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Hintergrund für Suspendierung unklar

Bild: APA
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Der Hintergrund für die Suspendierung des Leiters der Wiener Kriminaldirektion 1 (KD 1), Roland Frühwirth, war am Tag nach Bekanntwerden des Falls weiter unklar.

Weder der Betroffene noch die zuständige Behörde, die Bundespolizeidirektion Wien, waren zu einer inhaltlichen Stellungnahme bereit. Für Frühwirth gilt die Unschuldsvermutung.

Insider vermuten, dass der Fall auch auf den – medialen – Beginn des Konflikts zwischen den ebenfalls suspendierten Wiener Spitzenbeamten Roland Horngacher und Ernst Geiger zurückgeht. Frühwirth galt bei dieser Auseinandersetzung bei mit Polizeiinterna vertrauten Personen als „Mann“ Horngachers.

Am 11. August 2005 erschien im Wochenmagazin „News“ unter dem Titel „Die Königin der Nacht“ eine Geschichte über die Betreiberin eines Nobel-Bordells in der Wiener Innenstadt. Aufhorchen ließen dabei vor allem die drei letzten Absätze des Reports. Eine ehemalige Mitarbeiterin des Bordells berichtete über ihren Stammfreier: „Einer der höchstrangigen Polizisten Österreichs. ’Napoleon’, so der Spitzname, mit dem ich ihn anreden musste, lud mich vor jedem Schäferstündchen auf mehrere Flaschen teuersten Champagner ein“, hieß es da unter anderem. „Napoleon“ soll laut mehreren Medienberichten wiederum der Polizei-interne Spitzname des suspendierten Landespolizeikommandanten Roland Horngacher gewesen sein.

Knapp zwei Wochen nach dem „News“-Bericht gab es im Stadtpolizeikommando Schwechat die Einvernahme einer ehemaligen Mitarbeiterin des Nobelbordells. Da sie dabei auch über ein Gespräch mit einer Reporterin und laut Niederschrift dabei auf den Artikel in dem Wochenmagazin berichtete, handelt es sich offenbar um die selbe Prostituierte wie im „News“-Artikel. Sie fürchte sich nach dem Erscheinen des Berichts, da sie auf ihrem Handy Anrufe mit unterdrückter Telefonnummer erhalten habe, obwohl ihre Nummer nur ihren engsten Familienmitgliedern bekannt sei, sagte sie der Polizei. In der Einvernahme berichtete sie außerdem ausführlich über ihre Erlebnisse mit „Napoleon“ und identifizierte ihn auf einem Foto.

Pikant wurde der Fall auch, weil die Prostituierte in dem Innenstadt-Bordell kündigte. Im März 2004 begann sie laut ihrer Einvernahme in Schwechat in jenem dem Rotlicht-Milieu zugerechneten Saunabetrieb in Simmering zu arbeiten, den Ernst Geigers Bekannter Wolfgang B. betrieb. Diesem soll Geiger, als Leiter der kriminalpolizeilichen Abteilung ebenfalls suspendiert, den Termin einer Razzia verraten haben. Der Kriminalist wurde dafür nicht rechtskräftig im vergangenen August wegen Verrats eines Amtsgeheimnisses verurteilt. Er hat dagegen berufen und Nichtigkeit eingelegt.

Frühwirth soll nun auf Grund einer Anzeige in das Visier des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) geraten sein. Dabei soll es Insidern zufolge auch darum gehen, dass die betreffende Prostituierte unter Druck gesetzt worden sein soll. Weitere Punkte könnten die Ermittlungen gegen den Saunabetreiber sein, die informierten Kreisen zufolge wider besseren Wissens wesentlich umfangreicher aufgezogen worden sein sollen als nötig und möglicherweise anderen Zwecken gedient haben könnten.

In dieser Causa waren auch so genannten Sperr-Listen aufgetaucht, die in der Gerichtsverhandlung gegen Geiger zur Sprache kamen. Durch diese Listen sollen bis zu 300 Lokale im Wiener Rotlichtmilieu von Razzien ausgenommen worden sein. Auch in diesem Zusammenhang soll das BIA gegen Frühwirth ermitteln.

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