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Hindernis für Aussöhnung von Israel und Syrien

Israels Ankündigung, die Zahl der jüdischen Siedler in den kommenden drei Jahren von 10.500 auf 15.000 zu erhöhen, dürfte in Damaskus als Affront verstanden werden.

Die israelische Besetzung der syrischen Golanhöhen steht bis heute einer Aussöhnung der beiden Länder im Wege. Denn ohne die Rückgabe des Golan, das hat Syrien immer wieder deutlich gemacht, wird es keine Friedensverhandlungen geben. Der wirtschaftliche Wert der etwa 1.800 Quadratkilometer großen kargen Hügelregion, von der Israel etwa zwei Drittel besetzt hält, ist eher gering, ihr strategischer Nutzen hingegen umso größer.

In dem vulkanischen Hügelland entspringen mehrere Zuflüsse des Jordan. Die Verfügungsgewalt über die knappen Wasserressourcen ist im trockenen Nahen Osten ein Politikum, das Golanwasser speist die israelische Landwirtschaft. Ebenfalls wichtig ist der See Genezareth, das größte Süßwasserreservoir der Region, der seit der Besetzung des Golan 1967 unter alleiniger Kontrolle Israels steht. Zuvor hatte das Ostufer zu Syrien gehört.

Auch militärisch ist der Golan für Israel wichtig. Wie ein natürlicher Schießstand erheben sich die auf mehr als tausend Meter ansteigenden Höhen über das Jordantal und die galiläische Ebene im Norden Israels, und vor der Besetzung des Golan im Sechs-Tage-Krieg 1967 schossen syrische Truppen von den Höhen immer wieder auf israelische Ziele hinab. Besonders schmerzlich für Syrien ist es nun, dass die israelischen Truppen auf dem Golan gerade einmal 50 Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt stehen.

In der politischen Rhetorik der Regierung in Damaskus ist der Verweis auf das politische Unrecht der Golan-Besetzung seit 30 Jahren ein immer wiederkehrendes Grundmotiv. Die Golanstadt Kuneitra, die israelische Soldaten vor ihrer Rückgabe an Syrien 1974 zerstörten, wurde in Ruinen belassen und zu einer Art politischer Wallfahrtstätte gegen den Erzfeind Israel umfunktioniert. Die Rückgabe einiger Quadratkilometer besetzten Gebiets nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 wird in der offiziellen syrischen Geschichtsschreibung als großer Sieg gedeutet.

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