Henry rettet Frankreich

Titelverteidiger Frankreich erreichte am Montag in Coimbra zum Abschluss der Vorrunden-Gruppe B gegen die Schweiz einen 3:1-Sieg und steigt damit als Pool-Sieger unter die letzten Acht auf.

Die Eidgenossen ließen sich vom großen Namen des Weltmeisters 1998 aber lange Zeit nicht beeindrucken und spielten frisch und frei darauf los. Fünf Änderungen hatte Teamchef Köbi Kuhn im Vergleich zur 0:3-Niederlage am Donnerstag gegen England vorgenommen. Der während des Tages auf Grund der Spuckaffäre Alexander Frei wurde von Daniel Gygax ersetzt, Stephane Chapuisat musste überraschend dem 18-jährigen Johan Vonlanthen Platz machen. Bei den Franzosen blieb Desailly draußen.

Die erste große Torchance für die Schweiz fand Hakan Yakin in der 15. Minute vor. Sein Freistoß aus rund 20 Metern nach einem Handspiel von Makelele drehte aber Frankreich-Goalie Fabien Barthez aus dem Kreuzeck. Fünf Minuten später nützten die Franzosen eine Abwehrschwäche des Außenseiters zur Führung. Einem Robert-Pires-Eckball ging der Schweizer Schlussmann Jörg Stiel zu unentschlossen entgegen, Zidane war aus vier Metern per Kopf mit seinem dritten EM-Tor in Portugal zur Stelle.

Die Franzosen erhöhten in Folge das Tempo, doch das nächste Tor machten die Schweizer. Der seit 1. Februar 1986 erst 18-jährige Vonlanthen profitierte von einem Abspielfehler von Silvestre, über Gygax und Cabanas nahm der PSV-Eindhoven-Stürmer den Ball an und schob ihn links an Barthez vorbei ins Eck. Vonlanthen erzielte damit nicht nur das erste Schweizer Tor bei dieser Endrunde und den ersten EM-Treffer der Eidgenossen aus dem Spiel überhaupt, sondern löste den Engländer Wayne Rooney als jüngsten EM-Torschützen aller Zeiten ab.

Von diesem Ausgleich beflügelt, witterten die Schweizer ihre Aufstiegschance. Auf Grund der Führung der Engländer im Parallel-Spiel gegen Kroatien wussten sie, dass ein Sieg zum Weiterkommen reichen würde. Doch erstklassige Möglichkeiten fanden vorerst beide Sturmreihen kaum vor, u.a. vergab Thierry Henry wie schon so oft in diesem Turnier kurz vor der Pause eine sehr gute Kopfball-Chance (44.).

Nach dem Wechsel hing die Sensation eines Schweizer Erfolgs in der Luft, doch Henry beendete seine Torsperre der zeitweise enttäuschend behäbigen und in Einzelaktionen verzettelten Franzosen gerade zur rechten Zeit. In der 76. Minute verlängerte der erst Sekunden vorher eingewechselte Saha einen weiten Pass per Kopf, der Arsenal-Stürmer verwertete gegen einen wieder nicht sehr sicheren Stiel. Acht Minuten später schloss Henry einen Sololauf vorbei an vier Schweizer Verteidigern knapp innerhalb der Strafraumgrenze zum 3:1-Endstand ab.

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