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Helmut Qualtinger wäre jetzt 80

1986 starb die "grantige Instanz" der österreichischen Gesellschaft. Wenn die österreichische Seele Zehen hat, dann gibt es wohl niemanden, der heftiger und zugleich zielgenauer auf selbige getreten hat als Qualtinger (1928-1986).

Mit dem Mitläufer “Der Herr Karl” brannte sich Qualtinger in die Gemüter der Nation und sorgte für Empörungswellen. Am 8. Oktober wäre er 80 Jahre alt. Anlässlich des Jubiläums zeigen eine neue Werkschau-DVD-Box bei Hoanzl und ein Schwerpunkt im ORF die zahlreichen Gesichter Qualtingers, der im kollektiven Bewusstsein hinter seiner berühmtesten Rolle zurücktrat.

Nach Qualtingers Tod am 29. September 1986 an den Folgen eines Leberleidens verschmolz die Erinnerung an den Schauspieler mit dem “Herrn Karl”, mit dem Qualtinger auch u. a. am Broadway auftrat. Dabei begegnete dem “Herrn Karl” aufgebrachte Empörung, nachdem dieser 1961 erstmals seine Ansichten aus dem Wiener Wendehals erklingen ließ. Dass die Ablehnung (wohl allzu) schnell in Begeisterung umschlug – fünf Jahre später war die Platte bereits ein Verkaufshit -, veranlasste Peter Turrini zum Hinweis auf eine “österreichische Liebe”, die “Zuwendung vorgibt und Erstickung will”. Die ganze Nation habe Qualtinger “ungefragt die kumpelhafte Bezeichnung ‘Quasi'” verliehen, weil “sie nicht hören wollte, was er sagte, sondern nur, wie er es sagte”.

Und das sagte “die grantige Instanz” Österreichs höchst feinsinnig: Anfang der 50er Jahre schloss sich Qualtinger der kabarettistischen Gruppe Bronner, Merz und Kehlmann (“Reigen 1951”) an und begründete seinen Ruhm. Zusammen mit Carl Merz verfasste er über 100 Kabarettnummern. “Brettl vor dem Kopf” hieß eines der erfolgreichsten Programme der Anfangszeit, “Dachl überm Kopf” spielte man, als die Gruppe ein eigenes Haus in Opernnähe eröffnete. Alle Programme, die u. a. auch österreichische Typen wie den “Travnicek” grauhumorig-satirisch beleuchteten, brachten den Kabarettisten einen überwältigenden Erfolg und sind später teilweise als Bücher, auf Schallplatten oder als Zeitungskolumnen erschienen.

TV-Meilensteine wie die “Geschichten aus dem Wiener Wald” (1961), Kabarett-Hits wie der “g’schupfte Ferdl” oder der “Wilde mit seiner Maschin” oder Rollen in Film-Blockbustern wie “Der Name der Rose” (1986 an der Seite von Sean Connery) zeigten die enorme Wandlungsfähigkeit des Schauspielers Qualtinger. Erfolge feierte er auch in “Die letzten Tage der Menschheit”, als Titus Feuerfuchs in Nestroys “Talisman” am Wiener Volkstheater oder in der Dürrenmatt-Bearbeitung von Shakespeares “König Johann”. Das Schauspielhaus in der Porzellangasse wurde zu Qualtingers künstlerischer Heimat. Hier überzeugte er 1980 bei den Wiener Festwochen mit der Regie der “Unüberwindlichen” von Karl Kraus.

Helmut Qualtinger wurde am 8. Oktober 1928 als Sohn eines Gymnasialprofessors in Wien geboren. Er begann nach der Matura ein Medizinstudium, gab es aber bald wieder auf. Als Journalist und Lektor trampte er durch Europa, arbeitete zeitweise als Lokalreporter und Filmkritiker und begann Kabarett-Texte und Theaterstücke zu schreiben. 1946 gründete er das Studio der Hochschulen in Wien, eine Studentenbühne, die er praktisch im Alleingang betrieb.

Dass Qualtinger im täglichen Umgang auch nicht der Leichteste war, ließ er Medien, Figuren der Öffentlichkeit und Freunde mit seinen “practical jokes” spüren. So schlug er dem Unterrichtsminister Felix Hurdes vor, den Buchstaben “U” aus dem Deutschen zu entfernen, da dieser “unsittlich, unseriös und unschön” sei. Außenminister Leopold Figl lockte er mit russischem Akzent als sowjetischer Besatzungsoffizier in den Stadtpark, einige Kulturjournalisten kamen zum Westbahnhof, um dort den “Eskimodichter und Nobelpreisträger Nobuk” zu interviewen – und fanden dort Qualtinger vor.

An Qualtinger, den Menschen und an den scharfsinnigen Schauspieler, der in jeder seiner Rollen auch zum scharfen Analytiker seiner Gesellschaft wurde, erinnern sich Weggefährten und Freunde an seinem Geburtstag am kommenden Mittwoch im Restaurant Gutruf, wenn die erste DVD-Box (Hoanzl) mit zehn seiner wichtigsten Filme aus der Taufe gehoben wird.

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