Hereafter - Das Leben danach

Übernatürliche Kitsch-Sitzung: Starregisseur Clint Eastwood scheitert bei seinem ersten Fantasy-Streifen an der rührseligen, langweiligen Oberfläche. Ab 28. Jänner in den österreichischen Kinos.
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40 Jahre – und damit die Hälfte seines Lebens – ist der mehrfache Oscarpreisträger Clint Eastwood (“Gran Torino”, “Million Dollar Baby”) bereits als Regisseur tätig. Dass er erst jetzt seinen ersten Ausflug ins Fantasy-Genre macht, verwundert. Mit “Hereafter – Das Leben danach” widmet sich der 80-jährige Kalifornier dem Leben nach dem Tod und inszeniert Matt Damon als Medium mit der Gabe, mit Verstorbenen zu kommunizieren. Die Geschichte verschränkt er mit zwei weiteren Menschen, die ebenso übersinnlich mit dem Tod in Berührung kommen. Anstatt spannende Fragen nach Verlust, Nahtoderlebnissen und dem Jenseits zu stellen, verliert sich Eastwood jedoch in Kitsch, Pathos und einem Tsunami. Am Freitag (28. Jänner) startet der rührselige Streifen mit fadem Nachgeschmack in unseren Kinos.

George Lonegan (Damon) lebt mit einem Segen und Fluch zugleich: Berührt er die Hände eines Menschen, sieht er ein grelles Licht, aus dem ein dem Menschen nahestehender Verstorbener hervortritt. Und als ob das nicht genug wäre, kommuniziert dieser auch sogleich mit ihm. Einst hat George als berühmtes Medium Geld mit Sitzungen, Vorträgen und Büchern verdient, heute lebt er zurückgezogen als Fabriksarbeiter. Denn “ein Leben, das sich nur um den Tod dreht, ist kein Leben”, befindet er. Als er die hübsche Melanie (Bryce Dallas Howard) kennenlernt, erhofft er sich erstmals die Chance auf ein normales Dasein.

Ihr normales Leben sieht indes Marie LeRay (Cecile de France), eine Nachrichtensprecherin in Paris, auf den Kopf gestellt, als sie bei ihrem Urlaub in Thailand 2004 in den Tsunami gerät und ein Nahtoderlebnis erfährt, dem sie auf den Grund gehen will. In London ist der junge Marcus (Frankie und George McLaren) mit dem Tod konfrontiert, als sein Zwillingsbruder Jason bei einem Autounfall ums Leben kommt. Nachdem seine alkoholkranke Mutter in eine Entzugsklinik eingewiesen wird, wendet sich Marcus an zahlreiche parapsychologische Medien, um Kontakt zu seiner einzigen Bezugsperson wiederherzustellen. Sein Bruder macht sich auf ganz andere Weise bemerkbar – und bewahrt ihn vom Jenseits aus davor, in jene U-Bahn zu steigen, die am 7. Juli 2005 von einem Terroranschlag erschüttert wird.

Die realistisch und effektvoll inszenierten Katastrophen der jüngsten Vergangenheit sind das einzig Greifbare in einem Film, der drei Geschichten aus San Francisco, Paris und London langsam und sperrig zusammenführt. Das Drehbuch des in Wien lebenden Briten Peter Morgan, der schon für großartige Skripts von “Die Queen” und “Frost/Nixon” verantwortlich zeichnete, ist plump und vorhersehbar und wird von überzogen kitschiger Filmmusik getoppt. Eastwoods Markenzeichen sind inmitten all der Rührseligkeit trotz allem erkennbar: beeindruckende Weitwinkel-Bilder, die unaufdringliche Kameraführung und eine behutsame Entwicklung der Geschichte unterstreichen seinen einfühlsamen Regiestil. Kritikersegen und kommerzieller Erfolg blieben bei “Hereafter” jedoch aus: Der 50-Mio. Dollar (36,8 Mio. Euro) teure Film spielte in den USA 33 Mio. Dollar ein und wurde zum Flop erklärt.

Mehr als zwei Stunden lang bleibt dem Zuseher die Hoffnung, die langsame, distanzierte Entwicklung in “Hereafter” würde zu etwas Großem führen, einem unvorhersehbaren Ende. Umso enttäuschter ist man, wenn Eastwood es bis zum Schluss verabsäumt, ein derart spannendes, kontroverses Thema über die Oberfläche hinaus zu behandeln und zum Punkt zu bringen. Nahtoderlebnisse, wissenschaftliche Ansichten, Skepsis und geldfixierte, parapsychologische Medien streift Drehbuchautor Morgan mithilfe seiner Protagonisten nur an, wagt sich aber nicht weiter. Am Ende ist der Filmbesuch wie eine Sitzung bei einem Medium: Man lässt dich zappeln, gibt dir Hoffnung – und am Ende kommt nichts dabei raus. Schließlich realisierst du, dass du reingelegt wurdest.

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