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Heimlicher Tod: Ozonbelastung

Auch in den letzten zehn Jahren sind die Ozonwerte in Österreich ständig angewachsen - und damit die Belastung für Mensch und Umwelt. Trotz guten Holzwachstums.

Wie die Wälder Österreichs, insbesondere die Fichte auf die erhöhte Ozonbelastung im Detail reagieren und ob es regionale Unterschiede gibt, untersucht derzeit ein Forscherteam rund um den Pflanzenphysiologen Harald Bolhar-Nordenkampf.

“Schlafender Tiger”

Seit über 20 Jahren beschäftigt er sich nun schon mit der Ozonthematik: „Ozon ist ein schlafender Tiger. Die Belastung steigt kontinuierlich an, aber alle Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Bäume und damit auf den Holzuwachs – die Verdickung des Stammes in Brusthöhe – sind noch immer nicht genau erfassbar; das wird sicher noch eine Wissenschaftergeneration dauern.“

Wichtige Erkenntnisse auf diesem Weg soll das aktuelle, auf zwei Jahre anberaumte Projekt „Wachstumsveränderungen und Ozon“ liefern. Neben der Universität Wien sind noch die Universität für Bodenkultur als Koordinationsstelle und das Bundesforschungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft daran beteiligt: Ein Konnex zwischen Wissenschaft, Politik und Forst.

Versteckte Schäden

Wie steht es nun um die Wälder? Laut einem vorangegangen Projekt des Pflanzenphysiologen nicht so gut, wie es der Zuwachs erwarten lässt: “2002 stellten wir fest, dass auf rund 61 Prozent der von Fichte bestockten österreichischen Waldfläche der derzeit gültige Ozon- Grenzwert seit Jahren stark überschritten wird.

Im jetzigen Forschungsvorhaben sollen die ozonbedingten Veränderungen des Waldwachstums erfasst werden. Dabei sei es eine besondere Herausforderung festzustellen, welche Schäden nun konkret nur von der Ozonbelastung stammen und welche Faktoren diese Schäden maskieren oder selbst schädigend wirken.

Das für Fauna und Flora giftige bodennahe Ozon (O3) steht mit dem Loch in der Ozonschicht nur in indirektem Zusammenhang. Während die Ozonschicht schon seit tausenden Jahren in 15 bis 50 Kilometer Höhe die Erdoberfläche vor UV-Strahlung schützt, bildet sich die bodennahe Variante erst seit einigen Jahrzehnten aufgrund von Luftverschmutzung, aber auch durch erhöhte Belastung mit kurzwelliger Strahlung aufgrund des Ozonlochs: Stickstoffoxide – unter anderem ein Produkt von Autoabgasen und jeder Hochtemperaturverbrennung – reagieren unter dem Einfluss von violetter Strahlung mit Sauerstoff, und bodennahes Ozon entsteht.

Gesunde Alpenluft

Generell ist die Ozonbelastung in den Alpen höher als in Tieflagen, da kurzwellige Strahlung mit der Höhe zunimmt. Die erhöhte UV- Strahlung hat aber auch die Bäume konditioniert, also anpassungsfähiger gemacht, eine höhere Ozonbelastung zu ertragen, sodass die Fichtenwälder in Hochlagen generell ozontoleranter sind. „Das heißt aber nicht, dass die Belastung in der Höhe geringer wird. Nein, je nach Lage und lokalen Bedingungen sind auch die Bäume in den Alpen stark betroffen, aber sie halten eben mehr aus“, so der Forscher.

Wiener Stadtbäume haben Glück

Vor dem Rückschluss, dass in Städten die Ozonbelastung höher sei, warnt der Experte: „Die Werte in Wiens Straßen sind immer geringer als jene im Umland. Die Luftverschmutzung in den Straßen und auch über der Stadt wirkt als Filter für kurzwellige Strahlung. So gelangt weniger energiereiche Strahlung bis in Bodennähe.“ Wie hoch die Schwankungen in geringen Entfernungen und Höhen sein können, zeigt ein Vergleich zwischen Graben und Stephansdom im ersten Bezirk: Oft sind in der Fußgängerzone nur geringe Ozonmengen vorhanden, während die Messstelle in der Turmstube des Domes hohe Werte anzeigt. So sind gerade in Wien Alleebäume von der Ozonbelastung praktisch nicht betroffen. Ihnen setzt das vom Schneedienst eingesetzte Salz zur Enteisung mehr zu.

„Wir sind bezüglich Ozon bereits am Grenzwert. Auch für Menschen. Einerseits sollten schnell Lösungen her und andererseits bräuchten wir Wissenschafter noch Jahre, um die genauen Auswirkungen dieses ’jungen’ Gasmoleküls wirklich zu erfassen“.

„Was wir heute wissen, ist, dass dieser Schadstoff in Pflanzen Abwehrmechanismen auslöst, die bei Überschreiten ihrer Kapazität zum Zelltod führen. Und das in einer Zeit, in der die Wälder besser wachsen als je zuvor.“

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