Halbleere Halle, gute Songs, zu viele Tanzeinlagen: Gwen Stefani in Wien

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Die Halle war bei weitem nicht voll, die Tanzeinlagen teilweise unnötig und trotzdem überzeugte Gwen Stefani mit ihrem Auftritt in der Wiener Stadthalle.

Gwen Stefani wirkt im Gegensatz zu vielen ihrer US-Popsuperstar-Kolleginnen glaubwürdig, zumal sie ihr Hochglanz-Trash-Image mit einem Augenzwinkern pflegt. Und die Hits der 37-jährigen Kalifornierin können durchwegs an der Qualität und nicht nur an Chart-Platzierungen gemessen werden. Die Stimme von No Doubt hätte bei ihrem Solo-Wien-Besuch am Mittwochabend gar keine Bocksprünge vollführenden Tänzer auf der Bühne gebraucht, um zu unterhalten. Dass sie darauf dennoch nicht verzichtete, werden ihr viele Fans gar nicht übel nehmen. Denn Musik definiert sich leider zunehmend über die Show.

Nach den aufgeblasenen und dennoch luftleeren Darbietungen von Acts wie Shakira, Beyonce oder gar Britney Spears ist das Publikum vorsichtig geworden. Nicht alles, was auf MTV glänzt, ist Gold. So war die Stadthalle beim Stefani-Besuch nur halb gefüllt, der Sitzplatzbereich auf den Rängen verhüllt und der Weg in die vorderen Reihen ein Spaziergang. Wie viele Gwen-Stefani-Puppen, am Verkaufsstand für 20 Euro angeboten, Abnehmer fanden, konnte nicht eruiert werden. Vielleicht spielte das Management backstage mit solchen. Schließlich benahm sich dieses zickig wie ein Vorschulmädchen und ließ keine Agenturfotografen zu.

Zum Opener „The Sweet Escape“ vom gleichnamigen aktuellen Album erschien Stefani im goldenen Käfig vor dem Publikum – Symbolik mit Holzhammer. Da die Sängerin auch als Modeschöpferin punktet, steckte nicht nur sie in schrillen Outfits, sondern gleich die gesamte Tanztruppe, die hüpfte, Räder schlug, schlechte Pantomime vollführte und eigentlich im Vordergrund nichts verloren gehabt hatte. Der sollte den Musiker vorbehalten sein, die sich bei Stefani jedoch mit einem Platz auf einem Podest hinter den Zappelphillippen begnügen mussten.

Die Songs verloren auch live nicht an Stärke: Souverän sang sich die Blondine durch sämtliche Erfolge von ihren beiden Solo-Alben – von „What You Waiting For?“ (als letzte Zugabe) über „Hollaback Girl“ bis „Wind It Up“, bei dem endlich sogar die Popart-Inszenierung klappte. Die Gruppe im Hintergrund spielte sich zumindest soundmäßig nach vorne und brachte sämtliche Töne punktgenau. Irgendwie kein Wunder, zumal Raum für Freiheiten und Spontanitäten lediglich bei den Ansagen der Hauptakteurin vorhanden waren.

Schon merkwürdig, wenn dem neutralen Beobachter als Höhepunkt der Versuch Stefanis in Erinnerung blieb, ein „böses Wort“ auf wienerisch zu bringen. „Snag sell?“, fragte Gwen Stefani bei der Ankündigigung eines Liedes über Sex unsicher in die Runde, um dann nach lautstarkem Einflüstern fast perfekt „schnackseln“ über die Lippen zu bringen.

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