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Hip-Hop-Star Danger Dan kommt nach Wien

Danger Dan alias Daniel Pongratz kommt mit seinem Soloalbum für zwei Konzerte am 22. und 23. Oktober nach Wien ins Volkstheater.
Danger Dan alias Daniel Pongratz kommt mit seinem Soloalbum für zwei Konzerte am 22. und 23. Oktober nach Wien ins Volkstheater. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Sonst ist der mit der Antilopen Gang im Hip-Hop unterwegs, mit seinem Soloalbum "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" kommt der deutsche Musiker am 22. und 23. Oktober ins Wiener Volkstheater.

Mit wunderschönen Klaviermeldodien und harter Kante gegen Rechts: Der deutsche Musiker Danger Dan hat auf dem Soloalbum neue Facetten offenbart. Im Vorjahr gab es Kritikerlob und etliche Preise, nun präsentiert Danger Dan die Songs live. Vor einem ausverkauften Doppel im Wiener Volkstheater (22./23.10.) sprach er mit der APA über Lampenfieber, Vereinnahmung und den anstrengenden Traum.

Der deutsche Hip-Hop-Star Danger Dan kommt nach Wien

APA: Sie haben für Ihre Platte viel Zuspruch erhalten. Hat sich Ihr Blick auf die Lieder in den vergangenen eineinhalb Jahren verändert?

Danger Dan: Ich muss zugeben, dass ich ziemlich große Angst hatte, das live zu spielen. Ich habe ja mit einigen Tricks aufgenommen, konnte im Studio zuerst Klavier spielen und dann singen. Als ich dann das erste Mal damit auftreten musste, hatte ich richtig krasses Lampenfieber. Als wir im Mai auf Tour gegangen sind und ich ein abendfüllendes Programm spielen sollte, hat mich das richtig überfordert. Das war zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich ernsthaft intensiv geübt habe. Ich habe mir einen kleinen Proberaum angemietet, wo ich alleine hingehen kann und fast jeden Tag eine Stunde gespielt habe. Jetzt ärgere ich mich, weil ich die Lieder besser spielen und singen kann als auf dem Album. Ich habe in die Rolle des Klavierspielers, der singt, viel besser reingefunden. Es entwickelt sich live und geht langsam nur noch um Nuancen und nicht mehr darum, ob ich fehlerfrei durch ein Lied komme. (lacht) Ansonsten stehe ich inhaltlich noch voll und ganz hinter diesem Album.

Was hat der Erfolg der Platte mit Ihnen als Künstler gemacht?

Es ist noch zu früh, das zu reflektieren. Seit das Album rausgekommen ist, bin ich nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Dichte der Ereignisse ist so dermaßen groß. Ich freue mich schon, wenn es im Frühjahr ruhiger wird. Aber klar, es macht etwas mit mir. Früher habe ich in jeder Stadt alle Leute und Gäste eingeladen, so was mache ich gerade nicht. Einerseits wegen Corona, aber andererseits, weil ich manchmal genieße, zwei Stunden meine Ruhe zu haben. Früher habe ich alle Partys mitgenommen. Jetzt sind es aber so viele, dass ich es nicht mehr schaffe. Ich will nicht jammern, weil es jammern auf hohem Niveau ist. Ich schaffe auch alles, weil es total Spaß macht und das ist, wovon ich immer geträumt habe. Aber in meinem Traum war es nicht so anstrengend. (lacht) Es ist ja auch ein großer Spagat. Ich war kürzlich bei der Klassikpreisverleihung Opus, eine Nacht davor im Theater in Aachen und wieder eine Nacht davor im Autonomen Zentrum. Dort haben wir Pogo getanzt, und dann bist du wenige Stunden später auf so einer Preisverleihung in einem Laden, in den ich im Normalfall nie reingekommen wäre. Dieser Spagat, den ich da machen muss, ist schon anstrengend.

"Ich kann alles falsch machen, und es ist trotzdem irgendwie nett"

Haben Sie das Gefühl, dass Sie aufgrund Ihres Erfolges vereinnahmt werden?

Um ehrlich zu sein, kenne ich das ja auch mit der Antilopen Gang. Wir hatten ja immer schon das Problem, dass wir die Rebellen sind, die noch verträglich sind. Ich kann alles falsch machen, und es ist trotzdem irgendwie nett. Ich dachte, mit den Inhalten des Albums würde ich mein Publikum limitieren. Weil es einfach polarisiert. Aber das Gegenteil ist der Fall, irgendwie sind sich alle dann doch einig. Ich weiß nicht genau, welche noch radikalere Forderungen ich stellen muss, damit ich nicht vereinnahmt werde. (lacht) Andererseits: Immer nur in den eigenen Reihen zu bleiben, wäre auch falsch. Als trojanisches Pferd werden mir beim Opus Klassik die Türen aufgemacht. Klar kann es sein, dass man vereinnahmt wird und sich dadurch etwas glattschleift. Darüber werde ich auch sicher nachdenken, wenn die Zeit dafür da ist.

Auf der aktuellen Tour spielen Sie in Opern und Theaterhäusern. Wie fühlt sich das an?

Begonnen haben wir die Tour in kleineren Clubs, die ich auch schon kannte. Jetzt sind wir plötzlich in diesen Theaterhäusern. Als erstes war ich in der Alten Oper Frankfurt und habe wirklich jedes Lied falsch gespielt. Ich wusste die Liedanfänge nicht mehr und war furchtbar aufgeregt. Die ganze Architektur macht mir Angst, die Akustik verzeiht keine Fehler - und noch viel schlimmer: Das Publikum hat auch Angst und singt nicht mit. Es gibt kein so lautes Feedback. Im Autonomen Zentrum musste der Tontechniker viel lauter machen als beim Soundcheck gedacht, weil die Leute so laut mitgebrüllt haben. In der Alten Oper sind die mucksmäuschenstill. Wenn ich auf die Bühne komme, höre ich jedes Fußtappen von mir auf dem Holzboden. Das hat mich supernervös gemacht. Das ist eine ganz neue Disziplin. Ich hoffe, ich wachse da noch rein. Es ist einfach ein ungewohnter Ort, wo die faulen Tricks, die woanders klappen, nicht mehr funktionieren. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, aber jetzt gerade ist es noch ganz schön aufregend.

Zur Person Danger Dan alias Daniel Pongratz und zum Hip-Hop

Danger Dan wurde als Daniel Pongratz in Aachen geboren. Der Musiker, der in einem Akademikerhaushalt aufwuchs, spielte in seiner Jugend in Punkbands, bevor er den Hip-Hop für sich entdeckte. Gemeinsam mit seinem Bruder Tobias Pongratz (Panik Panzer) und weiteren Kollegen gründete er schließlich die Rapformation Antilopen Gang, die bis heute fünf Alben veröffentlichte. Die Platte "Anarchie und Alltag" landete 2017 auf Platz 1 der deutschen Charts. Mit seinem zweiten, im Vorjahr veröffentlichten Soloalbum "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" feierte er weit über Szenekreise hinaus Erfolge.

Danger Dan live am 22. und 23. Oktober im Wiener Volkstheater.

(APA/Red)

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