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Hohe Auszeichnung für Wiener Historiker

Mitterauer, Köhler &copy APA
Mitterauer, Köhler &copy APA
Der Wiener Historiker Michael Mitterauer erhielt hohe deutsche Auszeichnung - "Deutscher Historikerpreis" von Bundespräsident Köhler überreicht - Bayerns Ministerpräsident Stoiber: "Grundlegendes Werk zum besseren Verständnis unseres Kontinents".

Der österreichische Sozialhistoriker Michael
Mitterauer (67), emeritierter Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien, wurde gestern, Freitagabend
in München vom deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem „Preis des Historischen Kollegs“ ausgezeichnet. Die mit 30.000 Euro
dotierte und auch „Deutscher Historikerpreis“ genannte Auszeichnung,
die nur alle drei Jahre vergeben wird, erhielt Mitterauer für sein
Buch „Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs“
sowie für sein Lebenswerk.

“Gedanken und Ideen können nicht sterben”

Köhler betonte bei dem Festakt die Bedeutung der historischen
Geisteswissenschaften, die die Kultur und die Geschichte lebendig
hielten: „Sie lehren uns, dass Gedanken und Ideen, so alt sie sein
mögen, nicht sterben können.“ Lebendig bleibe Geschichte aber auch
dadurch, dass sie von der Gegenwart her geschrieben werde.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte in seiner
Rede mehr Geschichtsbewusstsein und gratulierte Mitterauer: „Sie
gehen in Ihren Veröffentlichungen vor allem dem Zusammenspiel
kultureller Phänomene nach. Mit Ihrem Buch ’Warum Europa?
Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs’ haben Sie ein
grundlegendes Werk zum besseren Verständnis unseres Kontinents
vorgelegt. Für dieses Werk wie für die Arbeit des Historischen
Kollegs gilt das Wort des griechischen Historikers Polybios: ’Nichts
ist geeigneter, uns den rechten Weg zu weisen, als die Kenntnis der
Vergangenheit.’“

“Gewichtiger Beitrag zu
einer Geschichte der Globalisierung”

Der Frankfurter Historiker Johannes Fried, Preisträger des
Jahres 1995, lobte Mitterauers Buch als einen gewichtigen Beitrag zu
einer Geschichte der Globalisierung. Mitterauer identifiziere und
analysiere eine Reihe von Umständen, die Europa groß gemacht haben,
wie unterschiedliche Nahrungsmittel, Familienstrukturen und
Herrschaftsorganisationen, und gewinne aus ihrem globalen Vergleich
Einsichten in die unterschiedliche kulturelle und zivilisatorische
Dynamik.

In seinem Festvortrag schloss Mitterauer an sein ausgezeichnetes
Buch an und plädierte für eine Öffnung der Geschichtswissenschaft
über Europa hinaus zu einer vergleichenden Globalgeschichte. Eine
solche „Europäische Geschichte in globalem Kontext“ sollte den Bezug
zur Gegenwart herstellen und Verständnis für außereuropäische
Kulturen wecken. In einer Europa-Rhetorik, die sich auf die
Vergangenheit berufe, und die durch sie betriebene Identitätspolitik
sieht Mitterauer gerade in der Vermittlung von historischem Wissen in
den Schulen und in einer breiteren Öffentlichkeit eine Gefahr.

Mitterauer wurde am 12. Juni 1937 in Wien geboren. Sein
Geschichtsstudium schloss er 1960 mit der Promotion sub auspiciis
praesidentis ab. Nach Forschungsaufenthalten etwa in München
habilitierte er sich 1968 an der Uni Wien, 1971 wurde ebendort als
Extraordinarius berufen. Von 1973 an war er ordentlicher Professor am
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, im vergangenen Jahr
emeritierte er. Im Zentrum seiner Arbeit stand stets weniger die
„große Politik“, sondern vielmehr die „Geschichte der kleinen
Lebenswelten“, der Geschichte der „einfachen Menschen“, deren Alltag,
Familienverhältnisse und Probleme.

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