Heftiger Wortwechsel vor israelischer Botschaft

Vor der israelischen Botschaft in Wien ist es am Dienstagvormittag zu einem heftigen Wortwechsel zwischen dem israelischen Botschafter Dan Ashbel und rund 30 Demonstrationsteilnehmern gekommen. Bilder:

Die Kundgebung richtete sich gegen die israelischen Angriffe im Gaza-Streifen. Zu einem weiteren verbalen Schlagabtausch kam es zwischen den Demonstranten und einem jungen Sympathisanten Israels mit der Landes-Flagge.

Als sich der israelische Missionschef vor dem Botschaftsgebäude im 18. Wiener Gemeindebezirk an die Demonstranten wandte, wurde er mit einem Sprechchor “Terrorist Israel” begrüßt. Augenzeugen wollen daraufhin vom Botschafter “Wer schießt auf Israel, Sie!”, sowie “Alles, was Sie wollen, ist ein Verschwinden des Staates Israel” gehört haben. Der Diplomat dementierte diese Aussagen gegenüber der APA. Er habe die Demonstranten darauf aufmerksam gemacht, dass in der Charta der Hamas die Zerstörung des Staates Israel stehe, sagte Ashbel später telefonisch zur APA.

“Es war eine Diskussion, wobei ich leider glaube, dass die Leute nicht da waren, um zuzuhören, sondern nur, um ihre Worte zu sagen”, so Ashbel, der darauf hinwies, dass er den Dialog mit den Demonstranten gesucht habe. “Ich glaube, dass die Leute, die da standen, mit einer fixen Idee kamen und sich von Tatsachen nicht verwirren lassen wollten”, so der Botschafter. In Israel würden seit Jahren Ortschaften beschossen. “Ich verstehe, dass die Leute besorgt sind, wenn Kampfhandlungen stattfinden, aber es sollte nicht nur ein Punkt ausgewählt und dann gesagt werden, das ist schrecklich”, so Ashbel.

Der Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB), Fritz Edlinger, sprach nach dem Wortwechsel mit dem Botschafter gegenüber der APA von einer “üblichen Propaganda und Sichtweise der Israelis”. Israel betreibe seit Jahren eine “Politik des Landraubs und der Besatzung”. Seit 1967 seien “tausende Palästinenser ermordet” worden, unter anderem politische Führer wie der Hamas-Gründer Scheich Yassin und dessen Nachfolger Abdelaziz Rantisi. Der GÖAB-Generalsekretär distanzierte sich gleichzeitig von der radikal-islamischen Hamas. “Ich stehe hier nicht für die Hamas. Gewalt gegen Zivilisten ist ein Fehler”, so Edlinger. Aber er sei gegen “Doppelstandards”, die gegenüber Israel und Palästinensern von der internationalen Gemeinschaft angewendet würden.

“Wir sind empört über dieses Massaker auf ein schutzloses Volk, eingeschlossen in Gaza”, meinte die Initiatorin von “Frauen in Schwarz”, Paula Abrams-Hourani. Andere Länder und auch die EU würden bei der “Blockade Israels mitmachen”, weil sie diese zuließen. Es sei “ungeheuer”, unter welchen Bedingungen die Menschen in Gaza leben müssten. “Wir stehen hier für die Menschen, die keine oder fast keine Stimme in den Medien haben”, so Abrams-Hourani im Gespräch mit der APA.

In ihrer Rede vor den Demonstrationsteilnehmern sprach die Aktivistin von “Solidarität mit dem palästinensischen Volk”, das unter dem “Staatsterror” Israels leide. Israel erfahre die “uneingeschränkte Unterstützung” der USA. Die Weltgemeinschaft sollte “das Problem sehr ernst nehmen”. Es sollte Verhandlungen geben, bei denen Israelis und Palästinenser “völlig gleichberechtigt” sind. “Es muss ein Umfeld für einen gerechten Frieden geschaffen werden”. “Boykott und Sanktionen gegen Israel”, stand dabei auf einem der Schilder, die Abrams-Hourani hochhielt.

Die polizeilich angemeldete Demonstration, die friedlich verlief, war von der Organisation “Frauen in Schwarz” und “Europäische Juden für einen gerechten Frieden” (EJJP) organisiert worden. Zahlreiche palästinensische Fahnen wurden geschwenkt und Plakate hochgehalten – unter anderem von einer Gruppe namens “Volksfront” mit der Aufschrift “Mörder Israel. Hände weg von Palästina”. Am Nachmittag hat 15.00 Uhr auf dem Stephansplatz ebenfalls eine Kundgebung gegen die israelischen Militäroperationen in Gaza stattgefunden, die in Folge stadtauswärts Richtung Alsergrund zog.

 

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