Hofkomponist, Weltbürger und "Papa Haydn"

Ausstellung: "Das Phänomen Haydn" in Eisenstadt
Ausstellung: "Das Phänomen Haydn" in Eisenstadt © EPA
Zu Lebzeiten gehörte er zu den international renommiertesten Komponisten, zu den glücklichsten sozialen Aufsteigern und - nicht zuletzt - zu den gewichtigsten Lehrerpersönlichkeiten.

Seine Schüler und Freunde, allen voran Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, sollten ihn als Meister der Wiener Klassik letztlich aber an Bekanntheit überbieten – und dem Kapellmeister des Hauses Esterhazy das Image des “Papa Haydn” verpassen. Am 31. Mai 2009 jährt sich Joseph Haydns Todestag zum 200. Mal und bietet damit Anlass für ein wahres Jubeljahr mit zahlreichen Konzerten, Schwerpunkten, Ausstellungen und Neuerscheinungen, vor allem in Ostösterreich.

Am 31. März 1731 im Dreiländereck Österreich, Ungarn und Slowakei geboren, sollten sich die Wirkstätten Haydns zeitlebens auf diese Region konzentrieren. Sein Patriotismus fand nicht zuletzt in der Musik zur Kaiserhymne – und heutigen deutschen Nationalhymne – Ausdruck. Doch der Sohn einfacher Leute aus dem niederösterreichischen Rohrau eroberte auch die große, weite Welt, feierte vor allem in England wahre Triumphe und konnte sich bei seinem Tod im damaligen Wiener Gumpendorf im Jahr 1809 nicht nur zu den einflussreichsten, sondern auch zu den fleißigsten Meistern seines Fachs zählen: Vor allem in der Symphonie und im Streichquartett setzte er nicht nur ganz neue Maßstäbe, die die Kompositionskunst für immer verändern sollten, sondern hinterließ eine fast unüberschaubare Fülle von Werken.

Seine Erfolgsgeschichte verdankte Haydn seinem Ausnahmetalent. Die Begabung wurde früh erkannt, der Sechsjährige zunächst in Hainburg und schließlich im Wiener Stephansdom als Chorknabe sowie an Violine und Klavier ausgebildet. Früh versuchte er sich am Komponieren. Dennoch muss Haydn, der später Lehrer und Mentor so vieler werden sollte, als Autodidakt gelten. Vor allem in der Zeit nach der Entlassung aus dem Chor brauchte die junge Musikerkarriere zehn harte Jahre, um in die Gänge zu kommen. Über die Adelshäuser Fürnberg und Morzin erarbeitete sich Haydn schließlich eine Reputation als Kapellmeister, bis er mit seiner Position am Hofe Esterhazy in ein fast lebenslängliches Arbeitsverhältnis eintrat.

In Eisenstadt und dem im heute ungarischen Fertöd gelegenen Landsitz des Familie, Schloss Eszterhaza, bewältigte Haydn für die Fürsten Esterhazy stets ein gewaltiges Arbeitspensum an Kompositionen, Proben und Aufführungen. Vor allem einfache Kammermusikwerke für den “Hausgebrauch”, Messen für Sonntags sowie Opern für das eigens errichtete Opernhaus wurden verlangt. Gleichzeitig wandte sich Haydn schon bald auch an weitere Adelskreise durch Europa und verfasste zahlreiche berühmte Auftragswerke, darunter die “Pariser Symphonien” oder die “Letzten Sieben Worte unseres Erlösers am Kreuze”. Besonders in England, wohin er 1790 und 1794 zu ausgedehnten Aufenthalten aufbrach, feierte er große Erfolge und komponierte etwa die “Symphonie mit dem Paukenschlag”.

Nachdem Fürst Nikolaus Esterhazy – der “Prachtliebende” – gestorben war, wurde die höfische “Capelle” aufgelöst und Haydn in die Pension entlassen – dem Hause Esterhazy blieb er allerdings auch verbunden, als er seinen Lebensabend in Wien, in der heutigen Haydngasse, verbrachte. Hier komponierte er mit der “Schöpfung”, den “Jahreszeiten” und der Kaiserhymne noch wesentliche Werke. Hier starb er nach langer Krankheit während der Angriffe Napoleons auf Wien an Entkräftung. Doch das ist selten der Endpunkt in seinen Biografien. Denn seiner Bestattung folgte ein – derzeit in Verfilmung befindlicher – Krimi um den Schädel des Komponisten. Bei der Überführung des Leichnams vom “Hundsturmer Friedhof” nach Eisenstadt entdeckte man, dass er fehlte, er war von einem Forscher zum Studium des Genialen entwendet worden. Erst 145 Jahre später, 1954, wurde der Schädel nach zahlreichen Umwegen beigesetzt.

Fast alle Bilder, die von Haydn erhalten sind, zeigen ihn als älteren Herren – in schönster Übereinstimmung mit dem Klischee vom “Papa Haydn“. Doch, oft bekrittelt, dürfte dieses Image durchaus eine schon zu Lebzeiten übliche Charakterisierung Haydns gewesen sein – und das nicht erst im Alter. So wurde er Überlieferungen gemäß schon in jungen Jahren als Leiter der Esterhazy’schen “Capelle” mit dem väterlichen Kosenamen bezeichnet, weil er sich so umsichtig um seine Musiker kümmerte. Dem heutigen Musikhistoriker kommt der Name freilich ganz recht. Wird Haydn doch nicht nur gerne als väterlicher Freud für Mozart und als Lehrer für Beethoven, sondern auch gleich als der Vater der Symphonie, des Streichquartetts, ja, der ganzen Wiener Klassik gesehen.

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