Herzstich in der Wiener Unterwelt

Symbolfoto |&copy Bilderbox
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Als sich am 4. Februar 2004 die Wege von Erich L. und Leopold B. im Cafe „Amigo“ in Wien-Brigittenau zufällig kreuzten, ging es alles andere als freundschaftlich zu.

Die beiden 47-Jährigen gingen sofort in Kampfstellung, Faustschläge übertönten die Musikbox, am Ende lag ein Toter vor dem Tresen. „Der Leo is’ schnell g’storben“, sinnierte am Dienstag ein Augenzeuge im Wiener Landesgericht, wo sich Erich L. wegen Mordes verantworten musste.

Mit einem Herzstich hatte er dem Leben seines Kontrahenten ein jähes Ende gesetzt. Zwei weitere Male rammte er ihm noch sein Springmesser – er selbst nennt die angeblich zum Selbstschutz beschaffte Waffe „meinen Sab’l“ – in den Bauch. „Des war ja ka Spaß net! I hob mi afach g’wehrt“, meinte der Angeklagte. Verteidiger Peter Philipp machte Notwehr geltend: „Was hätte er machen sollen? Der andere hat ihn angegriffen, und der hat auch a Puff’n in der Jacke g’habt!“

Gewalttäter und Drogenhändler

Beide Männer sind bzw. waren der Wiener Unterwelt zuzuordnen. „Er ist kein Waserl gewesen. Ein Gewalttäter und Drogenhändler. Kein sehr angenehmer Zeitgenosse“, sagte Staatsanwalt Herbert Zamostny über den Toten. Den Überlebenden charakterisierte er folgendermaßen: „Auch kein unbeschriebenes Blatt. Wegen schwerer Körperverletzung vorbestraft. Er macht sich immer gern selber zum Richter. Er wird sich gedacht haben: ’Den stich i ab, wenn er noch mal herkommt!’ “

Hintergrund der Auseinandersetzung war, dass jemand das Versteck leer geräumt hatte, in dem Leopold B. seine Drogen „bunkerte“. Dieser verdächtigte Erich L. Zu Unrecht, wie jener nun dem Schwurgericht (Vorsitz: Albert Erhard) beteuerte: „I hob ihm beim Thujen umsetzen g’holfen! Die Treppen herg’richtet früher! Mir sagt kaner, dass i bei ihm stierl’n geh!“

“I war ja stehend k.o., praktisch“

Deswegen habe er mit dem Leo, den er beim Grillen auf der Donauinsel kennen gelernt hatte, auch nichts mehr geredet. Über Monate hinweg nicht. Als man einander dann wieder traf, habe der Leo gleich feindselig gebrüllt: „Do bin i!“ Der als Dieb Hingestellte kam noch dazu, „Geh mir aus den Augen!“ zu schreien. Dann sprachen schon die Fäuste.

Als Erichs Nasenbein brach, ging dieser kurz auf die Toilette, um sich das Blut abzuwaschen. „Wie er da im Spiegel sein Gesicht sieht, was der andere damit aufgeführt hat, ist es in ihm hochgekommen. ’Ist der wahnsinnig?’, wird er sich gedacht haben“, vermutete der Staatsanwalt.

Er habe eigentlich das Lokal verlassen wollen, versicherte demgegenüber der Angeklagte: „I war ja stehend k.o., praktisch.“ Der Leo habe ihm den Weg verstellt, ihn zu Boden gerissen. Er habe sein Blut gespürt, das Messer aus der Tasche gezogen und zugestochen: „I waß gar net, wie oft.“

Redaktion: Michael Grim

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