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"Habsburgs schräge Vögel": So tickten die Sonderlinge der Herrscherdynastie

Die Habsburger haben zahlreiche skurrile Persönlichkeiten hervorgebracht.
Die Habsburger haben zahlreiche skurrile Persönlichkeiten hervorgebracht. ©pixabay.com/Ueberreuter Verlag/APA/AFP
Was wäre die Welt ohne Spinner und Sonderlinge? Wahrscheinlich um einiges weniger bunt und interessant. Kaum eine andere Dynastie hat so viele skurrile Persönlichkeiten hervorgebracht wie die Habsburger - kuriose Vorlieben und Star-Allüren inklusive. Was James Bond damit zu tun hat und welche Marotten der Habsburger-Clan zu bieten hatte - Gabriele Hasmann hat sich auf Zeitreise begeben.

Vorweg kann festgehalten werden: In jeder Familie bzw. Verwandtschaft findet sich der eine oder andere schräge Vogel. “Doch kaum eine andere Dynastie hat so viele skurrile Persönlichkeiten hervorgebracht wie die Habsburger”, so Autorin Gabriele Hasmann im Vorwort. Bei einem Geschlecht, das immerhin 24 Generationen, 18 Kaiser, vier Könige, eine Königin und fünf Herzöge vorweisen kann, scheint diese “Leistung” auch plausibel.

Doch warum gibt es in der 640 Jahre langen Herrschergeschichte zahlreiche exzentrische Familienmitglieder? Eine Ursache dafür ist die Tatsache, dass die Habsburger sehr viele Ehen mit (nahen) Verwandten eingingen, denn das “normale Volk” kam zur Fortpflanzung nicht infrage. Somit wurden diverse Gendefekte durch Inzucht munter weitervererbt, wie beispielsweise die berühmte “Habsburger-Lippe” (hervorstehendes Unterkiefer), ein Höcker auf der Nase oder der “Turmschädel” mit hoher Stirn, und auch die geistige Gesundheit blieb de facto oftmals nicht verschont.

Skurrilitäten des Habsburger-Clans auf der Spur

Im Buch “Habsburgs schräge Vögel” hat sich Hasmann genauer mit den merkwürdigen Hobbies, sexuellen Vorlieben und Extravaganzen des Adelshauses beschäftigt. Auf über 150 Seiten taucht der Leser in eine längst vergangene Welt der Verschwendung und Abnormitäten ein, die zeigt, dass “Sensation Seeking” keinesfalls ein Phänomen der Neuzeit ist.

Von großem Interesse der Habsburger waren diverse eigenartige Naturalien aus aller Welt. So kam es schon einmal vor, dass in Spiritus eingelegte Hautlappen andersfarbiger Menschen, Finger oder Zehen von Massenmördern oder auch krankhaft veränderte Körperteile, die speziell präpariert wurden, stundenlang betrachtet und studiert wurden. Auch der Besitz von “ungewöhnlichen Kreaturen” faszinierte die Monarchen und so wurden oftmals “Winzlinge”, “Riesen”, “Missgestaltete” oder “Mohren” als Beweis für die Launen der Natur am Hof beschäftigt.

Kaiserin Sisi und ihre Hassliebe zu Geistern

Auch der Glaube an paranormale Phänomene prägte den Alltag im Haus Habsburg und so hatten sich einige Mitglieder der Familie der Magie oder Zauberei verschrieben. Wenn man nicht gerade versuchte, Metalle in Gold zu verwandeln, pflegte man den Kontakt mit Geistern. Auch die beliebteste Habsburgerin Österreichs, Kaiserin Elisabeth, war an okkulten Phänomenen interessiert, trug zur “Abwehr des Bösen” zahlreiche Glücksbringer und Amulette und nahm an Séancen teil – fürchtete sich aber im Dunkeln vor Geistern. Zudem waren etliche ihrer Macken schon suchtähnlich, vor allem was die Pflege ihres Äußeren betraf: Bei einer Körpergröße von 1,72 Meter hatte sie nie mehr als 50 Kilogramm und ihre Haare mussten täglich drei Stunden lang gebürstet werden.

Nicht so genau nahm es Kaiserin Maria Theresia beim Gewicht, denn sie hatte neben dem Kartenspielen noch ein anderes großes Laster: deftige Kost. Zu den Lieblingsspeisen zählten gewickelte Krebsgermnudeln (das Rezept findet sich im Buch), Karpfen in Schmalz gebacken, schwimmend im Sud aus Karpfenblut, Schwarzbier und Powidl, mit Knödeln als Beilage. Im Alter konnte sie kaum mehr gehen, ließ sich im Schloss Schönbrunn senkrecht von einem Stockwerk ins andere ziehen und hatte ein umschnallbares Schreibpult.

James Bond und mottenzerfressene Hosen

Apropos Schreiben: Kaiser Rudolf II. beschäftigte einen Magier, der auch ein englischer Agent war. Berichte, die nur für die Augen der englischen Königin bestimmt waren, signierte er mit zwei Kreisen und der Zahl Sieben. Diese Unterschrift kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder nicht? Richtig, Ian Fleming, Autor der James Bond-Romane, kannte diese Signatur und übernahm sie kurzerhand für seinen Helden, “wodurch 007 unsterblich wurde”.

Ebenfalls unvergessen bleibt der sparsame Lebensstil von Kaiser Franz Joseph I., denn Dekadenz und Prunk und Pomp waren dem Monarchen – im Gegensatz zu vielen anderen Habsburgern – verhasst. Er schlief nicht nur in einem Militärbett und wusch sich in einer faltbaren Gummiwanne, sondern riss sich auch Zähne selbst aus, um Arztkosten zu sparen. Auch Kleidungsstücke wurden getragen, bis sie Löcher hatten und so musste sein Kammerdiener hin und wieder ein paar schäbige Teile verschwinden lassen. Einmal fragte der Kaiser nach seiner Lieblingshose, woraufhin der Angestellte flunkerte: “Majestät, die haben die Motten zerfressen.” Franz Joseph erwiderte: “Schrecklich, und nicht einmal die Knöpf ham’s zruckg’lassen?”

Fazit: Spannende Zeitreise mit wissenwerten Anekdoten

Das Interesse am Hochadel ist auch hundert Jahre nach dem Ende der Monarchie ungebrochen und privater Klatsch aus hohen Kreisen hat Tradition. Auch bei Hof wurde gemunkelt und getuschelt und oft versuchten Angehörige oder Nachfahren die Allüren des betreffenden Verwandten vor dem Volk zu vertuschen.

Auf der Suche nach Anekdoten und Schilderungen über die schrägsten Vögel des Habsburger-Clans ist Gabriele Hasmann einmal quer durch die Herrschergeschichte gereist. Dabei springt sie oft durch die Zeit, denn der Inhalt ist nicht chronologisch geordnet, vieles wird auch mehrfach wiederholt. Themengebieten wie Magie, sexuellen Eskapaden und Süchten werden größere Kapitel gewidmet, am Ende des Buches findet der Leser noch andere kleinere Anekdoten, die zum Schmunzeln bringen.

Buchtipp:

Habsburgs schräge Vögel – Extravaganzen und Allüren eines Herrscherhauses

Verlag: Ueberreuter

Autorin: Gabriele Hasmann

ISBN: 978-3-8000-7702-1

(Red/VKP)
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