Hickersberger: "Bin optimistischer geworden"

Bevor Österreich ins Mannschaftsquartier einrückt, ließ Teamchef Hickersberger im Gespräch die vergangenen Wochen Revue passieren.

Wie haben Sie das Wochenende verbracht?
Hickersberger: “Ich war zu Hause bei der Familie. Ich habe auch genau verfolgt, was Kroatien in Ungarn gemacht hat, bin aber nicht selbst hingefahren. Willi Ruttensteiner hat das beobachtet.”

Wie nötig haben Sie diese Pause jetzt gehabt. Wie gut tut das?
Hickersberger: “Sie tut sehr gut. Denn die Tage unmittelbar vor einem Turnier und während eines Turniers wie einer Welt- oder Europameisterschaft sind anstrengend, weil es sehr viele Termine gibt, weil sehr viele Besprechungen und Gespräche stattfinden- nicht nur mit den Medien. Aber die Medienarbeit ist in den letzten Jahren eskaliert im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft vor 18 Jahren in Italien.”

Kann man so kurz vor der EM überhaupt noch abschalten?
Hickersberger: “Ich habe das am Sonntag mit einer Runde Golf getan. Da kann ich hundertprozentig abschalten. Ich habe auch das Handy abgeschaltet und mich voll auf Golf konzentriert. Sonst geht das natürlich schwer, weil die Gedanken doch permanent um die Gegner kreisen: Wie spielen wir am besten gegen Kroatien?”

Sind das die wichtigsten Tage Ihrer Laufbahn?
Hickersberger: “Ja. Hundertprozentig. Weil es eine Heim-Europameisterschaft ist, weil die Stimmung im Land wirklich besser wird. Nach dem 5:1 in Graz war fantastische Stimmung. Es sind aber nicht nur die wichtigsten, sondern auch die schönsten Tage.”

Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Stegersbach?
Hickersberger: “Es möge möglichst lange dauern. Ich hoffe, dass wir lange im Camp bleiben und nicht rausfliegen.”

Die Vorbereitung hat am 8. Mai begonnen. Welche Erkenntnisse haben Sie in dieser Zeit gewonnen? Sind sie optimistischer als davor?
Hickersberger: “Ich bin doch etwas optimistischer geworden. Allerdings war das schon im Frühjahr so, weil die Leistungen gegen Deutschland und auch gegen die Niederlande doch Anlass zum Optimismus geben. Sie haben nicht nur mir, sondern jedem einzelnen Spieler gezeigt, dass wir, wenn wir eine gute Tagesform und Spielglück haben, auch Top-Ten-Nationen in Schwierigkeiten bringen und mit sehr viel Glück vielleicht sogar besiegen können.”

Wo gilt es in den wenigen verbleibenden Tagen die Hebel anzusetzen?
Hickersberger: “Wir müssen alles daran setzen, dass der Teamgeist genau so bleibt, wie er sich seit dem 8. Mai entwickelt hat. Dass alle weiterhin den Erfolg der Mannschaft als oberste Maxime betrachten, Einzelinteressen untergeordnet werden und jeder weiß, wie wichtig er für ein Gelingen der Europameisterschaft ist. Egal ob er spielt, eingewechselt wird, oder nur einer der 23 ist, der vielleicht nicht zum Einsatz kommt.”

Was kann man davon abgesehen in den letzten Einheiten noch trainieren?
Hickersberger: “Natürlich werden wir uns vor den einzelnen Spielen im Training taktisch vorbereiten. Daher werde ich versuchen, so viele Trainingseinheiten wie möglich geschlossen, also ohne Fans und Medien, durchzuführen. Ganz einfach deshalb, weil weniger Ablenkung vorhanden und die Konzentration viel höher ist. Das ist vor und während eines Turniers einfach notwendig.”

Es geht also nicht darum, dass “Spione” ferngehalten werden sollen?
Hickersberger: “Es geht nicht darum, ob jemand sieht, wer in einzelnen Formationen spielt oder nicht. Daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist ja sowieso immer verkehrt. Es geht darum, dass alle Spieler sich hundertprozentig auf das Training, auf das Wichtigste, konzentrieren können und nicht etwa durch Autogrammeschreiben abgelenkt werden.”

Steht die Anfangsformation bereits?
Hickersberger: “Sie hat sich herauskristallisiert, aber die Aufstellung mache ich immer erst ein, zwei Tage vor dem Spiel und gebe sie so wie bei den letzten Spielen nicht bekannt. Warum sollen wir unseren Gegnern, die ohnehin sehr viel über uns wissen, noch zusätzliche Informationen liefern. Natürlich haben wir schon seit längerer Zeit gewisse Vorstellungen, aber die letzten Leistungen einiger Spieler könnten uns doch auf der einen oder anderen Position zu Überlegungen veranlassen, am Spielkonzept vielleicht doch einige Kleinigkeiten zu verändern. Das ist eine Reaktion auf die Leistungen einzelner Spieler. Ich habe auch bei der Reduzierung des Kaders auf 20 Feldspieler Entscheidungen getroffen, die ich zu Beginn noch anders gesehen habe.”

Haben Sie bereits eine Entscheidung bezüglich der Nummer eins im Tor getroffen?
Hickersberger: “Ja.”

Das Gespräch führte Günther Lehner/APA

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