Haydn's heitere Geburtstagsfeier

Haydn's heitere Geburtstagsfeier im Theater an der Wien
Haydn's heitere Geburtstagsfeier im Theater an der Wien ©www.theater-wien.at
Zu seinem 277. Geburtstag gestern, Dienstag, hat das junge französische Ensemble Matheus unter Jean-Christophe Spinosi ein Festkonzert im Theater an der Wien mit so spitzbübischem Charme abgeliefert, wie es Haydn wohl gut gefallen hätte.

Die Symphonien Nr. 82 und 83 waren Auftragskompositionen für Paris – dass sie auch die Titel “Der Bär” und “Die Henne” tragen, verweist bereits auf Haydns Taktik, um sich in Frankreich beliebt zu machen: Er brachte die Zuhörer zum Lachen, foppte mit scheinbaren Schlussakkorden, nur um immer wieder von neuem anzufangen. In Jean-Christophe Spinosi hat diese Musik einen Interpreten gefunden, der sich nicht zu ernst nimmt, um auf Haydns Spielchen voll einzusteigen – und das auch lauthals verkündet. “Ich weiß, das ist ein bisschen unprofessionell”, wandte er sich im lauten Schlussapplaus lachend ans Publikum, “aber ich schlage vor, dass wir das Ende noch einmal spielen und ich kontrolliere ob Sie diesmal schneller erraten, wann es wirklich aus ist.” Und amüsierte sich königlich, als ihm dann gar in die letzte Pause geklatscht wurde.

1991 gründete der gebürtige Korse als Primgeiger das Matheus Quartett, aus dem über die Jahre das vor allem für seine Vivaldi-Interpretationen gefeierte Ensemble Matheus hervorging. Die enge, fröhliche Kommunikation hat sich die Gruppe erhalten – und kann sich damit manches Wagnis erlauben. Da wird lustvoll und geradlinig in die Kontraste gerudert, werden abrupte Pausen und extreme Tempowechsel als kleine musikalische Streiche am Fließband produziert. Spinosi, stets mit breitem Lausbuben-Lächeln, vollführt kleine Tänzchen, dirigiert schon mal ausschließlich mit Kopfbewegungen oder treibt mit einem kleinen Jauchzen die Henne zum gackern, und den Bären zum brummen an. Zum Zwischenstreuen gab es dann auch noch beliebte Arien von Gluck und Mozart, für die Mezzosopranistin Susan Graham sich wohlverdienten Jubel abholte.

Mit diesem Geburtstagsfest für den Jahres-Jubilar hat auch das Theater an der Wien den Auftakt zu seinem heurigen Haydn-Schwerpunkt gemacht. Nach dem OsterKlang Festival von 4. bis 13. April – in dessen Rahmen etwa noch “Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” im Musikverein unter der Leitung von Riccardo Muti am Pult der Wiener Philharmoniker am Programm steht (4.4.) – kommt am 12. Juli die Haydn-Oper “L’isola disabitata” mit dem L’Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg zur Aufführung, zu Beginn der neuen Saison steht am 25. September die konzertante Aufführung der Oper “L’anima del filosofo” an und am 5. Dezember erreicht das Haydn-Jahr mit Tobias Morettis Inszenierung der Oper “Il mondo della luna” unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt noch einen abschließenden Höhepunkt.

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