Habe Elsner "ganz gut überlebt"

Rudolf Leeb hatte das Gefühl, dass auch im Aufsichtsrat die Betriebsräte nicht unbedingt gern gesehen waren.

Rudolf Leeb, ein ebenfalls vom Betriebsrat entsandter ehemaliger BAWAG-Aufsichtsrat, widersprach dem vorangegangenen Zeugen Gerd Grünauer, wonach alle Arbeitnehmervertreter bei der Abstimmung über Helmut Elsners Pensionsabfindung „draußen“ geblieben wären: „Ich bin der Meinung, dass wir drinnen waren und mitgestimmt haben. Helmut Elsner ist dann plötzlich reingekommen und hat sich mit Kopfnicken bedankt, dass die Abfindung beschlossen wurde.“

Die Pensionsabfindung für den damaligen BAWAG-Generaldirektor sei erst unmittelbar vor der Aufsichtsratssitzung als so genannte Tischvorlage Thema geworden – ein Umstand, der Leeb offensichtlich nicht sehr behagte: „Da liegt ein Packerl, das man vorher nicht lesen kann. Das ist auch eine Form, etwas durchzubringen, wenn man es vorher nicht durchlesen kann!“

Zum Zeitpunkt der Abstimmung im Jahr 2000 sei er weder über den vom BAWAG-Vorstand zu verantwortenden Verlust informiert gewesen noch habe er Höhe, Berechnungsart und Auszahlungsweise der Elsner-Pension gekannt. „Wenn wir gewusst hätten, dass es die Verluste gibt, hätten wir nicht zugestimmt“, bemerkte Leeb. Er sei außerdem davon ausgegangen, dass Elsner das Geld nicht sofort bekommt, sondern dass die Summe hinterlegt und erst bei seinem Pensionsantritt ausbezahlt wird. Daher habe er sich geärgert, als er erfahren habe, dass Elsner noch vor seinem Pensionsantritt eine Villa in Südfrankreich gekauft habe, offenbar mit dem Geld aus der Abfindung.

Elsner versicherte in diesem Zusammenhang, er habe das Geld „sehr, sehr lange“ nicht angegriffen: „Ich hatte ja Ersparnisse!“ Staatsanwalt Georg Krakow machte daraufhin darauf aufmerksam, dass binnen kürzester Zeit 1,235 Mio. Euro an eine Stiftung Elsners geflossen waren. „Das war einzig und allein eine steuerliche Sache!“, verteidigte sich Elsner. Die Stiftung sei von seiner Person zu trennen.

Einige Zuhörer brachen bei dieser Feststellung in Gelächter aus, worauf Elsner grummelte: „Das ist gar nicht so lustig!“

Auch das Verhältnis Elsners zum Ex-Aufsichtsrat Leeb, der nach wie vor in der Marketing- und Werbeabteilung der BAWAG tätig ist, war nach dessen Darstellung „etwas spannungsgeladen“. „Aber ich habe es ganz gut überlebt. Ich habe mich nicht gefürchtet, und ich habe mir nichts gefallen lassen“, berichtete der Zeuge dem Schöffensenat.

Leeb hatte das Gefühl, dass auch im Aufsichtsrat die Betriebsräte nicht unbedingt gern gesehen waren: „Man hat uns als Störfaktor gesehen.“ Über seine aktuelle berufliche Situation meinte er: „Die Mitarbeiter haben in den letzten Jahren viel Stress gehabt. Das Vertrauensverhältnis ist natürlich erschüttert. Manchmal steht man wie ein Trottel da.“

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