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Hahn kritisiert Wiener Kindergärten

Johannes Hahn, APA
Johannes Hahn, APA
Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat zuletzt ja schon intensiv die Mängel im Schulbereich kommentiert - nun weitet er seinen Kompetenzbereich noch auf Wiener Kindergärten aus.

Hahn hat am Montag Wien als „Schlusslicht“ in Sachen Kindergarten kritisiert. Laut Hahn – er ist auch Wiener ÖVP-Chef – besuchen in der Bundeshauptstadt nur 83,5 Prozent der Fünfjährigen den Kindergarten. Der Bundesschnitt liege bei 92,4 Prozent. Vor allem zahlreiche Migrantenkinder blieben demnach oft zu Hause, glaubt Hahn – was in der ersten Klasse Volksschule zu Problemen führe.

Während im Kindergarten der Anteil der Kinder mit nicht deutscher Muttersprache rund 20 Prozent betrage, liege der Anteil in der Volksschule bei 45 Prozent. An einigen Schulstandorten gebe es sogar Klassen mit 80-prozentigem Anteil von Migrantenkindern. „Diese Zahlen sprechen Bände“, meinte Hahn.

Der Minister verwies auf das verpflichtende Vorschuljahr für Kinder mit Sprachproblemen. Und er betonte, dass man nach dem Probebetrieb sehr wohl über Sanktionen nachdenken müsse, wenn die Verpflichtung nicht erfüllt werde. Ein möglicher und laut Hahn sinnvoller Weg sei hier das Einbehalten der Familienbeihilfe.

An finanziellen Gründen könne es nicht liegen, so Hahn, da 70 Prozent der Kinder in den gemeindeeigenen Kindergärten nicht den vollen Kindergartenbeitrag zahlen. Die frühere Wiener ÖVP-Forderung nach einem Gratis-Kindergartenjahr für alle erhob Hahn heute nicht mehr. Er habe erkannt, dass dies nicht umzusetzen sei, so der Wissenschaftsminister.

Hahn forderte unter anderem die Vorverlegung der Schuleinschreibung auf 15 Monate vor Schuleintritt. In Wien werde als einziges Bundesland die Einschreibung erst im Dezember vorgenommen. Außerdem forderte er einen Ausbau der Betreuungsplätze. Wien müssen die Hebung des Anteils bei den Fünfjährigen vollbringen – und die Anzahl der Betreuungsplätze ausbauen.

Die Wiener SPÖ wies die Kritik zurück. Eltern, die in Wien einen Betreuungsplatz für ihre Kinder benötigen, würden diesen auch bekommen. „Wien hat von allen Bundesländern das dichteste Angebot an Kindergärtenplätzen“, versicherte SPÖ-Gemeinderat Jürgen Wutzlhofer in einer Aussendung. 93 Prozent aller Kinder von drei bis sechs Jahren besuchen demnach in Wien einen Kindergarten, zudem gebe es hier die meisten Ganztageskindergärten.

Wien brauche angesichts der Fakten keine wie auch immer gearteten Nachhilfestunden-Versuche seitens des ÖVP-Ministers, betonte der SP-Mandatar. Hahn operiere außerdem bewusst mit selektiv wahrgenommenen Zahlen. Nur die Zahl der Altersgruppe der fünfjährigen Kinder herauszunehmen, sei wenig aussagekräftig. Wutzlhofer wies zudem darauf hin, dass die Stadt gerade ein Ausbauprogramm für Betreuungsplätze realisiere.

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