Haitis Rebellen legen Waffen nieder

Die haitianischen Rebellen wollen nach den Worten ihres Anführers Guy Philippe ihre Waffen abgeben. "Wir lösen unsere Front auf und legen unsere Waffen nieder“.

Der Rebellenchef, dessen Front im Februar den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatte, regierte damit auf den Druck von US-Diplomaten und -Militärs. Haitis Primierminister, Yvon Neptune, dessen Tage im Amt gezählt sind, verkündete am Mittwoch für das ganze Land den Ausnahmezustand.

Philippe war mit seiner Rebellentruppe nach dem Sturz von Präsident Jean-Bertrand Aristide Anfang der Woche im Triumph in Port-au-Prince eingezogen. Am Dienstag hatte er für Irritation gesorgt, als er sich selbst als „Militärchef“ Haitis bezeichnete. Am Mittwoch sagte er, es sei Sache von Haitis Übergangspräsident Boniface Alexandre, über seine zukünftige Rolle zu entscheiden. Am Morgen hatten die internationalen Friedenstruppen Philippe bereits in die Schranken gewiesen, als US-Marines seinen Leuten den Zugang zum Flughafen verwehrten.

Präsident Alexandre ernannte am Mittwoch den Kommissar Léonce Charles zum neuen Polizeichef Haitis. Die bisherige Polizeichefin Jocelyne Pierre war eine enge Vertraute Arsitides. Wie die Nachrichtenagentur Haiti Press Network weiter meldete, wurde nach den Beratungen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen am Mittwoch außerdem eine Dreier-Kommission gebildet, die weitere Schritte zur Bildung einer neuen Regierung einleiten soll. Ihr gehören der Oppositionspolitiker Paul Denis von der Demokratischen Plattform, der bisherige Minister Leslie Voltaire als Repräsentant von Aristides Lavalas-Partei und der UNO-Gesandte Adama Guindo als Vertreter der internationalen Gemeinschaft an.

In einigen Teilen der Hauptstadt kam es am Mittwoch wieder zu Plünderungen. Die „Chimeres“, Aristides Schlägertrupps, beherrschen noch immer die Elendsviertel von Port-au-Prince. Bei Schießereien zwischen Polizei und „Chimeres“ kamen laut Haiti Press Network am Mittwoch drei Menschen ums Leben. Einige Anhänger Aristides demonstrierten friedlich in den Straßen der Stadt.

Bis Mittwoch waren etwa 700 US-Marineinfanteristen in Haiti eingetroffen. Hinzu kamen Soldaten und Polizisten aus Kanada, Frankreich und Chile. Die Friedenstruppe, die vom UNO-Sicherheitsrat ein Mandat für drei Monate erhielt, soll in den kommenden Tagen und Wochen auf bis zu 5000 Mann anwachsen. Die Karibische Gemeinschaft (CARICOM) verkündete am Mittwoch, dass sie sich an dieser Truppe nicht beteiligen werde. Sie protestierte dagegen, dass Aristide am Sonntag zum Amtsverzicht gezwungen worden sei.

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