Hofrat Geiger nach Freispruch: "Bin noch immer Polizist"

Geiger: "Bin noch immer Polizist"
Geiger: "Bin noch immer Polizist" ©APA
"Ich bin noch immer Polizist und habe nie aufgehört, Polizist zu sein", sagte der ehemalige Leiter der Wiener Kriminalpolizei, Ernst Geiger, am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz. Video 

Der Kanzlei seines Anwalts Manfred Ainedter war wenige Stunden zuvor die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) zugestellt worden, mit der die Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch Geigers in der sogenannten Sauna-Affäre als “nicht nachvollziehbar” verworfen wurde.

“Ich bin froh, dass es endlich aus ist”, sagte Geiger, dem vorgeworfen worden war, einem befreundeten Sauna-Betreiber im Voraus eine Razzia-Termin verraten zu haben. Ende März 2006 war Geiger vom Dienst suspendiert worden, wenig später erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Über drei Jahre dauerte das Strafverfahren, als dessen Antriebsmotor immer wieder Geigers langjähriger Rivale, der inzwischen rechtskräftig wegen Amtsmissbrauchs abgeurteilte frühere Landespolizeikommandant Roland Horngacher, vermutet wurde.

Die nunmehrige volle Rehabilitation kommt allerdings einem Pyrrhussieg gleich. “Das Verfahren hat meine Karriere zerstört”, meinte Geiger. An sich stünde dem Hofrat mit dem rechtskräftigen Freispruch die Rückkehr in den aktiven Polizeidienst offen, “aber meine Berufsposition ist weg. Ich würde das gern machen, aber mein Posten ist besetzt. Die interessanten Aufgaben sind weg.” Außerdem habe sich die Polizeiarbeit verändert. Es gebe neue Strukturen, ein neues EDV-System, eine neue Strafprozessordnung.

Geiger räumte ein, vor allem die Anfangsphase des Verfahrens als “existenzbedrohend” erlebt zu haben. Hätte er nicht rasch eine berufliche Herausforderung bei Magna gefunden – Geiger ist im Konzern des Austrokanadiers Frank Stronach als Global Security Manager tätig -, “wäre ich verbittert, vielleicht ein Psychopath oder ein Querulant geworden”.

Die Erfahrung des überstandenen Strafverfahrens hat bei Geiger auch zu einem Umdenkprozess geführt: “Ich bin in Bezug auf Polizei und Justiz sicher viel sensibler geworden, was die Menschenrechte betrifft. Ich habe das früher teilweise zu einseitig, zu schwarz-weiß gesehen und sehe das heute viel differenzierter. Wenn der Polizeiapparat in falsche Hände kommt, kann man sehr viel anrichten. Die Justiz kann man instrumentalisieren.”

Auf seinen “Intimfeind” Horngacher angesprochen, bemerkte Geiger abschließend: “Er tut mir persönlich leid. Dass er so tief gefallen ist, hätte ich ihm auch nicht gewünscht.” Der vormals hoch geachtete Polizeigeneral soll inzwischen als Rechtsberater für ein Casino arbeiten.

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