Offenen Brief. "Einmal hat er sich vor unseren Augen die Pistole an die Schläfe gehalten. Er drohte oft mit Selbstmord, es war Psychoterror. Unser Bruder musste dem eigenen Vater Narkosemittel spritzen. Er stach viele Male, bis er eine der vernarbten Venen traf. Auch meine Schwester musste ihm Spritzen setzen, es war eine Tortur."

Laut den Worten der Tochter sagte die Gutachterin Adelheid K. aus, "dass mein Vater keine höhere Abartigkeit" aufweise. Er selbst bezeichnete sich hingegen als "schwerst krank". Ihm sei es um die "eigene Bedürfnisbefriedigung und um das Erhaschen von Mitleid und Aufmerksamkeit" gegangen", schreibt Miriam über ihren Vater und fügt hinzu: "Es sei nie seine Absicht gewesen, uns Schaden zuzufügen."

Schockierendes Video von damals

"Mein Vater hat auch mitgefilmt, wie er uns als Kleinkindern Zigaretten und Bier gab. Auf dem Video (das wir erst vor kurzem entdeckten) sieht man, wie wir vor Betrunkenheit vom Sessel gefallen sind. Ihn hat das gefreut", schildert Miriam Erlebnisse aus ihrer Kindheit.

Der Arzt filmte, wie er seine Kinder zum Alkoholkonsum zwang.
Video Screenshot

"Wir Kinder sind psychisch schwer traumatisiert"

"Aufgrund des quälenden Verhaltens unseres Vaters in unserer Kindheit und Jugendzeit leide ich unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Eine Schwester leidet schwer unter Depressionen und psychosomatischen Symptomen. Meine andere Schwester leidet ebenfalls unter posttraumatischer Belastungsstörung und mein Bruder unter einer Angststörung. Das beschönigende Gutachten von Frau K. ist uns unerklärlich und stellt für uns eine Verhöhnung unserer Leidensgeschichte dar."

Kinder legten Beweise vor

Neue Anträge von allen Seiten führten am Freitag dazu, dass die Verhandlung erneut vertagt werden musste. Dem steirischen Arzt wird vorgeworfen, jahrelang seine vier Kinder gequält zu haben, indem er mit Selbstmord drohte, sie verbal demütigte und ihnen verdorbenes Essen vorsetzte.

Dass ständig neues Material auftaucht, ist in diesem Verfahren schon zur Gewohnheit geworden. Diesmal legten auch die vier Kinder direkt dem Richter ihre Beweise vor. Es handelt sich um 31 Videos, Filme, Fotografien sowie schriftliche Übertragungen von Videos. "Ich habe mir das nicht angesehen, da es formal noch nicht Gegenstand der Verhandlung ist", erklärte der Richter, der von den Anwälten wissen wollte, warum sie nicht diese Anträge gestellt hätten. "Manche Verfahren entwickeln eine Dynamik, die nicht in der Strafprozessordnung vorgesehen ist, das ist eine davon", lautete die Antwort von Anwalt Gerald Ruhri. Er muss mit seiner Kollegin bis 24. Juni das Material sichten und offiziell einbringen.

Richter mit Anträgen eingedeckt

"Heute wird es kein Urteil geben", verkündete Richter Martin Graf gleich zu Prozessbeginn in Graz. Einer der Gründe für diese neuerliche Verzögerung war, dass der psychiatrische Sachverständige Walter Wagner nochmals gehört werden soll. Außerdem wurde der Richter wieder mit zahlreichen Anträgen eingedeckt. Seitens der Anwälte der Opfer wurde beantragt, Tagebuchaufzeichnungen eines der Mädchen als Beweis zuzulassen, außerdem ärztliche Befunde, Gesprächsaufzeichnungen oder ein Familien-Video.

Auch eine Ex-Freundin des Angeklagten hat selbst etwas vorgelegt, und zwar Material über angebliche ärztliche Fehlbehandlungen. "Ich weiß nicht, was ich damit machen soll", meinte der Vorsitzende. "Der Staatsanwaltschaft weiterleiten", antwortete Ankläger Christian Kroschl.

Frau macht Dr. L. Vorwürfe, dass er die Kinder schlecht behandelt

Dann wurde ein Video vorgespielt, das den Arzt mit seiner Frau beim Essen zeigt, vom Gespräch konnte man so gut wie nichts verstehen. Offenbar machte sie ihm Vorwürfe, dass er die Kinder schlecht behandle. "Es hat nie eine persönliche Drohung meinen Kindern gegenüber gegeben", rechtfertigte sich L.

Der Prozess wird am 11. Juli fortgesetzt. Ob es da zu einem Urteil kommen wird, wagte am Freitag niemand zu prognostizieren.

(APA)

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