Hartinger-Klein versichert Papamonat und mehr Pflegegeld

Väter sollen einen Anspruch auf einen Papamonat haben dürfen.
Väter sollen einen Anspruch auf einen Papamonat haben dürfen. ©pixabay.com
Ministerin Hartinger-Klein verteilte gestern im ORF zwei Zuckerl beim Papamonat und beim Pflegegeld. In anderen Bereichen habe sie noch keine Lösungen parat, aber Studien in Auftrag gegeben.

Zwei Zuckerl kündigte Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) Sonntag in der ORF-“Pressestunde” an: Einen Rechtsanspruch auf den Papamonat und die Erhöhung des Pflegegeldes “sicher” schon ab Stufe 3. Die Mindestsicherungsreform bekommt noch einen “Feinschliff”, zu den Problembereichen Ärztemangel, Pflegefinanzierung und zum Arbeitslosengeld hat sie noch keine Lösungsvorschläge, aber Studien beauftragt.

Der “Feinschliff” bei der – in der Begutachtung breit kritisierten – Mindestsicherungsreform betrifft, so Hartinger am Sonntag, vor allem die Erläuterungen und Erklärungen, und einige “Kleinigkeiten” werde sie noch adaptieren. So werde man “sicher” bei Häftlingen und Behinderten-Wohngemeinschaften “etwas machen”. Bei bedingten Haftstrafen will die Ministerin auf die im Entwurf vorgesehene Streichung für die Dauer der Freiheitsstrafe verzichten; darüber verhandelt sie gerade mit der ÖVP.

Keine Änderung bei Familie oder Lehre

Keine Bereitschaft zur Änderung zeigte sie hinsichtlich der Familien. Denn aus der Sicht Hartingers bringt die Neuregelung “keine Härte bei Kindern”. Ebenso kein Verständnis zeigte sich für Kritik daran, dass Asylwerber mit negativem Bescheid ihre Lehre nicht fertigmachen dürfen. Den Klagen der Unternehmen darüber hielt sie entgegen: “Man hätte sich vorher überlegen müssen ob ich Asylwerber nehme oder Asylberechtigten” – schließlich gebe es 30.000 Asylberechtigte, die “eine Lehre machen können”.

Einen Rechtsanspruch auf den Papamonat auch in der Privatwirtschaft werde es “so rasch als möglich” geben. Das habe schon mit dem Koalitionspartner ÖVP besprochen, sagte Hartinger-Klein. Sie ist überzeugt, dass man die Wirtschaft dafür gewinnen kann, schließlich sei der Papamonat ja unbezahlt (es gibt 700 Euro Kindergeld vom Staat, Anm.)

Ebenfalls schon mit der ÖVP vereinbart hat die Sozialministerin nach eigenen Angaben, dass das Pflegegeld nicht erst – wie im Regierungsprogramm vorgesehen – ab Stufe 4, sondern schon ab Stufe 3 erhöht wird. Auch eine Anpassung für die Stufen 1 und 2 “können wir uns ansehen”, das hänge jedoch vom Finanzminister ab. “Erst den Finanzminister dafür gewinnen” müsste sie auch für eine – für sie durchaus vorstellbare – Pflegekarenz.

Finanzierung der Pflege noch unklar

Wie die Pflege künftig finanziert wird – Versicherung oder Steuern -, könne sie noch nicht sagen. Dazu hat Hartinger-Klein eine Studie beauftragt, ebenso zum Arbeitslosengeld/Notstandshilfe neu. Studien und Gespräche gibt es auch zum Thema Ärztemangel. Hartinger will mehr Kassenarztplanstellen schaffen – und, auf den Hinweis, dass viele derzeit nicht besetzt werden können, betonte sie die Notwendigkeit für Anreize vor allem im ländlichen Bereich. Sie werde sich “jede Region genau ansehen, warum dort keiner hingehen will”. Wichtig sei jedenfalls, dass mit der Krankenkassenreform die Leistungen österreichweit gleich ausfallen werden,

Im – mit dem EuGH-Urteil aufgeworfenen – Karfreitags-Feiertag sieht Hartinger ein “herausforderndes Thema” für die Regierung, sei es hier doch “ganz schwierig”, ein “Win-Win” zu schaffen. Sieben Varianten gibt es für die Lösung, welche es wird könne sie noch nicht sagen, aber “es kann gut sein”, dass alle einen freien Tag mehr bekommen.

Der Zusammenarbeit mit der ÖVP gibt Hartinger-Klein die Note “fast eins”. Sie erzählte aber, dass es bei aller öffentlich demonstrierten Harmonie “schon oft Diskussionen hinter verschlossenen Türen” gebe, wo man sich zu “Einigungen durchringen” müsse. Zum Vorwurf der Türkis-Blau von den Kritikern vorgehaltenen “sozialen Kälte” merkte die FPÖ-Ministerin an: “Ich muss nicht Wärme ausstrahlen. Ich bin die Wärme, weil mir die Menschen wichtig sind.”

WKÖ skeptisch zu Papamonat und gegen neuen Feiertag

Nicht wirklich berechtigt sein dürfte der Optimismus von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), man werde die Wirtschaft wohl für das Recht auf den Papamonat gewinnen können. Die Wirtschaftskammer zeigte sich in einer Aussendung am Sonntag sehr skeptisch – während die Arbeiterkammer die Ankündigung der Ministerin begrüßte. Auch in Sachen Karfreitag fielen die Reaktionen gegenteilig aus.”Ein möglicher Papamonat wäre für kleinere und mittlere Betrieben kaum durchführbar, weil fehlende Fachkräfte über vier Wochen nicht einfach ersetzt werden können”, merkte der stv. Leiter der Sozialpolitischen Abteilung der WKÖ, Rolf Gleißner, an. Er verwies auf “bereits jetzt bestehende Rechtsansprüche von Vätern rund um die Geburt, die eine Beteiligung an der Betreuung ermöglichen”. Bis dato liege auch keine Meldung aus einem Betrieb vor, in dem einem Vater eine Freistellung verweigert worden wäre.

Viele Fragen offen

“Nur wundern” über den “Pressestunden”-Auftritt Hartingers konnte sich SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch. Die Ministerin habe zu den vielen Fragen “entweder gar keine Antwort wie beim Ärztemangel und bei der Pflege, oder falsche Antworten wie durch ihre Zerschlagung der Sozialversicherung und die Abschaffung der Notstandshilfe”. In Sachen Papamonat verlangte er die Fortzahlung des Entgelts.

Bemerkenswert für Muchitsch war, dass “Österreich jetzt zum ersten Mal eine Sozialministerin hat, die gegen höhere Löhne ist”. Denn auf die Frage, ob man bei der Finanzierung des Sozialstaates nicht auch bei höheren Löhnen ansetzen könnte, hatte die Hartinger-Klein munter Hinweis auf die Wettbewerbsfähigkeit gesagt: “Wenn Österreich die Löhne noch hinaufsetzt, wo sind wir dann?

(APA/red)

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