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Hilfe für bulgarische Kinder in Wien

Angesichts des starken Anstiegs der Zahl bulgarischer Kinder, die von kriminellen Organisationen in Wien zu betteln, stehlen und einbrechen gezwungen werden, hat das südosteuropäische Land Maßnahmen gesetzt.

Bulgarische Polizisten helfen nach Angaben des Bundeskriminalamts (BK) in der österreichischen Hauptstadt den heimischen Behörden bei der Rückführung der Kinder, in Bulgarien selbst wird in den Medien auf die Problematik aufmerksam gemacht.

Krisenzentren halfen Rumänien


Rund 230 Kinder von acht bis 14 Jahren allein aus Bulgarien sind heuer in Wien aufgegriffen worden. Zum Vergleich: 2003 wurden 260 Kinder – fast ausschließlich aus Rumänien – aufgegriffen. Nachdem mit Unterstützung der Wiener Magistratsabteilung 11 in Rumänien zehn Krisenzentren als Auffangstationen für zurückgekehrte Kinder eingerichtet wurden, ist die Zahl der Opfer fast auf Null zurückgegangen.


„In Bulgarien ist die Sache schwieriger. Viele Kinder, die aus Roma-Familien kommen, sind nicht registriert. Daher tun sich auch die bulgarischen Behörden schwer“, sagte Gerald Tatzgern vom BK, der Leiter des Schlepper- und Menschenhandelsreferats, im Gespräch mit der APA. Diese Kinder werden von einem Netzwerk an Menschenhändlern für einige Monate buchstäblich gepachtet. Mit dem Geld, das die Familie dafür bekommt, kann sie ein Jahr lang ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Kinder brutal zum Stehlen gezwungen


In Wien werden die Kinder unter Androhung von Essensentzug sowie körperlicher oder sexueller Gewalt zum Betteln oder Stehen gezwungen, wobei sie täglich Beute im Wert von 200 bis 400 Euro machen sollen, wie Tatzgern berichtete. Wenn es mit dem Betteln nicht klappt, wird begehen die Kinder Laden- oder Bürodiebstähle. „Ein Bub ist in der Mariahilfer Straße mit einem Faxgerät erwischt worden, an dem sogar noch der Stecker dran war“, berichtete der BK-Beamte. „Offenbar war er sehr verzweifelt, sonst hätte er nicht so ein Riesending mitgenommen.“


Werden die Kinder ertappt, geschieht ihnen nichts Schlimmes, da sie strafunmündig sind. Im Gegenteil, in Kriseninterventionszentren bekommen sie warmes Essen. Aus Angst vor Konsequenzen durch ihre Organisation gegenüber der Familie laufen sie oft wieder davon – „es gibt Kinder, die acht Mal am Tag erwischt werden“, sagte Tatzgern. Das Problem besteht vielmehr darin, sie davon zu überzeugen, dass sie keine Angst mehr zu haben brauchen – nicht vor der Polizei, die sie ohnehin nicht fürchten, sondern vor den Kinderhändlern.


Die Händlerorganisationen – laut BK Bulgarien, Russen und Türken, teilweise mit österreichischen Staatsbürgerschaft – auszuhebeln ist für die Polizei schwierig. „Da gibt es nicht einen einzigen Kopf. Es sind vielmehr Netzwerke, deren Mitglieder häufig ausgetauscht werden“, erläuterte Tatzgern.

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