Haywire

Steven Soderbergh hat einen Actionfilm gedreht, zurückgenommen und dennoch dynamisch, simpel gebaut und dennoch souverän clever, oberflächlich und dennoch direkt unter die Haut gehend: "Haywire" (ab Freitag im Kino) braucht keine nervösen Schnittorgien oder ausufernde Special Effects, vielmehr setzt der US-Regisseur in seinem jüngst bei der Berlinale vorgestellten Werk auf ruhige Kamerafahrten und -schwenks sowie eine stoische und dabei physisch höchst präsente Hauptdarstellerin. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Gina Carano ist eine wuchtige Kampfmaschine – und es ist eine Freude, ihr als Agentin Mallory Kane beim Agieren und Reagieren zuzusehen. Ab Freitag 9.3. ist der Film in Österreich zu sehen.

Kane arbeitet für eine private Sicherheitsfirma im Auftrag der US-Regierung, ihre Einsätze sind derart geheim, dass im Fall einer Panne sämtliche Regierungsmitarbeiter eine Verbindung zu ihr leugnen würden. Warum sie schließlich selbst auf der Abschussliste landet und sich mit Bravour zuerst flüchtend, dann rächend durch den männlichen All-Star-Cast – von Michael Fassbender und Ewan McGregor über Channing Tatum und Bill Paxton bis hin zu Antonio Banderas und Michael Douglas – bewegt, bleibt in dem verschlungenen Drehbuch von Lem Dobbs zwar recht krude, aber eigentlich auch nicht wichtig. Was zählt, ist die Action.

Und diese inszeniert Soderbergh mit Sinn für Ästhetik und Handwerk, mit Blick für Bewegungen und präzise Choreographien. Sei es im Hotelzimmer mit Fassbender oder am Strand mit McGregor, stets spürt man auch im Publikum die Körperlichkeit, die Anstrengung und kräftezehrende Gewalt des Kampfes. Die Kamera bleibt oft in der Totalen, das Atmen wird zu einem Keuchen, die Gesichter färben sich rot, die kurzen Ruhephasen wirken im Kino selten so notwendig. Alles wirkt handgemacht, effizient und intensiv – und dass es dafür eine glaubwürdige Hauptdarstellerin braucht, versteht sich von selbst.

Carano war Mixed Martial Arts Champion und spielte auch schon kleinere Filmrollen, ihrem trainierten Körper nimmt man jede Bewegung im Film ab. Als Mallory Kane strahlt sie eine unheimliche Präsenz und Selbstsicherheit aus und degradiert die Stars um sie herum zu Boxsäcken, wenn sie scheinbar spielerisch zwischen den Kampfsportdisziplinen Muay Thai, Jiu-Jitsu oder Judo wechselt. Dass ihr manche Kritiker fehlendes schauspielerisches Können attestierten, wirkt angesichts des annähernd durchgehenden Auftritts vor der Kamera wie die Suche nach dem Haar in der Suppe. An Carano liegt es sicher nicht, dass sich der Zuschauerzuspruch in Grenzen hält.

Während angesichts der stilisierten Action in manchen Kritiken Vergleiche mit Nicolas Winding Refns “Drive” zu lesen waren, offenbart nicht zuletzt der Blick auf die Inszenierung eine der Schwächen Soderberghs. Der Oscar-Preisträger (“Erin Brockovich”) scheint sich und seine Filme nicht mehr ernst zu nehmen und stattet seinen Erzählton lieber mit einer altväterlichen Ironie aus. “Es braucht doch niemand mehr einen ernsthaften Film von mir”, sagte er noch auf der Berlinale. Während in “Drive” jedoch sehr gezielt mit Ironie gearbeitet und die Geschichte dennoch ernst genommen wird, wirkt Soderberghs durchgängiges Augenzwinkern auf die Dauer recht inhaltsleer.

(APA)

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